Bundesliga-Transfers Geiz gewinnt

Sommerzeit ist Transferzeit - doch dieses Jahr geizen die Bundesligisten. Nur die Bayern gaben reichlich Geld aus, Meister Dortmund und Leverkusen nahmen sogar mehr ein als sie investierten. Zwei Tage vor dem Bundesliga-Start: die wichtigsten Personalwechsel im Überblick.

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Das lange Warten hat ein Ende: noch zwei Tage bis zum Bundesliga-Auftakt, zum Duell zwischen Meister Borussia Dortmund und dem Hamburger SV (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Die Erwartungen sind so unterschiedlich wie jedes Jahr, gemein ist aber allen Fußball-Fans die Vorfreude auf die neuen Spieler in der Liga.

Noch in den beiden vergangenen Saisons waren ins Alter gekommene Stars wie Raúl, Ruud van Niistelrooy und Sami Hyppiä groß in Mode. Im Sog dieses Trends fanden sogar Mikael Silvestre und Tuncay in Werder Bremen und dem VfL Wolfsburg noch Abnehmer in der Bundesliga.

Das hat sich vor dieser Saison deutlich geändert, das fällt auf bei einem gründlichen Blick auf die 70 wichtigsten Transfers (siehe Fotostrecke). Der Grund: Mit einer jungen, hungrigen und vor allem auch relativ günstigen Mannschaft holte Borussia Dortmund in der vergangenen Saison den Titel. Mainz, Hannover und Nürnberg sorgten ebenfalls mit Nachwuchsspielern und "Namenlosen" für Furore.

Nach der Meistersaison bleibt sich der BVB selbstverständlich auch vor der neuen Spielzeit bei seinen Transfers treu: Mit den 22-Jährigen Ivan Perisic (FC Brügge/5,5 Millionen Euro) und Chris Löwe (FC Chemnitz/etwa 200.000 Euro) sowie Sahin-Ersatz Ilkay Gündogan (20 Jahre alt/1. FC Nürnberg/vier Millionen Euro) wurden ausnahmslos Spieler mit Perspektive geholt. Der Kader von Jürgen Klopp bleibt mit einem Altersdurchschnitt von 23,7 Jahren der jüngste der Liga.

Neue Stars sollen den Bayern die Meisterschaft sichern

Und weil im Fußball in Mode ist, was sich als erfolgreich erwiesen hat, setzt nun auch vermehrt die Konkurrenz auf den Nachwuchs. Der Zweite der vergangenen Saison, Bayer Leverkusen, verpflichtete bereits im Laufe der Saison 2010/2011 Nationalspieler André Schürrle (1. FSV Mainz 05/20 Jahre alt) und Karim Bellarabi (21) vom Zweitliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig.

Im Sommer kamen Bastian Oczipka (22) vom FC St. Pauli und Danny da Costa (18) aus der zweiten Mannschaft. Einzig Keeper David Yeldell (29) vom MSV Duisburg fällt aus dem Rahmen. Aber für Torhüter gelten ja gemeinhin etwas andere Regeln, schließlich hätte der 41-jährige Jens Lehmann fast noch einen Job bei Schalke 04 bekommen, Bayerns Ersatz-Keeper Hans-Jörg Butt wäre trotz seiner 37 Jahre wohl bei den meisten Bundesligisten als Stammtorhüter gesetzt. Wie auch der BVB machte Bayer mit seiner Transferpolitik sogar einen Gewinn. Der Kauf von Schürrle für acht Millionen Euro wurde mit den zwölf Millionen Euro Einnahmen für Arturo Vidal (Juventus Turin) locker kompensiert.

Einem schon traditionellen Muster folgend, hat einzig der FC Bayern München ordentlich investiert. Immer im Jahr nach einer verpassten Meisterschaft sollen neue Stars den Erfolg sichern. Rund 44 Millionen Euro gaben die Bayern aus, das ist immerhin knapp ein Drittel der 137 Millionen Euro, die bisher alle 18 Bundesligisten in neue Spieler investierten - aber noch lange kein Rekord: 2007 investierten die Bayern die Rekordsumme von mehr als 70 Millionen, 2009 rund 60 Millionen Euro - beide Male wurden sie anschließend Meister. 44 Millionen für die Transfers von Manuel Neuer (mindestens 18 Millionen Euro) und Jérôme Boateng (13,5) wirken dagegen fast bescheiden, ganz zu schweigen von Nils Petersen (Energie Cottbus/3 Millionen Euro) und dem von Gamba Osaka ausgeliehenen Japaner Takashi Utshima.

