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Abstiegskampf: Entscheidet der Meister das Rennen?

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Bundesliga-Saisonfinale Eine Frage der Meister-Ehre

Meister ist Borussia Dortmund schon, jetzt kann der Club zusätzlich den Abstiegskampf entscheiden. Der BVB spielt noch gegen zwei Kellerkinder der Liga, und die Konkurrenz fürchtet ein Nachlassen des Titelträgers. Mannschaft und Trainer versprechen dagegen vollen Einsatz.

Für die einen geht es um die Existenz, für die anderen nur um die Ehre. Die Meisterschaft hat Borussia Dortmund bereits am vergangenen Wochenende errungen, aber zwei Saisonpartien hat der Club trotzdem noch zu absolvieren. Gegner sind dort mit Werder Bremen und Eintracht Frankfurt zwei Teams, für die im Abstiegskampf noch alles auf dem Spiel steht. Und die nach den opulenten Siegesfeiern der vergangenen Tage in Dortmund jetzt auf die nachlassende Motivation der Klopp-Truppe hoffen dürfen.

Sorge besteht in dieser Hinsicht vor allem bei der direkten Abstiegskonkurrenz der Bremer und Frankfurter: In Köln, Wolfsburg und Mönchengladbach werden daher die Appelle in Richtung Dortmund derzeit besonders eindringlich formuliert. Tatsächlich dürfte auf den frisch erworbenen Meistertitel ein Schatten fallen, wenn der BVB, bisher in der Spielzeit so dominant, die Abschlusspartien lediglich lustlos abwickeln - und dadurch den Abstiegskampf entscheidend beeinflussen würde.

Offiziell weist der neue Deutsche Meister alles vehement zurück, was für mangelnden Einsatz in den beiden letzten Saisonspielen sprechen könnte. "Wir werden gar nichts verschenken", sagt Sportdirektor Michael Zorc, "der Name des Trainers Jürgen Klopp steht auch dafür, dass wir die letzten Begegnungen genauso angehen wie alle vorherigen". Der Coach hat ein entsprechendes Zeichen in diese Richtung gesetzt: Wie in den Wochen, in denen es für den BVB um alles ging, trainiert die Mannschaft ab Donnerstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit. "Wir wollen uns seriös auf das Spiel in Bremen vorbereiten", sagte Klopp der WAZ-Gruppe.

"Jung regeneriert schnell"

"Es würde nicht zum Charakter der Mannschaft passen, Punkte abzuschenken", hat Jung-Nationalspieler Kevin Großkreutz in der "Welt" bekräftigt, verbunden mit dem Versprechen, sich "für den Rest der Saison noch einmal richtig zusammenzureißen". Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat noch ein weiteres Argument parat, warum sich die Liga-Konkurrenz nicht darauf verlassen könne, dass der BVB aufgrund der Feierlichkeiten in seiner Leistung nachlassen werde: Die Mannschaft sei schließlich sehr jung, und "Jugend regeneriert schnell".

Und immer wieder folgt in diesem Zusammenhang von Dortmunder Seite der Hinweis auf Torwart Roman Weidenfeller. Der BVB-Kapitän hat in dieser Spielzeit bislang lediglich 19 Treffer kassiert - so wenige wie noch keiner zuvor in der Geschichte der Liga. Den aktuellen Rekord in dieser Hinsicht hält derzeit noch Bayern-Keeper Oliver Kahn, der in der Saison 2007/2008 21mal hinter sich greifen musste. "Weidenfeller hat mir in der Nacht der Meisterfeier noch gesagt, dass er diesen Rekord unbedingt für sich behalten will", so Zorc.

Zudem haben Beobachter ausgerechnet, dass der BVB in dieser Saison noch einen weiteren Rekord aufstellen kann: Wenn das Team am Samstag in Bremen (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gewinnt, wäre dies der zwölfte Auswärtserfolg dieser Spielzeit. Auch das hätte zuvor niemand geschafft.

Auswärtssieg-Rekord hin oder her - letztlich sind das nur Statistiken, die schnell vergessen werden. Daher dürfte die Motivation der beiden gegnerischen Teams, deren Erstligazugehörigkeit vom Ausgang der Spiele abhängt, weit höher sein als die der Borussen. Werder Bremen verfügt zwar über vermeintlich bequeme 38 Punkte, auch der Tabellenrang 13 verheißt einen gewissen Abstand zur Kellerregion, doch dies trügt: Werder verfügt nach Köln und Mönchengladbach über das schlechteste Torverhältnis. Bei zwei Niederlagen und Siegen der Konkurrenz könnte Werder sogar noch auf einen direkten Abstiegsplatz zurückfallen. Zuletzt präsentierte sich Werder bei der 0:1-Heimpleite gegen den VfL Wolfsburg in äußerst schwacher Form.

Für Frankfurt sieht es noch bedrohlicher aus. Verliert der Tabellen-16. die beiden ausstehenden Begegnungen gegen Köln und in Dortmund, rechnet jeder im Umfeld der Eintracht mit dem Abstieg. In dieser Situation zählt jeder Strohhalm - und dazu gehört auch, dass der ursprüngliche Wettbewerbsnachteil, noch gegen das beste Team der Liga antreten zu müssen, zum Saisonende womöglich zum Vorteil wird.

Bremens Nationalspieler Per Mertesacker hat daher auch schon einmal angekündigt, er freue sich "auf dieses schöne Spiel" gegen den BVB - da schwingt auch Spekulation mit, dass die Dortmunder eventuell nicht mehr ganz ernst machen könnten. Auch wenn Werder-Sportdirektor Klaus Allofs im "Weser-Kurier" gleich anfügte: "Wenn wir noch einmal so spielen wie gegen Wolfsburg, dann könnten die Dortmunder auch eine Woche lang ununterbrochen feiern - und wir würden trotzdem nicht gewinnen". Für Allofs steht ohnehin fest: "Alle, die jetzt denken, wir würden Geschenke der Dortmunder bekommen, liegen falsch. Wir wissen das, unsere Spieler wissen das auch."

Das letzte Mal, dass ein bereits feststehender Meister seine beiden Abschlussspiele verloren hatte, ohne noch einmal großen Einsatz zu zeigen, war übrigens im Jahr 2004. Der Titelträger damals verlor zunächst zu Hause gegen Bayer Leverkusen 2:6 und verlor dann auch noch sein Auswärtsspiel bei Hansa Rostock 3:1. Das damalige Meisterteam, das sich dies erlaubte, hieß Werder Bremen.

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