Bundesliga-Sponsoring Verträge für 90 Millionen Euro laufen aus

Die Bundesligaclubs und Vermarkter haben alle Hände voll zu tun. Zwölf Verträge mit Hauptsponsoren oder Ausrüstern laufen Ende der Saison aus - acht weitere kommen 2010 hinzu. Das Magazin "SPONSORS" analysiert, wie die Finanzkrise den Vereinen Probleme macht.


Oliver Rau konnte sich an Weihnachten zurücklehnen. Vor wenigen Wochen präsentierte der Marketingleiter von Werder Bremen mit dem amerikanischen Sportartikelhersteller Nike einen neuen Ausrüster. Der neue Vertrag mit dem US-Giganten soll über fünf Jahre angeblich 20 Millionen Euro einbringen, vier Millionen Euro jährlich.

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Dabei war auch der bisherige Ausrüster Kappa durchausgewillt, den bislang auf 1,6 Millionen Euro dotierten Kontrakt zu verlängern. Doch mit den Nike-Millionen konnte das italienische Unternehmen offensichtlich nicht mithalten.

"Bei Kappa müssen die Sponsorships zur Marke passen. Und das zu wirtschaftlich vertretbaren Konditionen", erklärt Tobias Blick, Marketingleiter Kappa Deutschland. Der Ausstieg in Bremen muss jedoch keinesfalls bedeuten, dass der Sportausrüster komplett aus der Bundesliga verschwindet. Alleine im Fußball-Oberhaus laufen zum Ende der aktuellen Saison, neben dem in Bremen, sechs weitere Ausrüsterabkommen aus. Hinzu kommen sieben Hauptsponsorings zum Ende der aktuellen Saison und acht zum Ende der Spielzeit 2009/10. Kumuliert sind das Umsätze in Höhe von rund 90 Millionen Euro über die Saisons 2008/09 und 2009/10. Dazu kommt: Mit den geplanten TV-Sendezeiten sind die wichtigsten Liga-Sponsoren alles andere als zufrieden.

Clubrotationen bei Nike?

Auch in Dortmund und Wolfsburg laufen die Ausrüsterverträge zum Ende der laufenden Spielzeit aus. Beide Teams tragen in der aktuellen Saison noch Nike-Jerseys. Doch nicht mehr lange, wie Branchenkenner zu wissen glauben. Aus Branchenkreisen ist zu vernehmen, dass Nike die fünf Millionen Euro teure Partnerschaft mit den Borussen nicht mehr fortführen möchte, zumindest nicht zu den bestehenden Konditionen. Deshalb werden in Dortmund derzeit Kappa und Under Armour als aussichtsreiche Nachfolger für Nike gehandelt. Und auch in der VW-Stadt steht ein Wechsel an. "Die Wölfe" sollen sich mit dem fränkischen Sportartikler adidas bereits "in Endabstimmungen befinden", verriet VfL-Geschäftsführer Jürgen Marbach gegenüber der "WAZ".

Jedoch soll auch Nike seine Fühler bereits nach weiteren Erstliga-Engagements ausgestreckt haben. Unter anderem wird das Unternehmen derzeit mit dem sportlich stolpernden Karlsruher SC in Verbindung gebracht. Der US-Ausstatter mit deutschem Sitz in Frankfurt soll den Badenern bereits ein Angebot vorgelegt haben, das in nahezu identischer Größenordnung liegt wie das des jetzigen Trikotlieferanten Jako. Derzeit zahlt das Unternehmen aus Hohenlohe 350.000 Euro pro Saison an den KSC. "Jako steht seit Jahren zu uns, Nike ist die Nr. 1 auf der Welt. Die Angebote sind fast identisch. Noch ist keine Entscheidung gefallen", bestätigt der frühere Nike-Manager und jetzige KSC-Chef Rolf Dohmen gegenüber dem "Kicker".

Doch nicht nur in Karlruhe laufen derzeit die Gespräche auf Hochtouren. Allen voran Sportvermarkter Sportfive hat derzeit noch etliche Baustellen zu schließen. Gleich bei drei Bundesligisten, für deren Vermarktung die Hamburger verantwortlich sind, laufen Verträge mit Hauptsponsoren oder Ausrüstern zum Saisonende aus: in Dortmund (Nike), Berlin (Deutsche Bahn) und Bochum (KiK). Zwar gehe die Tendenz bei allen Clubs in Richtung Vertragsverlängerung, wie Sportfive-Geschäftsführer Philipp Hasenbein verrät, eine offizielle Entscheidung ist jedoch bislang noch bei keinem der Engagements gefallen.

Marktferne Preise?

Übersicht: Auslaufende Verträge mit Hauptsponsoren und Ausrüstern
Sponsors

Übersicht: Auslaufende Verträge mit Hauptsponsoren und Ausrüstern

Diese Entscheidungen werden natürlich vor allem über den Preis gefällt. Die bange Frage wird dabei sein: Können Vermarkter und Bundesligaclubs derzeit noch produktgerechte Preise erzielen? Bei den meisten Unternehmen sitzt der Geldbeutel momentan alles andere als locker. Gerade bei den Marketingbudgets setzen viele Unternehmen, ob sinnvoll oder nicht, aufgrund der Wirtschaftskrise derzeit den Rotstift an. Im Gegensatz dazu stünden die Forderungen mancher Bundesligaclubs, die marktferne Preise für ihre Hauptsponsorships aufrufen, wie nicht wenige Sportmanager kritisieren.

Agentur-Chef Hasenbein sieht das anders. "Es handelt sich um marktadäquate Forderungen, die verglichen mit anderen Kommunikationsformen wie beispielsweise TV-Werbespots preiswerter und effizienter sind", entgegnet der Sportfive-Geschäftsführer. Auch wenn 2009 durch die Wirtschaftskrise ein schwieriges Jahr werde, sehe er den großen Einbruch im Sponsoringmarkt in diesem Jahr nicht. Doch auch Hasenbein ist sich bewusst, dass in der derzeitigen Phase viele Unternehmen noch bewusster überdenken, in welche Engagements sie künftig investieren.

Vertriebsorientiertes Sponsoring

Auch Hans-Jörg Zech, Geschäftsführer der eigenen Vermarktungsagentur Zecco, hat eine Zurückhaltung bei den Unternehmen ausgemacht. "Um ihre Markenbekanntheit zu steigern, müssen Großunternehmen keine Millionen für ein Trikotsponsoring ausgeben", merkt er an. "Entweder ich gehe mit dem Preis runter, oder ich muss als Club oder Vermarkter mit den Sponsoren den kompletten Vertriebsweg mitgehen und die Unternehmen dabei unterstützen, ihre Absatzzahlen zu verbessern", fordert der Agentur-Chef. Für die Zukunft prognostiziert Zech eine Zweiklassengesellschaft im Bundesligasponsoring. Auf der einen Seite die großen Clubs, die weiterhin hohe Summen von Global Playern generieren. Und anderseits kleine Vereine, die sich entweder mit geringeren Summen oder einem leeren Trikot anfreunden müssen. Diese Ansicht will Hasenbein jedoch nicht teilen und geht fest davon aus, dass "auch 2009 alle Bundesligavereine einen Ausrüster und Trikotsponsor haben werden".



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