Magath: "Es wird auf jeden Fall noch etwas geändert"

Zwar investierten die 18 Clubs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (87 Millionen Euro) rund 50 Millionen (rund 137 Millionen Euro) mehr in neue Spieler, aber dennoch deutlich weniger als im Rekordsommer 2007 (194). Zudem stehen den Ausgaben hohe Verkaufserlöse von fast 101 Millionen Euro gegenüber, nur zehn Clubs - Bayern ist mit 39,1 Millionen Euro Spitzenreiter - verzeichneten ein Minus. Am meisten profitieren konnte in der am 31. August endenden Transferperiode Schalke 04, das nur einen geringen Teil der Millionen für Neuer wieder ausgab und ein Transferplus von rund 19 Millionen Euro verzeichnet. Wie die meisten anderen Clubs setzt der Pokalsieger lieber auf perspektivreiche Schnäppchen.

Bis Ende der Transferperiode am 31. August wird erwartungsgemäß noch nachgebessert, so könnte auch der VfL Wolfsburg, nach dem Kauf des Stuttgarters Christian Träsch (rund zehn Millionen) mit bisher 16,5 Millionen Euro Investitionen immerhin Transfer-Zweiter, noch die 20-Millionen-Grenze knacken. "Es wird auf jeden Fall noch etwas geändert, denn so können wir nicht in der Bundesliga starten", versprach Trainer Felix Magath nach der Blamage im DFB-Pokal gegen RB Leipzig. Daran wird kaum jemand zweifeln, gilt Magath doch als "Transferkönig" der Liga.

Das in der Vorsaison lange abstiegsgefährdete Werder Bremen hat auf den meisten Positionen Bedarf - doch eine schwierige Finanzlage führte sogar zu einem vom Aufsichtsrat verhängten Transferstopp inklusive öffentlich ausgetragenem Streit zwischen Geschäftsführer Klaus Allofs und dem Vorsitzenden Willi Lemke. Vor dem Zwist standen bereits der Wechsel des 20-jährigen Mehmet Ekici vom FC Bayern (rund fünf Millionen Euro) sowie der von Lukas Schmitz (Schalke/22 Jahre/eine Million Euro) und Andreas Wolf (Nürnberg/29/ablösefrei) fest. Später durfte Allofs dann noch den ersehnten Innenverteidiger Sokratis Papastathopoulos vom FC Genua zumindest ausleihen - inklusive Kaufoption für 3,8 Millionen Euro.

Der Nord-Rivale Hamburger SV sorgte vor allem damit für Aufsehen, dass der neue Sportdirektor Frank Arnesen bei seinem Ex-Club einkaufte: Mit Michael Mancienne, Gökhan Töre, Jacopo Sala und Jeffrey Bruma kamen gleich vier Nachwuchsspieler vom FC Chelsea.

Am wenigsten Geld für neue Spieler gaben erwartungsgemäß die Aufsteiger Hertha BSC (700.000 Euro) und Augsburg (375.000 Euro) aus. Ablösefrei zum FC kam unter anderem Lorenzo Davids vom NEC Nijmegen. Wenn für große Stars das Geld fehlt, tun es auch große Namen: Lorenzo Davids ist der Vetter des ehemaligen Weltklassespielers Edgar Davids.

