Bundesliga-Keller Dieser Abstiegskampf ist ein Trauerspiel

Schalke, Stuttgart, Nürnberg, Hannover - seit Wochen verharren diese vier Vereine am Tabellenende der Bundesliga. Trainerwechsel bleiben wirkungslos. Über einen Abstiegskampf, der seinen Namen nicht verdient.

Schalkes Trainer Huub Stevens brachte nicht den erhofften Aufschwung.
Rolf Vennenbernd / DPA

Schalkes Trainer Huub Stevens brachte nicht den erhofften Aufschwung.

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Als Vergleich den Nachbarn SC Freiburg heranzuziehen, wäre ungerecht. Im Badischen herrscht schließlich nicht nur angesichts der Sonnenstunden ein besonderes Binnenklima. Vor allem aber sind die Medien weniger aufgeregt und das Anspruchsdenken bleibt an der Realität orientiert.

Dennoch sollten die Verantwortlichen des VfB Stuttgart diese Statistik einfach mal auf sich wirken lassen: Der SC Freiburg hat seit 1991 vier Trainer gehabt, der VfB Stuttgart seit 2004 19. Pardon, jetzt 20, denn U19-Coach Nico Willig ist seit diesem Wochenende der Chef für die vier verbleibenden Spieltage. Die erfolglose Zeit von Markus Weinzierl hat mit dem 0:6 in Augsburg ihr Ende gefunden.

Dass es Weinzierls Ex-Verein war, der letztlich das Trainerschicksal des 44-Jährigen besiegelte, bereichert die Bundesliga-Statistik auch auf eine andere Weise: Zum vierten mal in den vergangenen sechs Jahren war es der FC Augsburg, der einen Stuttgarter Trainerjob jäh beendete. Auch Bruno Labbadia (2013), Armin Veh (2014) und Alexander Zorniger (2015) saßen gegen den FCA letztmals auf der VfB-Bank. Der Augsburger Trainer in all diesen drei Fällen hieß Markus Weinzierl.

Vier Siege in 23 Spielen hat der Coach, der im Oktober Tayfun Korkut ersetzte, errungen. In der Rückrunde waren es gerade mal sieben ärmliche Punkte, die seine Mannschaft in 13 Partien holen konnte. Dies ist normalerweise eine Bilanz eines sicheren Absteigers. Zu den Absonderlichkeiten dieser Spielzeit gehört allerdings, dass der VfB sich damit wahrscheinlich sogar in die Relegation retten wird.

Im Keller ist immer noch November

Dieser Abstiegskampf verdient seinen Namen in der Saison 2018/2019 nicht. Vier Teams stehen unten, Schalke 04, der VfB, der 1. FC Nürnberg und Hannover 96. Es sind genau die vier Mannschaften, die in der Rückrundentabelle die Plätze 15 bis 18 belegen. Sie stehen also vollkommen zu Recht dort unten. Der Frühling ist längst da, und im Tabellenkeller ist immer noch November.

Jede Woche ein neuer Tiefpunkt, lediglich der FCN zuckt noch, sammelt hier ein Pünktchen, da noch einen Zähler. Aber ihre fußballerische Qualität ist zu gering für einen echten Durchbruch. Das Restprogramm mit dem FC Bayern, Wolfsburg und Gladbach gibt auch keinen Anlass zur Hoffnung. Die Nürnberger haben zwei, drei Wochen zu spät gemerkt, dass die anderen Mannschaften auch nicht viel besser sind. Es ist ein kleines Wunder, dass diese Truppe überhaupt noch vom Klassenerhalt träumen kann. Das sagt auch einiges über die Liga aus.

Hannovers Trainer Thomas Doll gehen die Ideen aus, wie man 96 retten kann
Peter Steffen / DPA

Hannovers Trainer Thomas Doll gehen die Ideen aus, wie man 96 retten kann

Hinter den Nürnbergern steht nur noch Hannover 96, ein bedauernswerter Verein in jeder Hinsicht. Sportlich sowieso, aber auch die Pressekonferenzen nach der nächsten Niederlage von Trainer Thomas Doll haben nur noch kabarettistischen Wert, die Vereinsführung ist ohne jede Orientierung. An der Spitze steht ein Präsident, der immer glaubte, alles im Griff zu haben, der letzte absolutistische Herrscher der Liga, der jetzt ohne eigenes Reich dasteht.

Für den Samstag war Martin Kind ins Aktuelle Sportstudio des ZDF eingeladen. Über Themen wie den vereinsinternen Großkonflikt um seine Amtsführung wollte er nach Angaben der Redaktion aber nicht reden und wurde deshalb einen Tag vorher wieder ausgeladen. Hannover ist der Tabellenletzte, der all das erfüllt, was einen Tabellenletzten ausmachen sollte. Das Schlusslicht als Irrlicht.

