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Bundesliga: Ein Aufsteiger vorm FC Bayern

Foto: Martin Rose/ Bongarts/Getty Images

Überraschungs-Tabellenführer Hannover "Keiner von uns war schon mal Erster"

Drei Siege aus vier Spielen, Erfolg im Nordderby, Tabellenführung: Hannover ist das Überraschungsteam der Bundesliga. Und der Höhenflug von 96 könnte sogar andauern.

2:0 gegen den Hamburger SV, seit achtzehn Spielen zu Hause ungeschlagen, nun ist Hannover 96 auch noch Tabellenführer - und mindestens bis Sonntag. Horst Heldt wollte sich das Grinsen kurz nach Abpfiff nicht verkneifen. "Ein schöner Moment", sagte der 96-Manager, um noch anzufügen: "Blöd nur, dass Englische Woche ist."

Richtig viel Zeit zum Feiern bleibt den Hannoveranern also nicht, dabei hätten sie es sich verdient. Vor der Saison galt 96 als einer der größten Abstiegskandidaten, obwohl Trainer André Breitenreiter seit Amtsantritt im April kein Spiel mit dem Team verloren hatte. Mittlerweile ist die Serie auf 14 Partien ohne Niederlage angewachsen - kein Zufall. Innerhalb von wenigen Monaten hat der Coach eine Mannschaft geformt, die auf dem Platz taktisch flexibel agiert, sich Gegebenheiten anpassen kann.

Gegen Hamburg musste Innenverteidiger Felipe schon nach einer Viertelstunde verletzt vom Feld. Als Ersatz brachte Breitenreiter den Angreifer Ihlas Bebou. Zwar mussten deshalb gleich drei Spieler ihre Position wechseln, aber an der defensiven Stabilität änderte das nichts. Die Gäste kamen kaum zu klaren Torchancen. Erst in der Schlussphase, aber da war das Spiel längst entschieden. Eben durch jenen Bebou, der einen Abpraller zum 2:0 nutzte (82. Minute). Für Martin Harnik, den Schützen des Führungstreffers (50.), war sein Sturmpartner der Mann des Spiels.

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Dass Bebou und Harnik die Tore erzielten, zeigt eine weitere Stärke Hannovers: Die Transfers sitzen. Seit dem Abstieg ist der Verein ins Risiko gegangen, hat Stammspieler wie den starken Verteidiger Salif Sané gehalten und zusätzliche Bundesligaerfahrung in den Kader geholt. Im vergangenen Jahr war es Harnik, nun kaufte 96 unter anderem Pirmin Schwegler (Hoffenheim), Julian Korb (Mönchengladbach), Matthias Ostrzolek (HSV) und, für zusammen 14 Millionen Euro, Jonathas (Rubin Kazan) sowie Bebou (Düsseldorf). Sie alle entwickelten sich direkt zu wichtigen Stützen des Teams.

Taktischer Flexibilität und guten Transfers zum Trotz: Mit der Tabellenführung hatte in Hannover natürlich niemand gerechnet. "Ich glaube, keiner von uns in der Kabine war in der ersten Liga schon mal Erster, außer der Trainer damals in Paderborn", sagte Torhüter Philipp Tschauner.

So boten die Teams trotz Flutlicht und Kampf um die Tabellenführung auch kein gutes Spiel. Bis zum Führungstor ging es um alles Mögliche, aber kaum um Fußball. Der Hamburger Anhang versuchte mittels Pyrotechnik, das Stadion einzunebeln, auf der andere Seite hallten "Kind raus"-Rufe durchs Rund, der Konflikt zwischen 96-Ultras und Klubboss Martin Kind dauert an. Auf dem Feld passierte wenig Spannendes. Die Hamburger probierten von Anpfiff an, möglichst wenig in Ballbesitz zu sein, spielten unentwegt lange Bälle und wollten Freistöße herausholen. Hannover stand breit, versuchte ein Kombinationsspiel aufzuziehen, bekam aber kaum einen Ball aufs Tor. Gefühlt flog der Ball 45 Minuten lang durch die Luft.

"Wir wissen, dass wir am Saisonende nicht oben stehen werden"

Das 1:0 kam einer Erlösung gleich, schön anzusehen war aber auch der Treffer nicht. "Den murmel' ich irgendwie unter Mathenia durch", sagte Schütze Harnik: "Wir haben uns das Glück aber auch erarbeitet."

"Alle Spiele, die wir gewonnen haben, waren verdiente Siege", sagte auch Trainer Breitenreiter und klang dabei verständlicherweise selbstbewusst. In die Karten spielte 96 dabei aber auch das Startprogramm: Mit Mainz (1:0), Schalke (1:0) und Wolfsburg (1:1) hatte das Team Gegner, die sich allesamt im Umbruch befinden. Und nun kam mit dem Hamburger SV eine stark ersatzgeschwächte Mannschaft, die bei beiden Toren fleißig mithalf. Für HSV-Keeper Christian Mathenia war es "ein gebrauchter Tag."

Ein bisschen Unterstützung benötigt Hannover eben doch noch. So stark die Defensive mit nur einem Gegentor agiert, nur fünf eigene Treffer aus vier Spielen - da geht noch mehr. "Wir wissen alle, dass wir am Ende der Saison nicht da oben stehen werden", sagte Breitenreiter. Vor drei Jahren stand der Coach mit Paderborn schon einmal auf Platz eins, auch nach dem vierten Spieltag. Am Ende der Saison stieg das Team ab.

Doch ein Blick auf die nächsten beiden Gegner lohnt sich für Hannover. Mittwoch geht es zum 15. nach Freiburg, am Sonntag kommt Schlusslicht Köln. Vielleicht ist es doch nicht so schlecht für 96, dass gerade Englische Woche ist.

Hannover 96 - Hamburger SV 2:0 (0:0)
1:0 Harnik (50.)
2:0 Bebou (82.)
Hannover: Tschauner - Korb, Salif Sané, Felipe (14. Bebou), Ostrzolek - Anton - Bakalorz, Schwegler - Harnik (84. Florian Hübner), Füllkrug, Karaman (78. Klaus)
Hamburg: Mathenia - Diekmeier, Papadopoulos, Gideon Jung, Santos (86. Sakai) - Ekdal (73. Knöll), Walace - Hahn, Holtby - Schipplock, Jatta (60. Salihovic)
Schiedsrichter: Robert Hartmann
Zuschauer: 49.000 (ausverkauft)
Gelbe Karte: Anton - /

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