Mit Material von dapd

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atock 04.08.2011
1. und was sagt uns das?
der fcb als überragender aussauger der liga. setzt weiterhin darauf,heimische konkurrenz sprich die bundesliga zu schwächen indem transfer ausschliesslich aus inzucht bestehen. das was schalke international erfolgreich praktiziert hat,ist bei dem "bestgeführtesten verein europas" traditionell verpönt. wichtig ist die meisterschaft... mit anderen worten,wir kaufen/fischen ausschliesslich im deutschen markt.. höhergestellten ligen durch ausrufetransfer das wasser abzugraben gibt es nicht. deshalb soll die frage gestellt sein,wie lang sich der weltweit grösste fussballmarkt vom fcb und deren desolatpresse für doof verkaufen lässt...
das_schwampel 04.08.2011
2. Oh Mann..
Man kann auch aus allem irgendwas machen, oder? '2007 - das Rekordjahr'. Das ist 4 Jahre her! Damals hat der FC Bayern die Transfersumme der Liga nach oben gepusht. Mit 70 Millionen Euro. Setzt man diese Summe runter, ist alles so wie immer. Der Titel lautet 'Geiz gewinnt'.... Und das, obwohl mehr ausgegeben wurde als letzte Saison. So ein Unsinn. Reicht es nicht, über die Transfers zu schreiben und sie vorzustellen? Statt dessen wird 'Sparsamkeit' nun als neuer Trend ausgegeben. Dass die Vereine sich langsam aber sicher auf die Financial Fairplay Regel der UEFA einstellen, davon ist nichts zu lesen. Dass die Preise für Spieler dieses Jahr wieder einen Sprung nach oben gemacht haben und sich viele deutsche Clubs gar keine Spieler leisten können, darüber steht auch nichts im Artikel. Nein nein, es ist ein neuer Trend. Wahnsinn, Hammer, Sensation!!! So wie es vor 2 Jahren ein neuer Trend war, Trainern der alten Schule (van Gaal, Magath, Heynckes etc) das Kommando zu geben. Ein Jahr später wird Klopp mit dem BVB Meister, und schon ist es der Trend, junge Trainer zu nehmen. Nächstes Jahr wird's dann ein Trend sein, Spieler mit Schuhgröße 41 zu nehmen, weil die ersten 3 der Torschützenliste diese Größe haben. Vielleicht auch mal über den neuen Trend schreiben, mehr Tore zu schiessen als der Gegner, mehr Punkte zu sammeln und durch diese schlaue Taktik Erfolg zu haben. Ausserdem: wenn die ersten Spiele verloren gehen, dann schlagen die Vereine noch zu. Das wars noch nicht. Haben ja noch fast nen Monat Zeit.
frubi 04.08.2011
3. .
Zitat von das_schwampelMan kann auch aus allem irgendwas machen, oder? '2007 - das Rekordjahr'. Das ist 4 Jahre her! Damals hat der FC Bayern die Transfersumme der Liga nach oben gepusht. Mit 70 Millionen Euro. Setzt man diese Summe runter, ist alles so wie immer. Der Titel lautet 'Geiz gewinnt'.... Und das, obwohl mehr ausgegeben wurde als letzte Saison. So ein Unsinn. Reicht es nicht, über die Transfers zu schreiben und sie vorzustellen? Statt dessen wird 'Sparsamkeit' nun als neuer Trend ausgegeben. Dass die Vereine sich langsam aber sicher auf die Financial Fairplay Regel der UEFA einstellen, davon ist nichts zu lesen. Dass die Preise für Spieler dieses Jahr wieder einen Sprung nach oben gemacht haben und sich viele deutsche Clubs gar keine Spieler leisten können, darüber steht auch nichts im Artikel. Nein nein, es ist ein neuer Trend. Wahnsinn, Hammer, Sensation!!! So wie es vor 2 Jahren ein neuer Trend war, Trainern der alten Schule (van Gaal, Magath, Heynckes etc) das Kommando zu geben. Ein Jahr später wird Klopp mit dem BVB Meister, und schon ist es der Trend, junge Trainer zu nehmen. Nächstes Jahr wird's dann ein Trend sein, Spieler mit Schuhgröße 41 zu nehmen, weil die ersten 3 der Torschützenliste diese Größe haben. Vielleicht auch mal über den neuen Trend schreiben, mehr Tore zu schiessen als der Gegner, mehr Punkte zu sammeln und durch diese schlaue Taktik Erfolg zu haben. Ausserdem: wenn die ersten Spiele verloren gehen, dann schlagen die Vereine noch zu. Das wars noch nicht. Haben ja noch fast nen Monat Zeit.
