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Transfermarkt-Endphase: Wühltisch Bundesliga

Foto: A1820 epa anp Koen van Weel/ dpa

Bundesliga-SSV Auf der Suche nach Top-Schnäppchen

Sommerschlussverkauf in der Bundesliga: Das Transferangebot ist so groß wie nie, doch Sonderangebote mit Starqualitäten sind nur schwer zu finden. Nach der peinlichen Pleite bei Mainz 05 steht auch der FC Bayern am Wühltisch.
Von Christoph Biermann

Noch haben der FC Bayern und alle anderen genau sieben Tage Zeit, danach geht nichts mehr. Bis zum kommenden Montag, 31. August, um 24 Uhr dürfen Spieler den Verein wechseln, danach müssen die Clubs mit dem Personal auskommen, das sie haben. So wird es in den nächsten Tagen richtig hektisch, denn wie immer zum Saisonstart ist hier und da die Punktausbeute magerer als erträumt ausgefallen.

Manch frommer Selbstbetrug ist bereits aufgeflogen, manche Hoffnung sofort geplatzt, und nun stehen die Manager schwitzend am Wühltisch. Gibt es zwischen Socken und kochfester Unterwäsche noch irgendwelche übersehenen Designerstücke? Will ein Konkurrent dringend einen missverstandenen Wunderstürmer loswerden oder einen unüberwindbaren Keeper, der immer unterschätzt wurde?

Auch beim FC Bayern werden sie nach der nicht nur über das Spielsystem oder ihren Umgang mit Franck Ribéry diskutieren. Intern dürfte man sich die Frage stellen, ob nicht noch ein Innenverteidiger her muss. Denn all jene, die eifrig verdrängt hatten, dass Daniel van Buyten schon lange kein verlässlicher Mann im Abwehrzentrum mehr ist, erinnerte der Belgier mit seinem Auftritt am Samstag noch einmal deutlich daran.

Auch anderswo gibt es dringenden Bedarf an Nachverpflichtungen. Der VfB Stuttgart hat den nach einem defensiven Mittelfeldspieler öffentlich angemeldet, nachdem Martin Lanig sich das Kreuzband riss. Bei Hertha BSC steht nach drei Niederlagen in einer Woche außer Frage, dass vor allem ein Stürmer her muss - besser aber noch zwei. Der 1. FC Köln sucht noch immer einen Spielgestalter, und in Nürnberg werden sie noch einmal die Köpfe zusammenstecken, ob nicht generell Verstärkungen des jungen Teams her müssen.

Am coolsten auf Kurssteigerung setzt Marko Pantelic

Der Fußball-Sommerschlussverkauf unterscheidet sich allerdings vom SSV des Einzelhandels dadurch, dass die Preise nicht notwendigerweise in den Keller gehen. Am coolsten auf Kurssteigerung setzt Marko Pantelic, dessen Vertrag bei Hertha BSC im Sommer ausgelaufen ist. Der serbische Goalgetter pokert von Belgrad aus, dass irgendein Club mit Stürmerproblem für ihn ganz tief in die Tasche greift. Pantelic darf sogar noch ein wenig länger abwarten, denn vertragslose Spieler können auch dann noch verpflichtet werden, wenn die Transferperiode abgelaufen ist.

Neben solchen großen Namen gibt es originelle Lösungen wie etwa den ehemaligen Frankfurter Guiseppe Gemiti, der in den vergangenen Jahren in Italien kickte und nun ohne Verein dasteht. Aber ist er fit, und wie gut waren eigentlich seine Leistungen, dass er gerade ohne Arbeitgeber ist? Sicherlich gibt es auch deutsche Nachwuchskicker, die früh nach England gelockt wurden und nun Heimweh bekommen, weil die Premier League für sie doch unerreichbar fern ist. Welcher Manager nicht weiß, wie ihre Qualität wirklich einzuschätzen ist, hat seine Hausaufgaben nicht gemacht.

Weil in der Wirtschaftskrise fast überall in Europa die Clubs ihre Kader reduziert haben, verfügen potentielle Käufer dennoch über gute Chancen, starke Spieler unter Preis zu verpflichten. Der ehemalige Hamburger Rafael van der Vaart, der wieder mal als Spielgestalter beim FC Bayern gehandelt wird, hat bei Real Madrid nicht einmal mehr eine Rückennummer bekommen. Dass er das Geld aus dem laufenden Vertrag nimmt und auf Fußball verzichtet, ist kaum vorstellbar. Wie sich das anfühlt, kann er jedoch bei Albert Streit nachfragen. Der notorische Banksitzer wird trotz gut dotierten Vertrages in Schalke nur noch eingesetzt, wenn auch der Platzwart unabkömmlich ist.

Übersetzt bedeutet das: Hoffentlich sind die bald weg

Auch dem italienischen Nationalspieler Cristian Zaccardo dürfte klar sein, dass seine Zukunft nicht mehr in Wolfsburg liegt, wo noch eine Reihe weiterer Spieler aus dem überbesetzten Kader auf Abnehmer wartet. Auch Christian Lell beim FC Bayern oder Dusko Tosic in Bremen würde man wohl keine Steine in den Weg legen, wie es bei Angeboten so schön heißt. Übersetzt bedeutet das: Hoffentlich sind die bald weg.

Angesichts eines Marktes, der Käufer favorisiert, sind auch die Aussichten des FC Bayern nicht schlecht. Wechselt deshalb etwa noch Nationalkeeper Robert Enke von Hannover nach München, ist Dario Srna von Schachtjor Donezk ein Kandidat für die rechte Verteidigerposition oder einer aus den immer noch riesigen Kadern von Real Madrid oder des FC Chelsea. Irgendwo sollte es doch Spieler geben, die dabei helfen, dass sich die Fans des Rekordmeisters nicht bei jedem gegnerischen Angriff in Nervenbündel verwandeln.