Bundesliga-Goalgetter Alex Meier Stehen, warten - Tor

Der beste Bundesliga-Torjäger spielt nicht bei Bayern München oder beim VfL Wolfsburg, sondern bei Eintracht Frankfurt: Alexander Meier trifft, wie er will. Viel laufen muss er dafür nicht mehr.

Bongarts/Getty Images

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Man kann sich nicht vorstellen, dass viel gesprochen wird, wenn Thomas Schaaf und Alexander Meier vor den Spielen zur Taktikbesprechung zusammenstehen. Trainer und Torjäger von Eintracht Frankfurt gelten nicht gerade als Quasselstrippen, das Schwadronieren überlassen sie gern anderen. Vielleicht ist es das auch ein Grund, dass es mit beiden bei der Eintracht im Moment so gut funktioniert.

Zehn Treffer nach 14 Spielen - Meier führt damit die Torjägerliste der Bundesliga an. In den vergangenen drei Partien, die die Eintracht allesamt gewann, traf er jeweils, eine Serie, die er auch beim Freitagspiel in Hoffenheim (20.30 Uhr Sky, Liveticker SPIEGEL ONLINE) fortsetzen will.

In der Vereinsgeschichte der Eintracht hat Meier damit jetzt schon einen festen Platz. So viele Tore in einer so frühen Phase der Saison, das haben weder Anthony Yeboah noch Bum Kun Cha noch Jörn Andersen geschafft. Nur der Grieche Theofanis Gekas war für den Verein in einer Hinrunde so erfolgreich wie Meier bisher - skurrilerweise in der Spielzeit, in der die Eintracht am Ende abstieg.

Mittlerweile der Dienstälteste im Team

Seit zehn Jahren trägt Meier jetzt das Eintracht-Trikot, als 21-Jähriger kam er aus Hamburg an den Main. Damals spielten bei Frankfurt noch Jens Keller und Arie van Lent, beide längst Trainer. Nach dem Abgang des ewigen Torwarts Oka Nikolov ist Meier jetzt der Dienstälteste im Team, und er war nie so wertvoll wie heute.

Dabei hatten die Frankfurter Medien zu Saisonbeginn schon über atmosphärische Störungen zwischen dem Torjäger und seinem neuen Trainer spekuliert. Meier saß zum Saisonauftakt zunächst nur auf der Bank, Schaaf hat das damals mit Hinweis auf eine kleinere Verletzung Meiers weggelächelt. Seit dem dritten Spieltag steht er wieder in der Startelf, und seitdem trifft er, wie er mag.

Bundesliga-Torjäger Meier: Er trifft auch mit wenigen Ballkontakten
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Bundesliga-Torjäger Meier: Er trifft auch mit wenigen Ballkontakten

Wer sich allein die Statistikwerte des fast 32-Jährigen ansieht, kann das erst gar nicht glauben. Die Daten sagen: Hier ist einer, der kaum am Ball ist, der sich wenig bewegt, der im Zweifel eher herumsteht als läuft. Und genauso ist es ja auch. Am Sonntag beim 5:2-Sieg über Werder Bremen hatte Meier die wenigsten Ballkontakte aller Feldspieler auf dem Platz. Er erzielte zwei Tore.

415 Ballkontakte bei bisher 126 gelaufenen Kilometern - das sind Werte aus der Kellerabteilung der Liga. Zum Vergleich: Sein Schweizer Nebenmann Haris Seferovic war 603-mal am Ball, er ist 142 Kilometer über den Platz gerannt. Selbst Thomas Müller, der auch nicht als Laufwunder gilt, hat acht Kilometer mehr zurückgelegt als Meier.

Meiers Statistik: Viel laufen ist nicht mehr sein Ding
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Meiers Statistik: Viel laufen ist nicht mehr sein Ding

Für die Erfolgsbilanz eines Torjägers sagt das alles nicht viel aus. Wer trifft, hat recht. Meier ist nicht der moderne Stürmertyp, den Josep Guardiola oder Joachim Löw mit Kusshand nehmen würden. Stören wird ihn das nicht. Tor ist Tor, und zehn Tore sind zehn Tore.

