Bundesliga-Sonntag Hertha verlässt die Abstiegsränge

Nach dem dritten Sieg aus den vergangenen vier Spielen kann Hertha BSC wieder Hoffnung im Abstiegskamnpf schöpfen. Bei den Berlinern avancierte der Brasilianer Marcelinho mit zwei Toren zum Matchwinner. Gegner Hannover 96 dagegen muss sich langsam ernsthafte Sorgen machen.


Kunstschütze: Herthas Marcelinho freut sich mit Mannschaftskollege Andreas "Zecke" Neuendorf über sein Traumtor zum 1:0
DDP

Kunstschütze: Herthas Marcelinho freut sich mit Mannschaftskollege Andreas "Zecke" Neuendorf über sein Traumtor zum 1:0

Hannover - Hertha BSC Berlin hat die Abstiegsränge in der Fußball-Bundesliga wieder verlassen. Die Hauptstädter feierten mit 3:1 (1:0) bei Hannover 96 den dritten Sieg nach der Winterpause und kletterten vom 17. auf den 15. Tabellenplatz.


"Die Jungs haben die Heimniederlage gegen Frankfurt besser weggesteckt als die zwei Siege zuvor", sagte Hertha-Trainer Hans Meyer eingedenk der 1:2-Pleite vor einer Woche und fügte an: "Nach den vielen vergebenen Chancen habe ich schon gedacht, wir können das Spiel nicht gewinnen. Aber zum Glück habe ich mich geirrt." Sein Kollege Ralf Rangnick redete den Gegner in der Spielanalyse stark. "Nach dem 1:1 haben wir ein bisschen zu viel gewollt und einige Konter eingefangen. Das ist das Einzige, was man kritisieren kann. Wir sind auf einen starken Gegner getroffen. Man hat heute gesehen, dass Hertha da unten nichts verloren hat", sagte der 96-Coach.


Matchwinner für die Berliner war Marcelinho, der in der 41. und 81. Minute traf. "Es war ein ganz wichtiges Spiel für mich. Ich freue mich unheimlich über die Tore, und dass ich der Mannschaft helfen konnte", sagte der Mittelfeldakteur. Für die seit vier Partien sieglosen Niedersachsen, die nur noch zwei Punkte vor den Berlinern liegen, hatte der US-Amerikaner Clint Mathis (67.) ausgeglichen. Die erneute Hertha-Führung schaffte Giuseppe Reina (78.). "Marcelinhos Tore waren sensationell. Das hat er gebraucht", so der von Dortmund verpflichete Stürmer.


Vor 21.755 Zuschauern boten beide Mannschaften in der ersten Halbzeit eine äußerst schwache Partie. Die Teams agierten verkrampft und ohne Mut zum Risiko. Erst nach 29 Minuten hatte 96-Kapitän Kostas Konstantinidis mit einem Fernschuss die erste Möglichkeit des Spiels, verfehlte das Berliner Tor jedoch knapp. Hertha war zwar insgesamt weniger in Ballbesitz, präsentierte sich jedoch technisch überlegen.


Sonntagsschuss beschehrte Hertha die Führung


Auch die Platzherren, die Hertha-Stürmer Fredi Bobic an dessen alter Wirkungsstätte meist gut im Griff hatten, ließen es in der Offensive an Durchschlagskraft vermissen. Der zuletzt gelb-gesperrte Spielmacher Nebojsa Krupnikovic konnte die Berliner Hintermannschaft, in der Nationalspieler Marko Rehmer nach seiner Magen-Darm-Grippe weiter fehlte, ebenfalls kaum einmal in Bedrängnis bringen. Marcelinhos Treffer kam deshalb um so unerwarteter. Der Brasilianer traf aus 25 Metern unbedrängt zur Berliner Führung.


Nach dem Seitenwechsel brachte Rangnick in Stanko Svitlica eine zweite Spitze, die erste Großchance hatte jedoch die Hertha. Marcelinho spielte Reina schön frei, der Angreifer umspielte Hannovers Schlussmann Marc Ziegler, verfehlte das leere Tor jedoch aus spitzem Winkel. In der Folgezeit erhöhten die Gastgeber den Druck und wurden zunächst durch Mathis' Treffer belohnt.


Abstiegskampf geht für die Hertha weiter


Reina vergab in der 75. Minute die erneute Berliner Führung, ließ Ziegler erneut keine Chance, doch Steve Cherundolo konnte den Ball im letzten Moment noch von der Torlinie kratzen. In der Schlussphase setzten sich die Berliner aber doch noch verdientermaßen durch. "Wir haben nach der Heimniederlage gegen Frankfurt die richtige Reaktion gezeigt", erklärte Nationalstürmer Bobic, warnte aber zugleich: "Der Abstiegskampf geht für uns bis zum letzten Spieltag weiter." Hannovers Torwart Marc Ziegler erkannte ebenfalls den Ernst der Lage: "Wir sind bitter enttäuscht, denn es war ein Big-Point-Spiel."


Hertha-Torhüter Gabor Kiraly hat sich beim Sieg auf kuriose Art und Weise eine Verletzung zugezogen. Der ungarische Nationalspieler, der in der Winterpause seinen Stammplatz an Christian Fiedler verloren hatte, sprang bei einem Treffer seiner Mannschaft jubelnd in die Höhe und zog sich bei der unglücklichen Landung eine Muskelverletzung in der rechten Wade zu. Mögliche Diagnose: Faserriss. Kiraly droht eine mehrwöchige Zwangspause.


Hannover 96 - Hertha BSC Berlin 1:3 (0:1)
0:1 Marcelinho (41.)
1:1 Mathis (67.)
1:2 Reina (78.)
1:3 Marcelinho (81.)
Hannover: Ziegler - Cherundolo, Xavier, Vinicius (55. Schuler), de Guzman - Konstantinidis - Stendel (46. Svitlica), Krupnikovic (72. But), Idrissou - Mathis - Brdaric
Berlin: Fiedler - Friedrich, Madlung, van Burik, Fathi - Simunic - Dardai, Neuendorf - Reina (87. Rafael), Marcelinho - Bobic
Schiedsrichter: Keßler (Höhenkirchen)
Zuschauer: 21.755
Gelbe Karten: Konstantinidis (5) - Simunic (3), Reina (3), van Burik (3), Dardai (5/2), Neuendorf (5/1)



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.