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Fotostrecke: 70 Jahre und kein bisschen leise

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Vor dem Bundesligastart Der Aufstand der alten Männer

Mateschitz, Hopp, Kind: Die größten Veränderungen in der Bundesliga gehen von drei Männern aus, die die 70 schon hinter sich haben. Sie führen wie in den Fünfzigerjahren und wollen doch Modernisierer sein.

Normalerweise funktioniert das so mit dem Generationenkonflikt: Die Jüngeren sind nicht mehr damit einverstanden, dass alles so bleibt, wie es ist und rebellieren dagegen. Die Alten ziehen sich in die konservative Ecke zurück und verteidigen die alten Werte: Bloß nichts verändern. Wir haben das doch immer schon so gemacht.

Nur in der Bundesliga ist das andersherum.

Diejenigen, die die am Freitag in ihre 55. Spielzeit startende Liga am nachhaltigsten umformen wollen, sind die alten Männer. Martin Kind, 73 Jahre alt, Dietmar Hopp, 77 Jahre alt, Dietrich Mateschitz, 73 Jahre alt. Drei Namen, die dafür stehen, wie die Bundesliga ihr Gesicht verändert. Und drei, denen das noch lange nicht ausreicht.

Die 50+1-Regel...

...besagt, dass Investoren ungeachtet der Höhe ihrer Anteile nicht die Stimmenmehrheit an einem Fußballklub erlangen. Viele Bundesligaklubs haben ihre Lizenzspielerabteilungen als Kapitalgesellschaften ausgegliedert, um so Investoren anzulocken. Mit der Regel soll verhindert werden, dass diese Geldgeber die Entscheidungshoheit über diese Bereiche übernehmen können.

Kind, Klubboss von Hannover 96, will die Liga für Investoren und deren Geld von außen öffnen - und zwar weit mehr, als es derzeit noch offiziell erlaubt ist. Die 50-plus-1-Regel betrachtet er als seinen natürlichen Feind, daran arbeitet er sich seit Jahren ab. Bei seinem eigenen Verein hat er sein Ziel bereits erreicht, Kind war immer schon der starke Mann bei 96, ohne ihn lief nichts, aber jetzt hat er sich das auch offiziell absegnen lassen. Kind hat den Verein praktisch übernommen und profitiert dabei von einer Ausnahmeregelung der Deutschen Fußball-Liga.

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Als sei das nicht schon genug, hat der Hörgeräte-Unternehmer zudem den Ultras von 96 offen den Kampf angesagt. Kind sieht eine Ultra-Kultur im Stadion als überflüssig an: "Die wollen wir gar nicht, die brauchen wir nicht", hat er zuletzt in der "Bild" gesagt. Die Stimmung ist aufgeheizt beim Aufsteiger, Kind hat mittlerweile Personenschutz bekommen.

Das Feindbild vieler Fans

Der zweite Veränderer, Dietmar Hopp, hat mit seinem Geld als SAP-Mitbegründer möglich gemacht, aus einem Dorfklub einen Champions-League-Qualifikanten zu machen. Hopp hat sich immer als Mäzen der TSG Hoffenheim gesehen, aber er ist vor allem Geldgeber. Er hat in Sinsheim, dort wo vorher so gut wie nichts an Fußball war, mit Millionen-Investitionen die Infrastruktur geschaffen, er hat Transfers ermöglicht, die andere Vereine nicht tätigen konnten. So etwas wie Hoffenheim gab es vorher in der Liga nicht. Wie Kind ist er damit zum Feindbild vieler Fans geworden.

Was Dietrich Mateschitz ohnehin ist. Der Macher des Red-Bull-Konzerns hat sich Leipzig als Standort für sein Projekt Spitzenfußball ausgesucht, allein das ist schon ein extrem cleverer Schachzug. In Leipzig gab es den Ostbonus, es gab eine Fanbasis, es gab ein erstligareifes Stadion, es gab Bedarf, es gab alles, was man brauchte - bis auf eine Lizenz, aber auch die gab es bekanntlich auf wundersame Weise irgendwann. Und wenn es Probleme mit den Verbänden gibt, weil Konzern und Verein ganz offensichtlich zu eng verzahnt sind, dann werden das Vereinslogo und die Satzung ebenso unwesentlich verändert, dass die überforderten Verbandsfunktionäre es durchwinken.

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In Leipzig haben sie den Fußball neu geplant, komplett neu, ohne all das, was man unter Tradition zusammenfasst. Und mit Ralf Rangnick hat Red Bull jemanden gefunden, der all das umsetzt. Rangnick war Trainer bei Hannover 96 unter Kind, er war Trainer in Hoffenheim unter Hopp, jetzt ist er der Baumeister bei Mateschitz. Das Ergebnis ist bekannt: RB wartet in der kommenden Woche auf die Champions-League-Auslosung.

Mateschitz ist gar kein großer Fußballfan

Mateschitz ist anders als Hopp kein großer Fußballfan, er ist, anders als Hopp, nicht mit der Region Leipzig in irgendeiner Form verbandelt, er ist kaum im Stadion. Wenn es passt, wurden Profis zwischen Salzburg, Leipzig und New York hin- und hergeschoben, Formel 1 und Extremsport sind viel eher die Steckenpferde des Konzernchefs. Aber Mateschitz hat einfach beweisen wollen, dass er es auch im Fußball kann. Etwas aus dem Boden stampfen.

Mit dem, was die Bundesliga in den Augen vieler Fans ausmacht, hat das alles nicht mehr viel zu tun. Aber das stört die alten Männer nicht. Alle drei sind erfolgreiche Unternehmer, alle drei haben ohnehin immer getan, was sie für richtig halten. Regularien, Vorschriften - das hat sie nie wirklich interessiert, letztlich waren und sind es Patriarchen. So haben sie ihre Konzerne geführt, so haben sie den Führungsstil auch auf den Fußball übertragen. Und jetzt sind sie zu alt, um noch geduldig zu warten, bis irgendwelche Verbandsmeier ihnen Genehmigungen ausstellen.

Kind, Hopp, Mateschitz - alle drei sind Unternehmertypen, die im Grunde auch in den Fünfziger- und Sechzigerjahren hätten existieren können, als es noch keine flachen Hierarchien gab und am Fußball noch der Schlamm klebte. Ausgerechnet sie sind es, die sich als die Modernisierer des Fußballs verstehen.

Die Ultras, die Traditionsfans, die Fußballromantiker, sie nennen sie nicht Modernisierer. Sie nennen sie Totengräber des Fußballs. Es ist ihnen egal.

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