Bundesliga-Veteran Heynckes Der Kompromisstrainer

Jupp Heynckes verlässt Bayer Leverkusen, jetzt ist für ihn der Weg zum FC Bayern München frei. Der 65-Jährige steht für solide, besonnene Arbeit. Ein Mann der Zukunft wäre er allerdings nicht - der arbeitet künftig für Leverkusen.

Bongarts/Getty Images

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Die Sache mit dem Dienstwagen rechnen sie Jupp Heynckes in Mönchengladbach immer noch hoch an. Als sich die Borussia im Januar 2007 von Heynckes trennte, tankte der Trainer als letzte Amtshandlung das Dienstauto noch einmal voll und stellte es dann vorschriftsmäßig auf dem dafür vorgesehenen Parkplatz ab. Heynckes weiß, was sich gehört, er ist ein Mensch mit Umgangsformen, höflich, freundlich, korrekt. Das ist nicht der geringste Grund, warum der FC Bayern München den fast 66-jährigen Coach von Bayer Leverkusen so gerne an die Säbener Straße zurückholen will.

In Leverkusen haben sie Heynckes' Nachfolge frühzeitig geregelt. Bayer bekommt mit dem Freiburger Robin Dutt den nach Jürgen Klopp begehrtesten Coach der Liga und setzt damit ein deutliches Zeichen der Perspektive. Die Bayern dagegen würden einen Trainer des Übergangs erhalten.

Jupp Heynckes hat eine beeindruckend lange Liste von Erfolgen zu verzeichnen. Er ist sechsmal Deutscher Meister geworden, viermal als Spieler in Mönchengladbach, zweimal als Coach in München. Er gehörte als Spieler dem Weltmeisterkader von 1974 an, er hat 1998 als Trainer die Champions League mit Real Madrid geholt. Das war allerdings auch sein letzter Titelgewinn, das ist 13 Jahre her.

München als Stresstest für Heynckes' Altersmilde

Zu Heynckes' Trainerbiografie gehören allerdings auch die Stationen Frankfurt, wo er es sich 1995 am Ende mit allen Stars verdorben hatte, und Schalke, das er 2004 bereits nach einem Jahr wieder verlassen musste, begleitet von dem höhnischen Satz des damaligen Schalke-Managers Rudi Assauer: "Der Jupp ist ein Fußballer der alten Schule, aber wir haben 2004." Die Gladbacher Borussia stürzte unter Heynckes 2007 in den Tabellenkeller und erholte sich auch nach seinem Rücktritt nicht mehr.

In Leverkusen schien Heynckes zuletzt so etwas wie sein spätes Karriereglück gefunden zu haben. Bayer ist ein ruhiger Arbeitsplatz, der Club ist das Spitzenteam in Deutschland mit dem geringsten Aufregungspotential, die Fanszene verhält sich seit eh und je unauffällig. Die Geschäfte im Verein werden von Wolfgang Holzhäuser und Rudi Völler seit Jahren relativ solide geführt. Heynckes hat es immer geliebt, wenn es um ihn herum nicht allzu hektisch zugeht. Umso genervter reagierte er denn auch in den vergangenen Wochen, als sich nichts mehr um die sportlichen Erfolge des Teams, sondern alles nur noch um die Personalie Michael Ballack zu drehen schien.

In München wird er so etwas fast täglich haben.

Als Heynckes 1991 nach vier relativ guten Trainerjahren bei den Bayern gehen musste, wirkte er damals wie einer, der von der Münchner Medienöffentlichkeit geschafft war. Auch in Frankfurt und Gelsenkirchen gingen ihm die Erregtheiten des Umfelds schnell gegen den Strich. Der Coach ist stets weit dünnhäutiger gewesen, als er in Leverkusen zuletzt wirkte. Für ihn würde die Rückkehr an die Säbener Straße auch zum Stresstest für seine Altersmilde.

