Bundesliga Stuttgart gewinnt in Gladbach, Berlin in Frankfurt

Bundesliga-Einstand misslungen: Aufsteiger Borussia Mönchengladbach ist mit einer deutlichen Niederlage gegen den VfB Stuttgart in die neue Saison gestartet. Im zweiten Sonntagsspiel unterlag Eintracht Frankfurt vor heimischen Publikum gegen Hertha BSC Berlin.


Hamburg - Borussia Mönchengladbach hat einen Fehlstart in die neue Saison hingelegt. Der Aufsteiger konnte dem VfB Stuttgart zu keiner Zeit gefährlich werden und musste nach einem 0:3 zur Halbzeit schon mit einem Debakel rechnen, ehe Rob Friend in der zweiten Hälfte den 1:3-Endstand herstellte. Auch bei Eintracht Frankfurt misslang der Auftakt. Gegen Hertha BSC Berlin verlor die Mannschaft von Trainer Friedhelm Funkel vor heimischen Publikum 0:2 (0:1). Den Unterschied vor 47.028 Zuschauern im Gladbacher Borussia-Park machte der ehemalige Nationaltorhüter Jens Lehmann. Während der 38-Jährige nach 1458 Tagen Bundesliga-Abstinenz eine starke Leistung zeigte und mehrere gute Borussen-Chancen vereitelte, sah sein Gladbacher Gegenüber Christofer Heimeroth bei den VfB-Toren von Thomas Hitzlsperger (14.), Ciprian Marica (26.) und Mario Gomez (44.) sehr unglücklich aus. "Man kann Jens Lehmann nicht mit Christofer Heimeroth vergleichen. Ich werde mit Sicherheit keine einzelnen Spieler kritisieren", sagte Gladbachs Sportdirektor Christian Ziege.

Den Gladbacher Anschlusstreffer erzielte Rob Friend in der 60. Minute. Der kanadische Torjäger der Gladbacher hätte seine Mannschaft bereits in der siebten Minute in Führung bringen können, schoss den Ball aber freistehend aus 13 Metern übers Tor.

Stattdessen gingen die Stuttgarter in Führung, als Hitzlsperger aus 25 Metern erfolgreich war. Pech für die Borussia, dass sie in diesem Moment in Unterzahl spielen musste, weil Sascha Rösler wegen einer klaffenden Platzwunde unter dem linken Auge nach einem Ellbogencheck von Pavel Pardo außerhalb des Feldes behandelt wurde. Vier Minuten später zeigte Lehmann erstmals seine Klasse, als er nach einem Solo von Karim Matmour den Schuss des Gladbacher Zugangs mit einer Klassereaktion abwehrte. "Er hat das Spiel nicht alleine gewonnen, aber war ein starker Rückhalt. Wir sind froh, dass wir ihn haben", sagte Mittelfeldspieler Hitzlsperger. Stuttgart spielte in dieser Phase sehr effektiv und nutzte die Räume, die ihnen die Gastgeber zugestanden.

Nach einem Ballverlust von Jean-Sebastian Jaures bediente Jan Simak den rumänischen Nationalspieler Marica, der das 0:2 erzielte. Lehmann parierte in der 34. Minute erneut gegen Friend, Gomez erhöhte kurz vor der Pause nach einem Konter mit einem Schuss durch Heimeroths Beine auf 0:3. "Stuttgart hat einfach klasse vor dem Tor bewiesen. Wir müssen jetzt sehen, dass wir hinten weniger Chancen zulassen", sagte Ziege.

Nach dem Seitenwechsel kamen die Gladbacher etwas besser ins Spiel, auch weil Stuttgart drei Tage nach dem Uefa-Cup-Spiel gegen ETO Györ ein wenig zurückschaltete und Gladbachs Jung-Nationalspieler Marko Marin besser in Tritt kam. Der Ehrentreffer durch Friend war der Lohn. Mönchengladbachs Trainer Jos Luhukay sagte nach dem Spiel: "Die Fehler, die man macht, werden in der Bundesliga gnadenlos abgestraft."

