Bundesliga-Taktiktafel Costa auf Tauchstation

Beim Unentschieden gegen Leverkusen war der FC Bayern klar überlegen. Dass es trotzdem zu keinem Treffer reichte, lag an der schlechten Chancenverwertung - aber nicht nur. Das zeigt die Taktiktafel von SPIEGEL ONLINE.

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Niederlage im Viertelfinal-Hinspiel gegen Real Madrid. Nur ein Punkt gegen ein schwächelndes Bayer Leverkusen. Ohne eigenen Treffer. In Überzahl. Nein, leicht war die Woche für die Bayern wirklich nicht. Thomas Müller hatte eine Erklärung für den Ausgang des Spiels schnell gefunden: "Wie wir mit dem letzten Ball umgegangen sind, gewinnt man kein Bundesligaspiel", sagte er im Fernsehinterview bei Sky: "Wir haben gut gespielt, aber die Chancenverwertung war fatal."

Aber ganz so einfach war es dann doch nicht. Klar, einige sehr große Gelegenheiten blieben ungenutzt. Teilweise vergaben die Münchner mit David Alaba, Arturo Vidal (32.), Kingsley Coman (37.) und auch Müller (58.) selbst oder Philipp Lahm (86.) ihre Gelegenheiten leichtfertig. Aber dennoch: Die Taktiktafel von SPIEGEL ONLINE zeigt, dass es auch in der Spielanlage der Münchner durchaus Probleme gab.

Taktiktafel 25. Spieltag: Bayer Leverkusen - FC Bayern München Um die Taktiktafel der Bayern zu sehen, klicken Sie bitte auf "Auswärts-Team".

Hinweis: Kreissymbole zeigen die durchschnittliche Position eines Spielers bei Ballkontakt, die Kreisgröße die Anzahl der Ballkontakte. Die Pfeile verdeutlichen wichtige Passbeziehungen zwischen zwei Spielern. Ihre Größe ist an die Anzahl der Pässe gekoppelt. Wie die Taktiktafeln im Detail entstehen, können Sie hier nachlesen.

Die Dominanz der Münchner war erdrückend. Das zeigen auch die Ballaktionen: Gleich sechs Spieler der Gäste hatten in der Spielphase, die in der Grafik erfasst wird (bis zur 69. Minute) mehr als 80 Ballaktionen. Das große Problem: Das gilt nicht im Ansatz für die vorderste Offensivreihe. Douglas Costa (20 Ballkontakte), Coman (34) und Müller (33) waren allesamt nicht gut in das Spiel des Spitzenreiters eingebunden. Und so gab es vor allem viel Hin-und-her-Geschiebe innerhalb der Viererkette und den defensiven Mittelfeldspielern Joshua Kimmich und Vidal. Wirklich großer Druck über einen längeren Zeitraum mit andauernder Torgefahr kam nicht auf.

Auffällig ist dabei die Rolle von Costa: Von den Außenverteidigern Juan Bernat und Rafinha gingen kaum Bälle zu dem offensiven Außenspieler. Zwischenzeitlich wechselte er die Seiten mit Coman, was bei beiden Spielern zu einer sehr zentralen durchschnittlichen Positionierung führt. Dennoch ist es auffällig, dass weder Bernat noch Rafinha wenigstens fünf Pässe zu Costa spielten. Hinzu kommt, dass auch der sehr aktive Spielmacher Thiago Alcantará den Brasilianer Costa selten fand und Coman hingegen schon. Costa hatte bis zur 69. Minute die wenigsten Ballaktionen aller Münchner (20). Selbst Torwart Manuel Neuer hatte mehr (27).

Wendell, Douglas Costa
DPA

Wendell, Douglas Costa

Costas Schwäche könnte darüber hinaus erklären, warum das Angriffsspiel der Münchner in der Phase bis zur 69. Minute stärker über rechts ging, also über die Seite, auf der Coman begonnen hatte: Thiago war durchschnittlich eher rechts am Ball und Rafinha spielte deutlich offensiver als Linksverteidiger Bernat.

Das Problem ist insgesamt untypisch für die Bayern - und es ist wohl auch auf die hohe Rotation zurückzuführen. Denn auch wenn Coman mehr Spielanteile als Costa hatte: Werte eines Arjen Robben oder eines Franck Ribéry, wie die Angreifer sie beim deutlichen Sieg gegen den BVB vorzeigen konnten, schaffte auch er nicht im Ansatz. Robben und Ribéry waren gegen Dortmund viel besser eingebunden und gehörten zu den gefährlichsten Spielern auf dem Platz. Ihr Fehlen war dem Spiel der Gäste genauso anzumerken wie die Gelb-Sperre gegen Angreifer Robert Lewandowski.