Heynckes ist der Wunschkandidat von Hoeneß

Für den Bayern-Vorstand, insbesondere Präsident Uli Hoeneß, ist Heynckes der Wunschkandidat auf dem Trainerposten. Auch wenn Heynckes selbst betont, es gebe noch keinerlei Verhandlungen mit den Münchner Bossen - alles spricht derzeit dafür, dass die Bayern ihn für die kommende Spielzeit verpflichten. Zu dem jetzigen Coach Louis van Gaal hat Hoeneß nie wirklich Zugang gefunden. Der Niederländer beanspruchte eine Rolle, die Hoeneß für sich gepachtet zu haben glaubte. Van Gaal meinte zu wissen, was das Beste für den FC Bayern München ist. Und in dieser Frage lässt sich Hoeneß von niemandem übertrumpfen.

Unter Heynckes droht ihm nichts Entsprechendes. Der Trainer-Oldie ist ein Freund des Hauses - spätestens seitdem er sich 2009 in die Pflicht nehmen ließ, die Bayern-Saison nach der Beurlaubung von Jürgen Klinsmann als Trainer zu Ende zu bringen. Wie Heynckes in Leverkusen das Ballack-Thema handhabte, hat dem Vorstand in München ebenfalls gefallen. Anders als van Gaal es mit unliebsamen Edelprofis wie Martin Demichelis oder Luca Toni machte, demontierte Heynckes seinen Star nicht vollständig, sondern zeigte ihm lediglich deutlich die Grenzen auf.

Mit seinem Trainer Heynckes gewinnt Hoeneß wieder ein Stück Deutungsmacht im Verein zurück, das er unter van Gaal eingebüßt hatte. Der Coach wird, das hat Sportdirektor Christian Nerlinger schon angekündigt, in der Sommerpause die Verstärkungen in der Verteidigung erhalten, die der Verein braucht, um in der kommenden Saison wieder Deutscher Meister zu werden. Van Gaal hatte dagegen auf seine eigenen jungen Abwehrspieler gesetzt, auf Diego Contento, auf Breno, auf Holger Badstuber - dieses Risiko hat ihn letztlich den Job gekostet.

Heynckes ist anders als van Gaal ein Vertreter des Fußballkompromisses. Die Zeit der Streitigkeiten, der Provokationen beim FC Bayern wäre mit ihm erst einmal vorbei. Die Zeit der Visionen aber auch.

In Leverkusen beginnt sie dagegen erst. Der Verein hat sich von seinem ersten missglückten Anlauf mit einem Konzepttrainer erholt. Die Erfahrungen mit dem damaligen Trainer Bruno Labbadia haben die Clubführung diesmal genauer hinsehen und mit Dutt den richtigen Mann für den richtigen Job finden lassen. Der 46-Jährige kommt aus dem Rheinland und ist durch seine Freiburger Zeit aufs Bundesliga-Geschäft bei Bayer gut vorbereitet. Mit Heynckes eint ihn die Sehnsucht nach Ruhe im Job.

In Leverkusen wird Dutt sie bekommen. Jupp Heynckes dagegen wird sich noch einmal danach zurücksehnen.