Für Lehmann schloss sich damit ein Kreis: Seinen zuvor letzten Gegentreffer in der Bundesliga hatte er am 8. März 2003 noch im Trikot von Borussia Dortmund ebenfalls gegen Gladbach kassiert.

Frankfurt verliert vor heimischem Publikum

Hertha BSC Berlin hat erstmals seit neun Jahren einen Auftaktsieg in der Bundesliga gefeiert. Die Mannschaft von Trainer Lucien Favre setzte sich verdient 2:0 (1:0) bei Eintracht Frankfurt durch. "Es war wichtig, dass wir diesen Bann gebrochen haben. Die Mannschaft wollte den Sieg unbedingt und hat verdient gewonnen. Vielleicht war es ein Vorteil, dass wir durch den Uefa-Cup bereits im Rhythmus waren", sagte Berlins Manager Dieter Hoeneß. Vor 44.000 Zuschauern erzielten der Brasilianer Raffael (43.) und Patrick Ebert (60.) die Treffer für die Berliner, die vor einem Jahr den Start in die Spielzeit 2007/2008 in Frankfurt am Main verpatzt hatten (0:1). Drei Tage nach dem glanzlosen Hinspielsieg in der zweiten Runde des Uefa-Cups bei RK Ljubljana (2:0) zeigte sich die Hertha zunächst wesentlich effektiver als die Eintracht, die ebenso wie die Gäste drei Neuzugänge in ihrer Startelf hatte. Das Geschehen prägten aber überwiegend altbekannte Gesichter. Allen voran Stürmer Marko Pantelic. Der Serbe war nie in den Griff zu bekommen und hatte die Führung auf dem Fuß, doch Frankfurts Torhüter Oka Nikolov parierte einen Schuss des Angreifers (11.) aus kürzester Distanz. Schon zwei Minuten zuvor hatte der 34-jährige Nikolov, der Stammkeeper Markus Pröll (Fußverletzung) vertrat, bereits glänzend gegen Raffael reagiert.

Erst Mitte der ersten Halbzeit kamen die Frankfurter, die in der vergangenen Woche bei einem Test gegen Real Madrid (1:1) überzeugt hatten, besser ins Spiel. Ausgerechnet der in der Vorbereitung schwache Innenverteidiger Marco Russ vergab die beste Chance, als er aus wenigen Metern nur das Außennetz traf (26.). In der Folge brachte Frankfurt die Hertha, bei denen überraschend Josip Simunic als Abwehrchef der Dreierkette in die erste Elf gerückt war, ein ums andere Mal in Verlegenheit. Die Führung des Favre-Teams war dennoch nicht unverdient. Symptomatisch, dass der überragende Pantelic Torschütze Raffael mit einem Steilpass maßgerecht bediente. Der brasilianische Spielmacher, dessen Einsatz wegen einer Schienbeinblessur lange fraglich war, schob aus rund zehn Metern sicher ein.

Nach dem Wechsel forcierten die Hausherren den Druck, vieles blieb aber Stückwerk. Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel reagierte deshalb in der 55. Minute und brachte Martin Fenin. Die beste Möglichkeit vergab allerdings Nikos Liberopoulos, dessen Kopfball nur um Zentimeter über das Tor (57.) strich. Die Gäste indes zogen sich weit zurück und setzten auf gefährliche Konter. Allen voran Pantelic, der auch das 2:0 vorbereitete: Der 29-Jährige bediente Ebert mit einem Querpass mustergültig. "Wir haben zu Null gespielt, gut kombiniert und sind als Einheit aufgetreten. Darauf können wir aufbauen", so Torschütze Ebert.

Frankfurts Trainer Friedhelm Funkel sagte nach dem Spiel: "Wir haben völlig verdient verloren, weil uns Hertha BSC in allen Belangen überlegen war. Wir haben heute keine Gegenmittel gefunden."

jar/sid



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