Bundesliga-Sonntag Schlünz gibt nach Heimdebakel auf

So schlecht wie gegen den Hamburger SV hat der Tabellenletzte Hansa Rostock lange nicht gespielt. Direkt im Anschluss an die höchste Bundesliga-Niederlage der Vereinsgeschichte trat Chefcoach Juri Schlünz zurück. Der FC Bayern drehte erst spät auf, kam aber doch noch zu einem Auswärtssieg beim VfL Bochum.


Ex-Coach Schlünz: "Das Vertrauen nicht missbrauchen"
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Ex-Coach Schlünz: "Das Vertrauen nicht missbrauchen"

Hamburg - Nach der 0:6 (0:3)-Heimniederlage gegen den Hamburger SV stellte Hansa Rostocks Coach Juri Schlünz sein Amt zur Verfügung. "Das war eine Offenbarung, das können wir den Fans nicht zumuten. Alle standen immer hinter mir, aber ich möchte das Vertrauen nicht missbrauchen", begründete der 43-Jährige seinen Entschluss. Schlünz hatte den Trainerposten im Oktober 2003 von seinem Vorgänger Armin Veh übernommen.

Er führte den Club, dem er seit Jahrzehnten angehört, vom letzten auf den neunten Tabellenplatz. Mit Schlünz' Rpcktritt ist der vierte Trainerwechsel in der laufenden Spielzeit und der 282. in der Bundesliga-Geschichte perfekt. Vor dem Rostocker Coach waren Jupp Heynckes (FC Schalke 04), Klaus Toppmöller (Hamburger SV) und Holger Fach (Borussia Mönchengladbach) entlassen worden.

"Diese Entscheidung geht unter die Haut", sagte Rostocks Vorstandsvorsitzender Manfred Wimmer. Es sei nichts vorbereitet, betonte er. "Alles andere wäre verwerflich gewesen. Wir haben immer betont, dass wir auf Juri bauen und hätten sehr gerne unter Beweis gestellt, dass es auch anders geht." Wimmer kündigte an, schnell einen neuen Trainer präsentieren zu wollen. "Wir dürfen nicht noch mehr Boden verlieren", sagte der Hansa-Boss, "die Lage ist dramatisch genug." Das morgige Training werden Co-Trainer Wolfgang Funkel und Perry Bräutigam übernehmen.

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Bei der Niederlage im heimischen Ostseestadion gegen den HSV zeigte die Mannschaft kaum Gegenwehr und hat zum jetzigen Zeitpunkt bereits sechs Punkte Rückstand auf den rettenden 15. Tabellenrang. Der in der 13. Minute eingewechselte Colin Benjamin eröffnete den Torreigen nach 20 Minuten.

Chancenlos: So wie hier di Salvo (r.) gegen den HSV-Abwehrspieler van Buyten konnten sich die Rostocker nur selten durchsetzen
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Chancenlos: So wie hier di Salvo (r.) gegen den HSV-Abwehrspieler van Buyten konnten sich die Rostocker nur selten durchsetzen

Noch vor der Halbzeit erhöhten David Jarolim (35.) und Naohiro Takahara (42.) auf 3:0. In der zweiten Hälfte machten die Hamburger dort weiter, wo sie aufgehört hatten. Neuzugang Moreira di Silva traf mit seinem ersten Bundesligator zum 4:0 (48.), ehe erneut Jarolim (62.) zum 5:0 einschoss. Kurz vor Schluss konnte Bernardo Romeo zum 6:0 verwandeln (82.) - der eingewechselte Argentinier erzielte seinem ersten Saisontreffer.

Für die Rostocker dürfte es nach der siebten Heimniederlage im siebten Heimspiel der Saison schwer werden, die Klasse noch zu halten. Mit nur acht Punkten und einer Tordifferenz von minus 21 scheint der Weg in die Zweitklassigkeit programmiert. Hamburgs Coach Thomas Doll, der früher bei Rostock gespielt hatte, zeigte am Ende sogar Mitleid mit dem Gegner: "Wir wollten sicher drei Punkte holen. Dass es so hoch ausfiel, tut ein bisschen weh."

Guerreros erster Doppelpack in der Liga

Bayerns neue Sturmhoffnung José Paolo Guerrero rettete dem Rekordmeister beim 3:1 (0:0)-Auswärtssieg im Bochumer Ruhrstadion wichtige Punkte im Kampf um die Tabellenspitze. Nach einer eher langweiligen ersten Halbzeit nahm das Spiel in der zweiten Hälfte an Fahrt zu. Roy Makaay ebnete dem Gastgeber aus Bochum durch einen Stellungsfehler die Führung. Peter Madsen köpfte eine Flanke ungehindert zu Vratislav Lokvenc, der aus nur einem Meter zum 1:0 einköpfte (66.). Mit der Einwechslung von Mehmet Scholl nach 68 Minuten für Owen Hargreaves kam bei den Münchnern danach wesentlich mehr Schwung ins Spiel.

Luftiges Duell: Bayerns Lucio (l.) kämpft mit Bochums Torschützen Lokvenc um den Ball
AP

Luftiges Duell: Bayerns Lucio (l.) kämpft mit Bochums Torschützen Lokvenc um den Ball

Der Peruaner Guerrero traf anschließend erst mit einem abgefälschten Schuss zum Ausgleich (76.), ehe er aus wenigen Metern nach Vorarbeit von Bastian Schweinsteiger den Führungstreffer erzielte (81.). Nur eine Minute später passte Hasan Salihamidzic nach einem Alleingang in die Mitte, Bochums Christoph Preuß lenkte den Ball ins eigene Netz (82.). "Das Spiel war sehr ausgeglichen. Bochum war läuferisch und kämpferisch sehr stark. Wir kamen kaum zu Torchancen. Gegen Ende konnten wir allerdings kräftemäßig noch zulegen und haben deshalb glücklich gewonnen", sagte Bayerns Trainer Felix Magath.

"Bochum hat lange Zeit sehr diszipliniert gespielt. Es war sehr schwer für uns, durchzukommen", fügte Bayern-Manager Uli Hoeneß hinzu, "nach dem 1:1 haben wir alles oder nichts gespielt, nach dem 1:2 sind die Bochumer auseinandergebrochen." Der ehemalige Nationalspieler ging danach lautstark auf einen TV-Reporter an: "Wenn wir schon so weit sind, dass wir uns nach einem 3:1-Auswärtssieg noch rechtfertigen müssen, können wir aufhören. Ich will, dass man unsere Leistungen endlich so akzeptiert, wie sie sind, nämlich gut." Die Bayern sind nun mit einem Punkt Rückstand Zweiter hinter dem VfL Wolfsburg.

"Wir haben das Spiel bis zum 1:0 passabel gestaltet, defensiv gut gestanden und den Bayern kaum Chancen gelassen. Nach unserer Führung taten sich für uns noch mehr Räume auf", sagte Bochums Coach Peter Neururer, "dass wir innerhalb von fünf Minuten auf spektakuläre Weise das Spiel aus der Hand gegeben haben, hat meine Mannschaft nicht verdient." Bochum steckt nach der Pleite tief im Abstiegskampf. Der Drittletzte hat nach 13 Spieltagen nur elf Punkte auf dem Konto und muss am nächsten Samstag beim heimstarken Aufsteiger Mainz antreten.



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