Bundesliga Simak schießt Stuttgart aus der Krise

Kaum eingewechselt, schon getroffen: Der Tscheche Jan Simak trug mit einem sehenswerten Tor zum Stuttgarter Erfolg gegen Schalke bei. Keinen Gewinner gab es zwischen Bochum und dem Hamburger SV, keine Treffer in der Partie zwischen Dortmund und Wolfsburg.

Hamburg - Erster Erfolg nach fünf sieglosen Spielen: Der VfB Stuttgart bezwang Schalke 04 bei der Bundesligapremiere von Coach Markus Babbel dank zweier später Treffern 2:0 (0:0). Die Tore für die Gastgeber erzielten Mittelfeldspieler Jan Simak (79.) und Stürmer Mario Gomez (83.). Bochum und der Hamburger SV trennten sich 1:1 (1:0)-Unentschieden. Der Slowake Stanislav Sestak hatte den VfL in der 39. Minute in Führung gebracht, der Kroate Ivica Olic für die Gäste ausgeglichen (70.). Keine Treffer fielen zwischen Borussia Dortmund und dem VfL Wolfsburg.

Vor 55.800 Zuschauern begannen die Stuttgarter drei Tage nach dem 1:1 im Uefa-Cup bei Sampdoria Genua selbstbewusst, zeigten sich kombinationsfreudig und hatten zunächst die größeren Spielanteile. Die großen Chancen zur Führung besaßen danach allerdings die Schalker. Zunächst traf Nationalspieler Jermaine Jones nur den Pfosten, danach klärte der Ivorer Arthur Boka beim Nachschuss von Jefferson Farfan gerade noch auf der Linie (12.). Vier Minuten später vergab Farfan eine weitere Großchance: Der Peruaner scheiterte mit seinem Foulelfmeter am gut reagierenden VfB-Keeper Lehmann. Boka hatte den einschussbereiten Stürmer Kevin Kuranyi zuvor im Strafraum zu Fall gebracht.

Die Schalker blieben auch in der Folge das gefährlichere Team. Erneut Farfan verfehlte das Ziel in der 26. Minute nur knapp. Beim VfB dagegen endeten die Angriffsbemühungen meist an der Strafraumgrenze. Den Schwaben, bei denen Sami Khedira in die Anfangsformation zurückgekehrt war, gelang es kaum einmal, die Schalker Abwehr auszuhebeln. Eine Ausnahme bildete die 28. Minute, als zunächst Nationalstürmer Mario Gomez aus spitzem Winkel an Keeper Manuel Neuer scheiterte. Der Nachschuss von Kapitän Thomas Hitzlsperger strich knapp am Tor vorbei.

Ansonsten war vom Selbstbewusstsein der Anfangsphase nicht mehr viel übrig. Die Schalker, bei denen Fabian Ernst im Vergleich zum 0:2 gegen Manchester Ivan Rakitic im Mittelfeld ersetzte, sahen sich im zweiten Durchgang deutlich stärker unter Druck gesetzt. Innenverteidiger Benedikt Höwedes, der kurz vor der Pause für den angeschlagenen Kapitän Marcelo Bordon ins Spiel gekommen war, rettete in der 58. Minute vor Gomez. Zwei Minuten später rutschte der VfB-Angreifer an einer scharfen Hereingabe des eingewechselten Cacau vorbei.

Die Schwaben erhöhten nun immer mehr den Druck, in der Offensive fanden die Schalker kaum noch statt. Hitzlsperger vergab in der 67. Minute eine weitere gute Gelegenheit des VfB, als er mit einem Linksschuss knapp scheiterte. Sechs Minuten nach seiner Einwechslung sorgte Simak dann für den Führungstreffer, Gomez stellte vier Minuten später den Endstand her.

"Das tut ganz weh, dass man ein Spiel wie heute verliert. Das war nicht nötig", sagte Schalke-Coach Fred Rutten. "Wir haben mehr verdient. Die Zeiten auf Schalke sind schon schwer, so wird es noch schwerer." VfB-Trainer Babbel klang verständlicherweise entspannter: "Das hat viele Nerven gekostet. Speziell in der ersten Halbzeit waren wir verunsichert. In der zweiten Halbzeit ist es dann besser geworden und wir haben unsere Chancen genutzt."

Spektakulärer Scherenschlag reicht Bochum nicht

Durch das sechste Saisontor des in der 58. Minute eingewechselten Olic konnte der HSV nach zuvor drei Pleiten auf fremden Plätzen in Folge zumindest einen Punktgewinn feiern und verteidigte mit 27 Punkten den fünften Tabellenplatz. Der VfL wartet seit nunmehr elf Spielen auf einen Sieg und bleibt mit elf Punkten weiter auf dem Relegationsplatz. "Wir wollten mit Macht zuviel. Wir sind mit dem Tor aber für unsere Bemühung belohnt worden", sagte HSV-Defensivmann Bastian Reinhardt.

Beide Trainer boten vor 23.157 Zuschauern gegenüber den vergangenen Spielen veränderte Anfangsformationen auf. Bochums Coach Marcel Koller ließ gegenüber dem 2:3 gegen Hertha BSC Berlin Oliver Schröder und Christian Fuchs von Beginn an in der Abwehr ran, dazu spielten Joel Epalle im Mittelfeld und Stanislav Sestak im Angriff. HSV-Trainer Martin Jol verzichtete gegenüber dem Amsterdam-Spiel zunächst auf die in dieser Saison am stärksten belasteten Nationalspieler Piotr Trochowski und Olic.

