Union besiegt Hertha Pyrotechnik und Vermummte auf dem Spielfeld überschatten Berliner Derby

Zum ersten Mal seit 42 Jahren trafen in der Bundesliga wieder zwei Berliner Mannschaften aufeinander. Die Entscheidung fiel per Strafstoß, zuvor war die Partie wegen Pyrotechnik unterbrochen worden.

Andreas Gora/DPA

Union Berlin hat sich im ersten Berliner Derby in der Bundesliga seit der Saison 1976/1977 gegen Hertha BSC durchgesetzt. Beim 1:0 (0:0) bekamen die Gastgeber in der 87. Minute einen Elfmeter zugesprochen, den der eingewechselte Sebastian Polter verwandelte. Dedryck Boyata hatte zuvor im Strafraum Christian Gentner mit einer Grätsche getroffen. Durch den Sieg steht Union (zehn Punkte) mit einem Punkt weniger als der Stadtrivale vorerst auf dem 13. Platz, Hertha befindet sich auf Rang elf.

Nach Spielende kam es zu beunruhigenden Szenen. Pyrotechnik flog auf den Rasen, Vermummte aus dem Union-Block drangen auf das Spielfeld. Weder die Union-Spieler noch die Sicherheitskräfte konnten sie zurückhalten. Erst als aus dem schwarzen Block die Aufforderung kam, zogen sich die Vermummten wieder zurück.

"Das hat mit Fußball nichts zu tun"

Bereits zu Beginn des zweiten Durchgangs hatten Teile der Fans für Ärger gesorgt. In der Union-Kurve wurden zahlreiche Fackeln angezündet, aus dem Hertha-Block flogen mehrere Feuerwerkskörper aufs Feld. Einer davon landete knapp vor Unions Trainerbank. "Ich habe es gesehen und habe versucht, ihr auszuweichen. Aber alle behielten die Ruhe", sagte Union-Trainer Urs Fischer. "Der Schiedsrichter hat seinen Teil dazu beigetragen, dass es ohne Zwischenfälle ablief."

Deniz Aytekin hatte das Spiel zu diesem Zeitpunkt für mehrere Minuten unterbrochen und beide Mannschaften in den Spielertunnel geschickt. Danach ging es weiter. "Die oberste Priorität war, das Spiel zu Ende zu bringen. Wir waren in Kontakt mit der Polizei", sagte der Schiedsrichter. "Mir ging es um die Sicherheit der Spieler. Das Wichtigste ist, dass keiner verletzt ist. Das hat mit Fußball nichts zu tun." Hertha-Trainer Ante Covic sagte: "Ich verstehe die Emotionen, aber das geht über die Grenzen hinaus. Das Ganze muss sportlich bleiben."

Sebastian Polter sorgt kurz vor Abpfiff doch noch für eine sportliche Nachricht
Maja Hitij/Getty Images

Sebastian Polter sorgt kurz vor Abpfiff doch noch für eine sportliche Nachricht

Das Spiel hatte mit einer Großchance für die Gastgeber begonnen: Von rechts kam eine Flanke in den Strafraum, wo Christopher Lenz an den rechten Innenpfosten köpfte. Von dort prallte der Ball zurück ins Feld (3. Minute). Die beste Chance für Hertha hatte Dodi Lukébakio in der 15. Minute mit dem Kopf. Bis auf den entscheidenden Elfmeter in der Schlussphase verlief die zweite Hälfte ohne Torchancen.

Union Berlin - Hertha BSC 1:0 (0:0)
1:0 Polter (87.)
Union: Gikiewicz - Friedrich, Schlotterbeck, Subotic - Trimmel, Andrich, Gentner, Lenz - Ingvartsen (90.+6 Ryerson), Andersson (80. Polter), Bülter (46. Mees)
Hertha: Jarstein - Klünter, Stark, Boyata, Mittelstädt (90.+2 Selke) - Wolf, Skjelbred (46. Löwen), Grujic, Dilrosun - Lukébakio, Ibisevic (82. Kalou)
Gelbe Karten: Schlotterbeck / Boyata
Schiedsrichter: Aytekin

mrk



insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
Europa! 02.11.2019
1. Es zählt, was auf dem Platz (und in Köln) passiert
Gut, dass dieses Spiel nicht politisiert wurde. Dazu war es viel zu "körperbetont", und die Pyrotechnik beider Fangruppen war auch kein Ruhmesblatt. Union gewinnt drei Punkte gegen den Abstieg. Das ist sportlich (und letztlich auch "politisch") das Wichtigste.
cfk.berlin 02.11.2019
2. Gähn!
So ein Theater um so ein schlechtes Fußballspiel! Union mit etwas Glück, eigentlich wäre 0:0 angemessen. Herthafans freuen sich auf Niko Kovac.
kloppononstoppo 02.11.2019
3. Unionspieler beherrschen halt die Manndeckung... ;-)
Na ja, letzendlich waren es doch die Union-Spieler (v.a. ein konsequenter Rafal Gikiewicz, dem ich hiermit meine Hochachtung aussprechen will - ich meine das absolut ernsthaft, das war Zivilcourage pur!), die die Deppen wieder zurück in die Flasche gekriegt haben. Die anderen (richtigen!) Fans haben dann dankbarerweise wieder den Korken draufgemacht...
crunchy_frog 02.11.2019
4. Wirklich?
"Weder die Union-Spieler noch die Sicherheitskräfte konnten sie zurückhalten. Erst als aus dem schwarzen Block die Aufforderung kam, zogen sich die Vermummten wieder zurück." Da zeigen die TV Bilder aber ein völlig anderen Sachverhalt. Es waren sehr wohl die Spieler der Union, allen voran der Keeper, die sich den vermummten Chaoten entgegenstellten und sie resolut auf die Tribüne zurück schickten.
tomlex27 02.11.2019
5. Fans im Blutrausch
Also, wenn ich mir diese villbekloppten Union-Fans so angucke, Angst und Bange wird einem. Enthemmte Wesen, die ihren Lebensinhalt und Ersatzreligion im Fansein einer spielerisch minderbemittelten Mannschaft gefunden haben. Okay, die treten auf dem Platz jeden Grashalm, der sich bewegt, kaputt, die Knochen sowieso und der Pöbel in rot auf den Rängen geht mit, aber was hat das jetzt mit Fussball zu tun? Sehr wenig und weshalb sowas in der Bundesliga spielt weiss auch keiner.
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