Ihren Frust über die ständig neuen "Trends", die von den Medien ausgerufen werden, kann ich nachvollziehen. Dennoch finde ich es gut, dass sich deutsche Vereine nicht an diesen "Mondpreisen" auf dem internationalen Markt beteiligen. Wenn man z. B. sieht, dass ein Pastore für 40 + x zu PSG wechselt, dann entbehrt das jeder Vernunft. Ich finde es genau richtig, was Sammer vor kurzem gesagt hat. Man hat jahrelang Talente wie Özil und Götze links liegen gelassen und jetzt ist der deutsche Fußball in einer Situation, in der er meiner Meinung nach noch nie gewesen ist. Die jetzt 10-14 jährigen werden die Entwicklung von diesen Spielern genau verfolgen und sich bestenfalls daran orientieren. Der spanische und der deutsche Fußball haben zur Zeit die größte Ansammlung an vielversprechenden Talenten in der Jugend und ich würde mal behaupten, dass es in Deutschland noch weitaus ausgeglichener ist. Die Gefahr in Spanien ist allerdings, dass es eigentlich nur 2 mögliche Titelkandidaten gibt und somit die Spannung auf Dauer verloren geht. Dazu gesellt sich die finanzielle Schieflage in Spanien. Ob das auf Dauer halten wird, ist jedenfalls fraglich. Ich sehe die deutsche Liga auf Dauer unter den Top3 und je nachdem wie das Financial Fairplay eingehalten wird, könnte die Liga in den nächsten 10-15 Jahren sogar zur besten Liga werden. Würden die Steuererleichterungen für Spieler in Italien wegfallen, gäbe es in dieser Liga gar keinen ausländischen Star mehr. Wer will denn schon in Catania vor 4000 Ultras spielen?
Greg84 04.08.2011
4. ...
Zitat von atockder fcb als überragender aussauger der liga. setzt weiterhin darauf,heimische konkurrenz sprich die bundesliga zu schwächen indem transfer ausschliesslich aus inzucht bestehen. das was schalke international erfolgreich praktiziert hat,ist bei dem "bestgeführtesten verein europas" traditionell verpönt. wichtig ist die meisterschaft... mit anderen worten,wir kaufen/fischen ausschliesslich im deutschen markt.. höhergestellten ligen durch ausrufetransfer das wasser abzugraben gibt es nicht. deshalb soll die frage gestellt sein,wie lang sich der weltweit grösste fussballmarkt vom fcb und deren desolatpresse für doof verkaufen lässt...
Oh ja, der FC Bayern hat den deutschen Fußball mal wieder ausgesaugt, mit EINEM Transfer aus der eigenen Liga. Was genau hat Schalke letztes Jahr für "Ausrufetransfers" getätigt? Einen Raúl, den man bei Real nicht mehr wollte oder Klaas-Jan Chancentod? Bayern kauft nicht mehr Spieler aus der eigenen Liga als andere Vereine das auch machen. Natürlich kauft Bayern nur namhafte Spieler, die in der Regel auch mal ein wenig mehr kosten, wieso sollten sie auch was anderes machen? Mit Müller, Lahm, Schweinsteiger, Badstuber, Alaba und Contento haben sie auch einige eigene Nachwuchsspieler im Kader. Aber mal zum Vergleich wer dieses Jahr wie viele Spieler von anderen Vereinen der Bundesliga bisher verpflichtet hat: Bayern einen, Dortmund einen, Leverkusen zwei, Schalke auch zwei. Letzte Saison hat Bayern auch nur einen aus der eigenen Liga verpflichtet, im Jahr davor immerhin ganze drei, ein weiteres Jahr zurück wieder nur einer. Das ist dann extremes Schwächen anderer Vereine und Fischen im eigenen Markt? Machen Sie sich doch nicht lächerlich!
Greg84 04.08.2011
5. ...
Ich muss sagen bisher sind die Investitionen in Spanien und England noch relativ human für deren Verhältnisse. Barcelona ist aktuell im plus bei Transfers, Real liegt bei ca. 50 Mio Minus aus Transfers, bei Malaga sinds knapp 60. Manchester United hat bisher auch um die 50 Mio Minus bei Transfers, sollte Sneijder noch kommen, geht die Summe natürlich auch deutlich hoch. Manchester war sogar noch dreister als Bayern, die haben gleich zwei Spieler aus der eigenen Liga geholt ;) Manchester City liegt bisher bei ca. 47 Mio Verlust aus Transfers. Wobei ich jetzt doch grad gestaunt habe, wie schnell die Scheichs hinter ManCity aus diesem bestenfalls Durchschnittsverein den teuersten Kader der Liga gemacht haben.
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