Bei den Fans ist er "Alex Meier, Fußballgott"

Seferovic und Meier - das ist so eine Art neues Traum-Duo in Frankfurt. "Er ist der Verrückte, ich bin der Normale", hat Meier in einem Interview bei bundesliga.de die Rollenverteilung beschrieben. Der Schweizer ist zehn Jahre jünger als sein Kollege, "das ist schon eine andere Spielergeneration", ein extrovertierter Typ, ganz anders als Meier, der sich als einzige Extravaganz seit dieser Spielzeit einen Zopf gönnt. Beim gegenseitigen Spielverständnis sind die beiden aber schon sehr weit. Seferovic erarbeitet, erläuft sich seine Chancen, Meier verwertet sie.

"Wir haben uns als Mannschaft gefunden", sagt Meier, und mit zehn Jahren Eintracht-Erfahrung weiß er, dass das in Frankfurt etwas bedeutet. Der Kapitän hat in dem Klub Ab- und Aufstiege erlebt, er hat Europapokal gespielt und Zweitligapartien in Aue. Dem Verein ist er treu geblieben, auch wenn ihn am Anfang viele belächelt haben, diesen staksigen, fast zwei Meter langen Kerl, dessen Bewegungsabläufe nicht immer alle Ansprüche an Eleganz erfüllen. Mittlerweile ist er für die Fans "Alex Meier, Fußballgott", und mit fast 32 Jahren ist das ein Kompliment, auf das sich Meier etwas einbilden kann.

Torwart Nikolov war 22 Jahre lang Eintrachtler. Das ist eine Marke, die Meier nicht mehr übertreffen wird. Aber da gibt es ja noch ein paar andere Ziele: In Hoffenheim könnte er sein 100. Tor in der ersten und zweiten Liga erzielen, bei der Eintracht fehlen ihm noch zwei Erstligatreffer, um Yeboah einzuholen und auf Platz vier der ewigen Eintracht-Rangliste der Torjäger aufzurücken.

Zu Platz drei und Eintracht-Legende Jürgen Grabowski klafft dann allerdings noch eine Lücke von 41 weiteren Toren. Es gibt also noch was zu tun für Alex Meier. Sicherheitshalber hat er seinen Vertrag in Frankfurt schon mal bis 2017 verlängert.



insgesamt 8 Beiträge
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leeberato 12.12.2014
1. Wie einst
?Fußballgott? Olaf Marschall: im richtigen Moment Kopf oder Fuß hingehalten, Tor!
donadoni 12.12.2014
2. Der Eintracht sei...
...wieder einmal eine tolle Saison gegönnt wie einst bei Stepanovic 91/92. Vielleicht wird es dieses Jahr mit einem Platz unter den ersten Fünf.
noalk 12.12.2014
3. Beweglich
"415 Ballkontakte bei bisher 126 gelaufenen Kilometern - ... Haris Seferovic war 603-Mal am Ball, er ist 142 Kilometer ... gerannt." --- Mithin läuft Meier für einen Ballkontakt 303 m, Seferovic "nur" 235 m. Von Stehen kann man da nicht gerade reden.
germanico 12.12.2014
4. Schon kurios
Sicherlich ist Alex Meier der treffsicherste Stürmer der Bundesliga, der niemals ernsthaft mit der Nationalmannschaft in Verbindung gebracht wurde. Die meisten seiner Tore macht er aus Abprallern, aber dann traumwandlerisch sicher.
Ehrentreffer 12.12.2014
5. Kein Laufwunder?
Der Thomas Müller, der bei der WM 2014 von allen Spielern die größte Laufleistung hatte mit knapp 84km, ist also nicht als Laufwunder bekannt? Gut, dass das damit auch geklärt ist. Oder redet der Autor von einem anderen Thomas Müller?
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