Bundesliga-Sonntag Bayern dreht Spiel in Unterzahl

Bittere Pleite für Bochum: Trotz langer Überzahl und früher Führung des VfL gewann der FC Bayern ein spannendes Duell. Franck Ribéry traf per Handelfmeter. Dortmund siegte gegen Leverkusen in letzter Sekunde, obwohl Torhüter Marc Ziegler schwer patzte.


Hamburg - Bayern München ist der 21. Meisterschaft einen großen Schritt nähergekommen. Der Rekordtitelträger gewann nach kämpferisch starker Leistung und in Unterzahl gegen den VfL Bochum 3:1 (1:1) und hat nun neun Punkte Vorsprung auf Platz zwei. "Wir haben eine unglaubliche Moral bewiesen und gefightet bis zum Abwinken. Hut aber vor der Mannschaft", lobte Kapitän Oliver Kahn seine Mitspieler.

Mittelfeldspieler Mimoun Azaouagh hatte die Gäste nach nur vier Minuten in Führung gebracht, und nach der Gelb-Roten Karte gegen Mittelfeldman Mark van Bommel (27.) sprach zunächst alles gegen die Münchner. Doch Verteidiger Lucio (31.) und Spielmacher Franck Ribéry (74./Handelfmeter) drehten das Spiel, ehe Außenverteidiger Christian Lell nach toller Vorarbeit des eingewechselten Stürmers Miroslav Klose in der 88. Minute alles klar machte.

Vor 69.000 Zuschauern in der ausverkauften Münchner WM-Arena stellte der Gast zunächst die bessere, weil viel konzentriertere Mannschaft. Das 0:1 war der verdiente Lohn der sehr guten Anfangsphase des VfL. Ein unnötiger Befreiungsschlag von Lucio landete über Umwege bei Azaouagh, der den Ball mit voller Wucht aus 24 Metern unhaltbar für Torhüter Kahn in die obere Torecke knallte. Ribéry hatte nach 16 Minuten die beste Torchance zum Ausgleich, doch er zielte alleine vor Torwart Jan Lastuvka knapp am Bochumer Tor vorbei.

Als kurz darauf Lucio per Kopf vergab und auch noch van Bommel nach einem zu risikoreichen Tackling gegen Defensivspieler Oliver Schröder Gelb-Rot sah, schien Bochum endgültig die besseren Karten zu haben. "Der Platzverweis war unberechtigt, es war ein ganz normaler Pressschlag", sagte Hitzfeld und verschärfte die Kritik am Schiedsrichter sogar noch: "Weiner hat heute so gepfiffen wie beim Frauenfußball". Doch die Rote Karte war gleichzeitig ein Weckruf für die Münchner. Vier Minuten später traf Lucio nach einem Freistoß von Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger per Kopf zum 1:1, und die Bayern blieben am Drücker.

VfL-Coach Marcel Koller musste zudem Azaouagh nach der Pause in der Kabine lassen: Der bis dahin beste Mann auf dem Platz hatte sich bei einem Zweikampf mit Ribéry verletzt. Mit dem eingewechselten Stürmer Tommy Bechmann lief im Offensivspiel der Bochumer nur noch wenig zusammen, Kahn wurde in seinem 553. Bundesliga-Spiel kaum mehr geprüft. Doch auch bei den Bayern war das Feuer aus der Endphase der ersten Hälfte erloschen. Ein weit über das Tor gesetzter Freistoß von Schweinsteiger blieb lange das einzige Lebenszeichen, vor allem die Angreifer Toni und Lukas Podolski spielten schwach.

Letzterer wurde folgerichtig in der 66. Minute durch Klose ersetzt, doch es war Toni, der freistehend aus fünf Metern den Siegtreffer bereits auf dem Kopf hatte - aber vergab (69.). Es bedurfte schon eines Handspiels von Abwehrspieler Marc Pfertzel, um die Bayern auf die Siegerstraße zu bringen. Ribéry verwandelte den fälligen Strafstoß ohne Mühe. Klose vergab nur eine Minute danach die mögliche Vorentscheidung gegen den gut reagierenden Lastuvka, ehe er dann genial das 3:1 durch Lell vorbereitete.



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