Bundesliga-Sonntag Stuttgart feiert, Bielefeld demütigt Aachen

Jubel in Stuttgart und Bielefeld, Tristesse in Gelsenkirchen und Aachen: Der VfB zeigte sich in Spiellaune, gewann klar gegen den FC Schalke und stürzte die Gäste in die nächste Krise. Arminia Bielefeld feierte den höchsten Bundesligaerfolg seit Jahrzehnten und jubelt über Platz fünf.


Hamburg - Stuttgart besiegte den FC Schalke nach einer überragenden zweiten Hälfte 3:0 (1:0) und verschärfte die Krise bei den Gelsenkirchenern. Der gerade 19-Jährige Samy Khedira war mit zwei Toren der entscheidende Mann beim VfB. Die Stuttgarter verbesserten sich nach dem sechsten Spiel in Folge ohne Niederlage auf den vierten Platz und liegen nur noch einen Punkt hinter Schalke, das trotz der dritten Saisonniederlage weiter den dritten Tabellenplatz hinter Spitzenreiter Werder Bremen und Bayern München belegt.

Stuttgarter Jubeltraube: Überragende zweite Halbzeit
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Stuttgarter Jubeltraube: Überragende zweite Halbzeit

Vor 52.000 Zuschauern, darunter auch Bundestrainer Joachim Löw, brachte Khedira die Hausherren in der 32. Minute in Führung. Der Junioren-Nationalspieler nutzte einen Patzer von Rodriguez und ließ Schalkes Torwart Frank Rost von der Strafraumgrenze keine Chance. Zwei Minuten nach der Pause hob er den Ball aus kurzer Entfernung an Rost vorbei zum 2:0 ins Tor. Es war erst Khediras vierter Erstligaeinsatz. Auch der letzte Treffer der Partie wurde von einem jungen Spieler erzielt: Verteidiger Serdar Tasci, 20, sorgte für die Entscheidung (76.)

"Khedira hat das Potenzial zu einem guten Bundesligaspieler", lobte VfB-Coach Armin Veh, der bekannte, dass seine Mannschaft 15 Minuten gebraucht habe, "um ins Spiel zu finden". Das Ziel für die kommenden Wochen formulierte der zu Saisonbeginn noch stark kritisierte Veh gleich mit: "Wir werden versuchen, oben zu bleiben."

Slomkas Ironie

Bei Schalke sieht es trotz der immer noch guten Bundesliga-Platzierung langsam düster aus. Nach dem Pokal-Aus in Köln dürfte trotz aller Treueschwüre Trainer Mirko Slomka weiter in die Kritik geraten. Der sieht das jedoch gelassen: "Seit ich in Schalke Trainer bin, gibt es hier Gegenwind. Wenn wir das nächste Spiel gegen Bayern München nicht gewinnen, wird aus dem Wind ein Sturm", so Slomka.

Der Coach hatte auf Nationalstürmer Kevin Kuranyi verzichtet, der in Köln eine schwache Leistung zeigte und deshalb erstmals seit zwei Jahren ein Ligaspiel zunächst von der Bank aus ansehen musste. Auch seine Einwechslung konnte die Schalker am Ende nicht mehr retten. Besonders bitter: An seiner alten Wirkungsstätte wurde Kuranyi auch noch gnadenlos ausgepfiffen.

Arminia Bielefeld ist hingegen auf einen Uefa-Cup-Platz gestürmt. Das Team von Trainer Thomas von Heesen setzte sich im ersten Bundesliga-Duell überhaupt gegen den Aufsteiger aus Aachen 5:1 (2:0) durch und machte nach dem vierten Heimerfolg in Serie mit nun 14 Punkten einen Satz vom zehnten auf den fünften Tabellenplatz. Noch nie stand Bielefeld nach dem neunten Spieltag so gut da - und noch nie seit 1982 wurde so hoch zu Hause gewonnen.

Krasser Fehler von Nicht

"Jeder Punktgewinn bringt uns mehr Selbstvertrauen", sagte Arminias Trainer Thomas von Heesen, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft und an dem unter anderem Borussia Dortmund interessiert sein soll. Entscheidend für den Erfolg gegen die Alemannia sei gewesen, dass man Aachens Nationalstürmer Schlaudraff aus dem Spiel genommen habe, so von Heesen.

Aachen musste hingegen die zweite Niederlage in Folge hinnehmen und steht mit weiterhin zwölf Punkten im Tabellenmittelfeld. "Diese Niederlage wirft uns nicht um. Jetzt hat auch der Letzte begriffen, worum es bei uns geht. Die Saison beginnt heute. Ich hoffe, dass am 34. Spieltag der Klassenerhalt steht", erklärte Aachens Coach Michael Frontzeck, der die zuletzt aufgekommene Euphorie damit noch einmal deutlich bremste.

Spieler des Abends war Jonas Kamper. Der 23-jährige Bielefelder Mittelfeldspieler traf in der elften Minute mit einem Distanzschuss aus 18 Metern, profitierte dabei aber von einem krassen Aussetzer des Aachener Keepers Kristian Nicht. Kamper legte in der 68. Minute noch das 4:1 nach. Dazwischen lagen die Tore von Radim Kucera (19.), und Stürmer Artur Wichniarek (50.) mit einem Schuss aus 18 Metern in den Torwinkel, den Schlusspunkt setzte Christian Eigler (85.). Aachen kam lediglich zum zwischenzeitlichen 2:1 durch Kapitän Reiner Plaßhenrich (47.).

goe/sid

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