Bei der Taktiktafel von Bayer Leverkusen sieht die Einbindung der Offensivspieler sogar besser aus - wenn auch auf niedrigerem Niveau. Die Offensivspieler Kevin Volland, Julian Brandt, Kevin Kampl und Kai Havertz bekamen sowohl von den Außenverteidigern als auch aus der Zentrale Bälle. Insgesamt zeigt die Bayer-Taktiktafel aber vor allem, wie unterlegen das Team war. Bezeichnend ist, dass Torwart Bernd Lenobis zur 61. Minute mit Abstand die meisten Ballkontakte in seinem Team hatte (51). Kampl, der Feldspieler mit den meisten Aktionen, war 14-mal weniger am Ball.

Das Spiel der Leverkusener war außerdem noch deutlich unausgewogener als das der Bayern - und es zeigt erneut die Schwäche von Costa auf: Durch die Rechtslastigkeit war Linksverteidiger Wendell vor allem defensiv gebunden und stand daher sehr tief. Roberto Hilbert hatte auf der rechten Seite hingegen deutlich mehr Freiheiten und konnte sich deshalb oft ins Offensivspiel seiner Mannschaft einmischen: Im Durchschnitt agierte er mit Ball sogar in der gegnerischen Hälfte.

Bernd Leno pariert den Schuss von Kingsley Coman
AP

Bernd Leno pariert den Schuss von Kingsley Coman

Die Taktiktafeln von SPIEGEL ONLINE entstehen weitgehend automatisiert und basieren auf den offiziellen Spieldaten, die das Geschehen auf dem Platz detailliert erfassen. Sie zeigen sowohl die Positionierung einer Mannschaft beim Passspiel als auch die wichtigsten Passbeziehungen zwischen den Spielern. Hier finden Sie die weiteren Taktiktafeln des Spieltags:

Taktiktafeln der Spiele vom Samstagnachmittag

Eine ähnliche Überlegenheit wie der FCB hat Borussia Dortmund gegen Frankfurt nicht erzeugen können. Aber der BVB machte einige Dinge besser. Einerseits die Chancenauswertung: Bezeichnend ist hier, dass Pierre-Emerick Aubameyang noch weniger Ballaktionen als Müller hatte, im Vergleich zum Münchner aber trotzdem noch ein Tor schoss. Außerdem schaffte es die Borussia, ihre starken Außenspieler Marco Reus und Christian Pulisic über die Außenverteidiger einzubinden. Und so fiel auch der frühe Führungstreffer über Pulisic und Reus. Beim Acht-Tore-Spektakel in Hoffenheim versuchten es beide Teams jeweils vor allem über die eigene linke Angriffsseite. Bei Leipzig wird deutlich wie wichtig Naby Keita für die Angriffsstruktur von RB ist - und wie wenig Freiburg am Spiel teilnahm.

