Bundesliga-Trikot-Ranking Augenweide auf dem Rasen
Hamburg - Glänzend: So sehen nicht nur die kupferfarbenen Trikots des FC St. Pauli in der kommenden Saison aus; auch eine vierköpfige Jury der Mediadesign Hochschule mit Standorten in Berlin, München und Düsseldorf vergab dieses Prädikat für das neue Jersey des Hamburger Clubs - und wählte es zum besten aller 18 Bundesligisten.
Das Fazit der Juroren: "St. Pauli schmeichelt nicht nur mit anschmiegsamen Material. Mit diesem Trikot sieht man einfach überall gut aus und transportiert seine Zugehörigkeit zu einem ganz besonderen Lebensgefühl", sagte Modedesign-Professorin Julia Schnitzer. Sollte es für den Aufsteiger in der neuen Spielzeit sportlich also nicht so gut laufen, könnte er wenigstens behaupten, eine gute Figur abgegeben zu haben.
Die Idee zum Trikot entstand im Verein selbst. "Das war keine Auftragsarbeit", sagte Hendrik Lüttmer SPIEGEL ONLINE. Er ist Produktchef der Sportagentur Upsolut, der der größte Teil der St.-Pauli-Merchandisingrechte gehört. "Von den ersten Entwürfen bis zum fertigen Trikot hat es keine drei Monate gedauert", so Lüttmer.
Der ehemalige Fan-Beauftragte des FC St. Pauli entschied sich für ein Wendetrikot. Die eine Seite ist in der klassischen Vereinsfarbe Braun gehalten, verziert mit einer Stadtteilkollage. Die Idee dazu kam Lüttmer anlässlich des 100. Geburtstags des Clubs. Die Wechselseite ist in Kupfer gehalten. Lüttmer: "Gold erschien uns aufgrund der Vereinsgeschichte nicht angebracht."
Sexsymbole in Freiburg, Klassiker in Hamburg
St. Pauli setzte sich im Trikot-Ranking nur knapp gegen einen anderen vermeintlichen Underdog durch: den SC Freiburg. Im Breisgau habe man begriffen, so die Jury, dass ein Fußballer heute auch Promi und Sexsymbol sei. "In diesem Trikot ist jeder Spieler die reinste Augenweide. Von introvertiert bis raubtierhaft, hier werden alle Klischees in einem Stück Stoff bedient", lautet das Urteil zum Jersey der Freiburger Kicker.
Auf Platz drei schaffte es der zweite Hamburger Club: "Der moderne Klassiker. Die Nummer eins im Retro-Look mit ein wenig Science Fiction", heißt es in der Analyse über das Trikot des HSV. Eine Fiktion würde dem Club in der Tat mal ganz gut tun.
Beim 1. FC Köln, der es mit seinem Trikot auf Platz vier geschafft hat, würden sich die Verantwortlichen freuen, wenn sich die Spieler das Jury-Motto zu Herzen nehmen würden: "Auf Angriff gebürstet." Und auch die Fans von Hannover dürften sich nichts sehnlicher wünschen, als dass die Analyse der Mode-Experten für das 96-Trikot (5.) auch mal auf das Spiel des eigenen Teams zutrifft: "Schwungvoll, witzig, modern, anders."
Wolfsburg-Trikot unsportlich, Frankfurt-Jersey unsexy
Nicht gerade figurfreundlich ist hingegen das neue Leibchen des VfL Wolfsburg. "Perfekt für den beleibteren Mann, dank konvexer Nahtführung im vorderen Bereich", urteilte die Jury. Vielleicht sollten sich die Verantwortlichen in Wolfsburg vor diesem Hintergrund über eine Verpflichtung Ailtons Gedanken machen. Trägern im Freizeitbereich sei laut Jury-Mitglied Antje Osterburg dringend vom VfL-Trikot abgeraten. "Man sieht damit wie alles Mögliche aus, nur nicht sportlich schlank."
Graues Mode-Mittelmaß in der Liga des guten Geschmacks ist auch Rekordmeister Bayern München. "Die sind so gut, da ist es einfach egal, was sie anhaben. Nach diesem Motto scheinen die Trikotverantwortlichen von Bayern München schon länger zu verfahren", heißt es in der Beurteilung. Folge: Platz 13.
Auch nicht viel besser schnitten Frankfurts Trikots ab, die "nicht nur phänomenal unsexy, sondern nahezu lieblos" sind. Dennoch hält die Eintracht als 15. gerade so die Klasse. In die Relegation muss Bayer Leverkusen mit Hemden, die "wie ein Verbotsschild im Straßenverkehr" aussehen.
Mainz und Gladbach steigen aus der Liga des guten Geschmacks ab
Das Fazit für Leverkusens Trikots klingt aber geradezu wie ein Kompliment, wenn man die Urteile für die modischen Absteiger Mainz 05 (17.) und Borussia Mönchengladbach (18.) liest. Beide Clubs begehen nach Meinung der Jury optisch böse Fouls. Während die Mainzer kommende Saison in einem Trikot auflaufen, das aussieht wie "ein roter Sack mit Ärmeln dran", ist das Urteil zum Gladbacher Rumpfkleid vernichtend: "Kein Schnitt, kein innovatives Material, die pure Abwesenheit jeglichen Designs."
Die Mainzer und Gladbacher sollten das Trikot-Urteil aber bloß nicht als Spinnerei irgendwelcher Modeschnösel abtun. Vor einem Jahr landete der Club Hertha BSC Berlin aufgrund seiner "Sträflingskleidung" auf einem Abstiegsplatz. Der Rest ist bekannt - Hertha musste den Gang in Liga zwei antreten.