Die absolute Minimallösung

Und dann gibt es noch den FC Schalke 04, auch ein Torso seit Monaten und nur noch mal am Rande erwähnt, der Vizemeister der Vorsaison. Huub Stevens, geholt als die Ultima Ratio des Trainergeschäfts, sollte Mannschaft, Verein und Umfeld wieder einigermaßen beruhigen. Mehr als die Verwaltung des Mangels gelingt dem treuen Huub nicht mehr. Mit den Schalkern hat er jetzt von fünf Spielen eins gewonnen, ein 1:0 bei Hannover 96. Und dieser eine Sieg wird vermutlich ausreichen, die Klasse zu halten. Weil die Anderen genauso schlecht oder noch schlechter spielen.

In der nächsten Woche steht das Derby bei Borussia Dortmund an. Dieses Spiel nicht zu schlimm werden zu lassen, ist das einzig verbleibende Saisonziel. Das ist schon alles sehr traurig.

In den vergangenen Jahren war die Tabellenspitze die denkbar uninteressanteste Region in der Bundesliga. Meister Bayern, irgendwann im März oder April. Aber zumindest um den Klassenerhalt wurde meist bis zuletzt gerungen. Diesmal ist der Titelkampf wieder spannend, dafür dämmern die Kellerkinder in Agonie dem Saisonende entgegen. Man kann in der deutschen Bundesliga offenbar nicht alles haben.



insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
haeff-m 21.04.2019
1. Bittebittebitte.....
Ich bin dafür, daß es in dieser Saison 4 direkte Absteiger in die 2. Liga geben sollte. Jeder Zweitligist hat fußballerisch mehr drauf als die Kicker dieser Mannschaften. Echt erbärmlich! Das Beste an dieser Saison: Sie ist bald vorbei!
hileute 21.04.2019
2. Schade, dass
man den 4 Teams nicht ihren offensichtlichen Willen gewähren kann und sie allesamt in Liga 2 schickt, da können sie mit den aktuellen Leistungen zwar rein nichts reißen, aber vlt schaffen sie dort wenigstens einen 1 Punkt Schnitt pro Spiel. Zwar wollen bis auf Köln und Paderborn niemand aufsteigen, aber auch Kiel Union Heidenheim und der HSV wären sicher nicht weniger bundesligatauglich als diese 4 Mannschaften
ALEMANNE2 21.04.2019
3. Ein guter Kommentar
trifft die Situation dort unten im Tabellenkeller auf den Punkt. Der Satz "dafür dämmern die Kellerkinder in Agonie dem Saisonende entgegen" beschreibt den Zustand sehr treffend. Man könnte es auch mit einem Satz aus 'Asterix bei den Olympischen Spielen' umschreiben: "Möge der am wenigsten schwächliche gewinnen", d.h. nicht absteigen. Und ganz nebenbei bemerkt: Egal wie die Paarung der Relegationsspiele lauten wird, meine Unterstützung hat dieses Mal zu 100% der Zweitligist.
arcalert 21.04.2019
4. eigentlich nur 3..
wenn man das 5-monatige Missverständnis Marcus Sorg ausser acht lässt, hatte der SC Freiburg seit 1991 nur drei Trainer: Finke, Dutt, Streich. Herr Sorg ist mit einem Zwischenschritt FCB Nachwuchs in die leistungsbefreite DFB Kuschelzone geschlüpft. Hier befindet er sich in guter Gesellschaft von Trainern, die es in den (Top-)Ligen nicht wirklich zu Erfolgen gebracht haben.
rösti 21.04.2019
5. Ja
Das ist traurig auf Schalke...die Mannschaft alles anderes als eine Mannschaft, der Trainer nicht mehr Bundesliga tauglich und konnte aus dieser Mannschaft kein Team machen, das mit Kampf und (vorhandenem ) Können sich wenigstens aus der Gefahrenzone befreien kann! Mit wildem Rum turnen und Schiedsrichterbeleidigungen tut er sich und der Mannschaft keinen gefallen.....Alte Zeiten lassen sich nicht herbei Brüllen....heute zählen andere Eigenschaften!! Man hätte den alten Trainer behalten sollen, verlieren hätte er auch gekonnt aber vielleicht hätte er auch mal ein Spiel gewonnen... Jedenfalls ist das nicht mehr das Schalke was wir lieben gelernt haben! Es ist eine Seelen lose Mannschaft und Führung, da nützt das Steigerlied auch nichts!
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