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ein_mitforist 16.04.2017
1. Falsches Wappen
Da wurde wohl das falsche Wappen vom RBL genommen. Mir persönlich ist es wurscht welches da steht, aber es macht eventuell einen besseren Eindruck bei anderen Lesern wenn sich keine Fehler finden lassen.
micheleyquem 16.04.2017
2. Es war völlig wurscht......
Die Bayern werden Meister, einzelne Spiele sind da völlig uninteressant. Natürlich hätte man gewinnen können, man war überlegn und hatte Chancen, aber ganz bestimmt trauert keiner. Wichtig ist am Dienstag, bzw mit welcher Mannschaft man in Madrid auflaufen "darf". Am Samstag dann in Mainz ebenfalls zweite Mannschaft, und am Mittwoch im Pokal gegen den BVB, Bestbesetzung. Ich versteh nicht was daran so komplizierzt ist....
Sal.Paradies 16.04.2017
3. Was daran kompliziert ist?
Zitat von micheleyquemDie Bayern werden Meister, einzelne Spiele sind da völlig uninteressant. Natürlich hätte man gewinnen können, man war überlegn und hatte Chancen, aber ganz bestimmt trauert keiner. Wichtig ist am Dienstag, bzw mit welcher Mannschaft man in Madrid auflaufen "darf". Am Samstag dann in Mainz ebenfalls zweite Mannschaft, und am Mittwoch im Pokal gegen den BVB, Bestbesetzung. Ich versteh nicht was daran so komplizierzt ist....
Kompliziert ist, dass die Bayern selbst mit einem Mann mehr gegen eigentlich harmlose Leverkusener den Ball nicht über die Linie brachten! Da würde ich mich schon fragen, wie die dann am Dienstag gegen Real zwei Tore "mehr" schießen sollen? Und wenn nach so einem Spiel in Leverkusen niemand "trauert" wäre das für mich ein Alarmzeichen, weil sich alle in der berühmten Kuschelecke wollig einrichten, so nach dem Motto "Mia san mia" und es wird schon ein ""Wunder" geschehen? Aber meine gegenüber Ihrer abweichende Meinung liegt wohl daran, dass ich keine rot-weißen Scheuklappen trage? Übrigens gibt es auch Bayern-Sympathisanten die über den Mittwoch und das gestrige Spiel schon ein Stück weit konsterniert sind/waren. Ich vermute mal, deren Mutlosigkeit was DIenstag angeht liegt daran, dass die einfach gesehen haben was da im Bayern-Spiel alles nicht stimmt? Nein, ich bin mir sicher, dass die Situation schon kompliziert ist. Meine Meinung......
soratenia 16.04.2017
4. Jetzt hat
Ancelotti es endlich geschafft das Niveau der Bayern auf das der Bundesliga zu drücken und schon kritisieren die Leute wieder.
Joinme66 16.04.2017
5.
Zitat von Sal.ParadiesKompliziert ist, dass die Bayern selbst mit einem Mann mehr gegen eigentlich harmlose Leverkusener den Ball nicht über die Linie brachten! Da würde ich mich schon fragen, wie die dann am Dienstag gegen Real zwei Tore "mehr" schießen sollen? Und wenn nach so einem Spiel in Leverkusen niemand "trauert" wäre das für mich ein Alarmzeichen, weil sich alle in der berühmten Kuschelecke wollig einrichten, so nach dem Motto "Mia san mia" und es wird schon ein ""Wunder" geschehen? Aber meine gegenüber Ihrer abweichende Meinung liegt wohl daran, dass ich keine rot-weißen Scheuklappen trage? Übrigens gibt es auch Bayern-Sympathisanten die über den Mittwoch und das gestrige Spiel schon ein Stück weit konsterniert sind/waren. Ich vermute mal, deren Mutlosigkeit was DIenstag angeht liegt daran, dass die einfach gesehen haben was da im Bayern-Spiel alles nicht stimmt? Nein, ich bin mir sicher, dass die Situation schon kompliziert ist. Meine Meinung......
Im Hinblick auf das Spiel vor Real indem Dortmund überrollt wurde, ist das Spiel gegen Leverkusen tatsächlich egal. War für mich das Spiel gegen Dortmund übrigens auch schon. Jetzt kann man zwei Sachen aus solchen Spielen ziehen. Entweder Selbstvertrauen durch Dortmund was sich nicht bewahrheitet hat oder Hose voll durch Leverkusen? Was sich bisher auch nicht bewahrheitet hat denn der Dienstag ist noch gar nicht gespielt. Was das immer soll diese Wahrsagereien für die Zukunft. Überlassen wir das doch bitte den Medien. Die sind da super drin. Auch Dortmund ist nach Abschießen und Anschlag nicht untergegangen sondern hat noch alle Chancen. Vermutlich sogar mehr als der FCB. Wahrheit ist auf dem Platz und zwar in der Zukunft. Und wenn ich die kennnen würde, würd ich Lotto spielen. Mutlosigkeit und "nich stimmen" da interpretieren sie einfach zu viel. Ganz im Gegensatz zu dem übrigens, was sie vorher über die Bayern selbst geschrieben haben. Es haben schlussendlich 5-6 Spieler ihre Leistung nicht gebracht die in einem Viertelfinale nötig ist. Da muss nicht schon wieder irgendwas reininterpretiert werden. Ob es am Dienstag anders aussieht werde ich da um 23 Uhr wissen. Die Bayern haben einfach beschissen gespielt. Entweder es passiert nochmal oder Sie sind weiter. Dann natürlich niemals durch eigene Leistung sondern nur mit Glück oder Schiri. Zumindest in diesem Forum.
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