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stephan87 21.03.2011
1. Dutt Mann der Zukunft?
Naja, Dutt in allen Ehren, aber man braucht es jetzt nicht mit der Lobpreisung zu übertreiben. Ja, er hat es geschafft Freiburg in die 1. Liga zu bringen und ist dort zumindest 2 Spielzeiten lang nicht wieder abgestiegen. Aber der muss jetzt erst mal bei einem größerem Team beweisen, dass er was drauf hat. Danach kann er immer noch zu Bayern wechseln und Mann der Zukunft werden.
Erich91 21.03.2011
2. zu Herrn Dutt
Das ist auch einer von den hochgepriesenen Trainern, die als sie den Sprung zum Cheftrainer geschafft hatten, versprochen haben, mit diesem Verein etwas für die Zukunft aufzubauen, um dann dem ersten Wink mit den Geldscheinen zu folgen. Ob er es dann dort schafft muss zuerst noch bewiesen werden.
Hador, 21.03.2011
3. Nein, keinen Titel....
Ob Heynckes für Bayern der richtige Trainer ist halte ich für sehr fraglich. Auf der anderen Seite gibt es IMO den richtigen Trainer für Bayern auch gar nicht. Zumindest nicht solange der Vorstand nicht endlich lernt sich zurückzunehmen und dem Trainer mal mehr als 1-1.5 Jahr Zeit gibt. Dutt nach Leverkusen ist ne andere Geschichte. Prinzipiell kann ich mir schon vorstellen, dass das passt. Allerdings ist es immer noch ein großer Sprung von Freiburg nach Leverkusen und die Hauptfrage ist denke ich wo Leverkusen eigentlich in den nächsten Jahren hin will. Will man ernsthafter Titelkandidat sein oder reicht die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb als Ziel? Dutts größtes Problem könnte aber der diesjährige Erfolg unter Heynckes werden. Der große Erfolg ist überraschend und die Frage, die sich mir stellt ist ob der Kader nicht nächstes Jahr ganz zwangsläufig in ein kleines Loch fallen wird. Es wird interessant sein was Dutt dort erreichen kann.
sabine_franz 21.03.2011
4. Wenns schief geht mit Osram
dann geht mir einer ab. Als Eintracht Frankfurt Fan hatte ich bisher immer Symphatie für die Bayern. Das ist jetzt vorbei. Ich wünsche den Bayern mit Osram alles schlechte. Für mich wäre es schon das größte wenn die nächstes Jahr nicht in die CL kommen (wo doch das Finale in München ist). Heynckes ist der größte Blender und Drecks... im Deutschen Fußball. Frankfurt und auch Gladbach können ein Lied davon singen. Beide haben sich von Heynckes Gastspielen bis heute nicht wieder erholt.
StefanKomarek 21.03.2011
5. Mann der Zukunft?
Zitat von sysopJupp Heynckes verlässt Bayer Leverkusen, jetzt ist für ihn der Weg zum FC Bayern München frei. Der 65-Jährige steht für solide, besonnene*Arbeit.*Ein Mann der Zukunft*wäre er allerdings nicht - der arbeitet künftig für Leverkusen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,752181,00.html
Wann ist man denn ein "Mann der Zukunft"? Die Sportjournalisten loben derzeit die "neue Generation" – Klopp, Dutt, Tuchel oder Rangnick – in den Himmel. Ist das nicht ein bisschen verfrüht? Noch hat keiner von denen bewiesen, dass er auch Nummer-1 kann, dass er weiß, wie ein Siegerpokalt anfühlt. Andererseits werden Magath, van Gaal oder auch Heynckes als Auslaufmodelle gehandelt. Nur, die wissen aus eigener Erfahrung, wie man eine Meisterschale oder einen DFB-Pokal in der Hand hält. Derzeit ist noch nicht entschieden, welche Fraktion die bessere Arbeit leistet. Wenn ich mir aber ansehe, wie locker Klopp letzten Herbst das Ausscheiden aus dem DFB-Pokal und aus der Europa-Liga gesehen hat und wie locker er jetzt mit fünf Punkten Verlust in zwei Spielen auf den Verfolger Leverkusen umgeht, mache ich mir so meine Gedanken. Bei Bayern hätte es jedes Mal einen Aufstand gegeben, Trainer, Mannschaft und Vereinsführung würden sich gegenseitig anzicken. Na und? Gerade diese Mentalität, Niederlagen auf keinen Fall zu dulden und sofort Gegenmaßnahmen zu verlangen, hat dazu geführt, dass Bayern der mit Abstand erfolgreichste deutsche Verein – aller Zeiten – ist. Auch dank Jupp Henyckes: er war schließlich schon fünf Jahre Trainer bei Bayern, zwei Mal Meister, drei Mal Vizemeister. Ich kann Peter Ahrens nur raten, erst mal abzuwarten, bis belastbare Ergebnisse vorlegen, bevor er uns erklärt, was Zukunft und Vergangenheit heißt. Es könnte nämlich durchaus sein, dass Heynckes sich in der nächsten Saison als Meistertrainer und Magath sich als Pokalsieger-Macher bezeichnen darf.
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