Die Zuschauer sahen bei nasskaltem Wetter und Temperaturen um den Gefrierpunkt eine abwechslungsreiche Begegnung. Sestaks Sturmpartner Marcin Mieciel hatte die erste gute Chance für Bochum (2.). Danach kam der HSV aber besser ins Spiel und zu guten Möglichkeiten. Zunächst rettete Bochums Keeper Daniel Fernandes vor Mladen Petric (12.), wenig später zog Kapitän David Jarolim aus 14 Metern knapp vorbei (14.).

Die größten Möglichkeiten aber hatte der VfL durch Mieciel (19.) und Sestak (33.). Ein Tor für den HSV durch Paolo Guerrero (23.) wurde wegen eines vorangegangenen Handspiels des Peruaners von Schiedsrichter Felix Brych nicht anerkannt. "Das war eine Fehlentscheidung", sagte Guerrero. "Wir hätten sonst das Spiel gewonnen." Der Treffer durch Sestak - durch einen spektakulären Scherenschlag des Slowaken - war aufgrund der Anzahl an Möglichkeiten nicht unverdient für Bochum.

"Wir hatten über 90 Minuten die besseren Chancen. Es gibt Mannschaften, denen reichen solche Chancen für zwei Siege", ärgerte sich Koller nach der Partie. "Das ist der einzige Vorwurf, den ich meiner Mannschaft machen kann."

Nach dem Wechsel zeigte sich der HSV zeigte sich aktiver und drängte auf den Ausgleich, Chancen sprangen aber nicht heraus. Die hatte hingegen der VfL durch Christian Fuchs (50.), mit dessen Flanke HSV-Torhüter Rost große Probleme hatte. Sieben Minuten später köpfte Mieciel nur knapp am Tor vorbei. In der 58. Minute reagiert HSV-Coach Martin Jol und bracht in Olic für Verteidiger Jerome Boateng einen weiteren Angreifer. Für Bochum hätte Epalle das 2:0 machen können (65.). Zum Schluss sahen die Zuschauer einen offenen Schlagabtausch. Dabei hatte Sestak mit einem Schuss an das Lattenkreuz die große Chance zum Bochumer Sieg.

"Das Unentschieden geht in Ordnung. In der zweiten Halbzeit hat man gesehen, dass die Mannschaft das Spiel noch drehen wollte. Es passieren aber immer noch Unachtsamkeiten in unserem Spiel. Die Abstimmung stimmt noch nicht", sagte HSV-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer.

Weder Dortmund noch Wolfsburg treffen das Tor

Borussia Dortmund hat erneut eine große Chance zum Sprung in die Uefa-Cup-Ränge verpasst. Das torlose Remis gegen den VfL Wolfsburg war bereits das sechste Unentschieden der laufenden Saison vor den eigenen Fans. Die Niedersachsen hingegen warten seit dem 4:2 am letzten Spieltag der vergangenen Saison ausgerechnet in Dortmund weiterhin auf den ersten Auswärtssieg der Saison. "Den wenigsten Leuten hat dieses Spiel wirklich Spaß gemacht", bilanzierte Dortmunds Coach Jürgen Klopp. "Es war ein Remis der weniger schönen Art. Das Ergebnis ist gerecht." Drei Tage nach dem 3:2-Erfolg im Uefa-Pokal bei Sporting Braga in Portugal war die Marschroute der Wolfsburger von Beginn an klar. Die Mannschaft von Trainer Felix Magath versuchte mit einer massiven Abwehr und Kontern zum Erfolg zu kommen. Das Rezept ging besonders in der ersten Halbzeit voll auf, denn die Dortmunder taten sich im Spielaufbau äußerst schwer. Die dicht gestaffelten "Wölfe" provozierten bei den Gastgebern zahlreiche Ballverluste und ließen ein flüssiges Kombinationsspiel kaum zu.

Die Bemühungen der Dortmunder, die auf die angeschlagenen Sebastian Kehl, Nelson Valdez und auch kurzfristig auf Patrick Owomoyela verzichten mussten, endeten vor 67.100 Zuschauern spätestens am Wolfsburger Strafraum. So blieb es bis zur Halbzeit bei einer Chance des insgesamt schwachen BVB-Stürmers Mohamed Zidan, der das Wolfsburger Tor aus spitzem Winkel nur knapp verfehlte. Wesentlich gefährlicher präsentierte sich der VfL bei seinen schnellen Kontern mit zwei Chancen von Angreifer Edin Dzeko sowie einem Kopfball von Nationalspieler Marcel Schäfer an das Außennetz.

Aggressiver präsentierte sich Dortmund nach dem Wiederanpfiff und besonders nach der Einwechslung von Jakub Blaszczykowski, der für frischen Wind im Angriff und einige gelungene Angriffe sorgte. Dennoch überstand Wolfsburg mit seiner gut geordneten Defensive auch einige brenzlige Situationen. Dortmund ließ jegliche Torgefahr vermissen, weil die Ideen fehlten, um die Gäste zu überraschen.

Der VfL, der auf seinen derzeit besten Torschützen Grafite wegen einer Ohrenverletzung verzichten musste, besaß durch den Italiener Cristian Zaccardo sogar die Chance zum möglicherweise entscheidenden Treffer. Doch der Weltmeister scheiterte mit einem Kopfball an BVB-Keeper Roman Weidenfeller, der wenig später auch noch einen Flachschuss von Außenverteidiger Sascha Riether bravourös parierte. "Ich bin mit dem Spiel, aber nicht mit dem Punkt zufrieden", sagte VfL-Coach Felix Magath. "Wir haben hinten wenig zugelassen, aber unsere Chancen nicht genutzt."

fsc/sid

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