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03. April 2005, 19:44 Uhr

Bundesliga-Sonntag

Gladbach vergibt Vorentscheidung

In der 90. Minute des Heimspiels gegen den VfL Bochum hatte Borussia Mönchengladbach den Klassenerhalt so gut wie sicher. Dann aber unterlief Manndecker Marcelo Pletsch ein unglückliches Eigentor. Besser machte es die Borussia aus Dortmund, die ihre Führung gegen Hertha BSC über die Zeit brachte.

Bunter Vogel: Hertha-Spielmacher Marcelinho (r.) schimpft mit Friedrich
AP

Bunter Vogel: Hertha-Spielmacher Marcelinho (r.) schimpft mit Friedrich

Dortmund - Durch das 1:2 (0:2) bei Borussia Dortmund muss Hertha BSC Berlin seine Hoffnungen auf einen Champions-League-Platz bei sieben Punkten Rückstand auf Rang drei vermutlich begraben. Vor 76.100 Zuschauern im Westfalenstadion begannen die Berliner zwar im Stile einer Spitzenmannschaft. Technisch versiert und mit flüssigen Kombinationen setzten sie den BVB von Beginn an unter Druck und hatten durch Gilberto und Sejad Salihovic hochkarätige Möglichkeiten zum Führungstreffer.

Doch nach rund 20 Minuten fanden die Gastgeber ins Spiel und kamen gegen die anfällige Deckungsreihe der Berliner zu einer Serie guter Chancen. Nach dem Kopfballtreffer durch Ewerthon (24.) nach einer Flanke von Smolarek boten sich dem Brasilianer und wenig später Florian Kringe weitere gute Einschussmöglichkeiten. Beim 2:0 nutzte schließlich Smolarek (36.) eine weitere eklatante Schwäche in der Berliner Abwehr. "Wir hätten das Spiel schon in den ersten 20 Minuten verlieren können, aber Torhüter Roman Weidenfeller hat uns gerettet. Nach dem Führungstreffer sind wir stärker geworden und hätten schon vor der Halbzeit das 3:0 oder das 4:0 erzielen können", sagte BVB-Coach Bert van Marwijk, dessen Team auf Rang neun vorrückte.

Zwar bemühten sich die Berliner in der zweiten Hälfte um Angriffsdruck, doch blieb das Spiel allzu durchsichtig. Hertha-Kapitän Arne Friedrich (62.), der in der Halbzeitpause eine handgreifliche Auseinandersetzung mit seinem Mannschaftskollegen Marcelinho hatte, gelang lediglich der Anschlusstreffer (62.). "So etwas geht nicht, da wird richtig Tacheles geredet", kommentierte Hertha-Coach Falko Götz den Vorfall in den Stadionkatakomben, "wir haben es geschafft, eine Truppe zu werden, aber wenn so etwas wieder einreißt, werde ich richtig dazwischen hauen."

Gladbach verspielt 2:0-Vorsprung

Spiel ohne Sieger: Sverkos (l.) gegen Maltritz
DPA

Spiel ohne Sieger: Sverkos (l.) gegen Maltritz

Borussia Mönchengladbach verpasste im Kampf um den Klassenerhalt den erhofften Befreiungsschlag. Die Gladbacher kamen trotz einer 2:0-Führung gegen den VfL Bochum nicht über ein 2:2 (1:0) hinaus. "Wenn man 2:0 führt, muss man ein Spiel normal nach Hause bringen", sagte Gladbachs Coach Dick Advocaat, "das 2:2 ist einfach zu wenig. Es war ein sehr wichtiges Spiel für uns. Vor allem auch deswegen ist es enttäuschend, dass es nicht zu mehr gereicht hat."

Die Gäste aus Westfalen punkteten erstmals nach neun Auswärtsniederlagen in Serie wieder auf des Gegners Platz und verkürzten den Rückstand zum rettenden Ufer auf fünf Zähler. "Der Punkt war ein psychologisches Zeichen", glaubt Bochums Trainer Peter Neururer, "wir haben alles gegeben, gekämpft bis zur letzten Sekunde. Es war zwar kein gutes Spiel, aber ich denke, der Punkt ist für uns verdient. Vor allem die Körpersprache bei uns hat gestimmt."

Ein Eigentor von Marcelo Pletsch in der 90. Minute kostete die Borussen den wichtigen Sieg. Peer Kluge (30.) und U21-Nationalspieler Marcell Jansen (52.) mit seinem ersten Bundesligatreffer hatten die Gastgeber vor 49.451 Zuschauern im Borussia-Park in Führung geschossen, Vratislav Lokvenc in der 70. Minute die Bochumer Aufholjagd eingeleitet.

Zu Beginn der Partie merkte man den Gladbachern, die in der gleichen Formation wie bei der 1:2-Niederlage in Hannover antraten, die Angst an, durch eine Niederlage noch einmal ganz tief in den Abstiegsstrudel hineinzugeraten. Die Bochumer kamen deutlich besser ins Spiel und hätten durch Edu (3., 11., 17.), Zvjezdan Misimovic (15.) und Lokvenc (20.) mehrfach die Chance, in Führung zu gehen. Gladbach hatte lediglich eine gute Möglichkeit durch Nationalspieler Oliver Neuville (10.).

Das Führungstor fiel dann überraschend. Nach einem Bochumer Ballverlust in der Vorwärtsbewegung landete der Ball über Neuville und Sverkos bei Kluge, der sich gegen drei Bochumer durchsetzte und sein zweites Saisontor erzielte.

Nach dem Seitenwechsel scheiterte Bernd Korzynietz nach einem Solo am Bochumer Torhüter Rein van Duijnhoven (50.), bevor es Jansen zwei Minuten später besser machte: Bei einem Konter nach einem schönen Pass von Kluge behielt der 19-Jährige die Nerven und erzielte sein erstes Bundesligator.

Die Bochumer gaben sich aber noch nicht geschlagen und setzten in der Schlussphase alles auf eine Karte. Lokvenc traf nach Vorarbeit des eingewechselten Tommy Bechmann zum 1:2, danach wechselte Bochums Trainer Neururer sogar noch Momo Diabang als vierten Stürmer ein.

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