VfB-Trainer Stevens "Wir brauchen jeden Tag"

Früher als alle anderen Bundesligisten ist der VfB Stuttgart wieder ins Training eingestiegen. Trainer Huub Stevens weiß, dass viele Versäumnisse der vergangenen Monate aufgeholt werden müssen - und der Verein endlich Ruhe braucht.

DPA

Hamburg - Man sollte meinen, dass es für einen Fußballverein spricht, wenn der eigenen Nachwuchs von anderen Klubs begehrt wird. Wenn am Ende sogar der FC Bayern in den Bieterwettstreit einsteigt und den Zuschlag erhält. Doch beim VfB Stuttgart und seinem jüngst nach München verkauften Mittelfeldtalent Joshua Kimmich scheint das anders zu sein, zumindest wenn man Rani Khedira glaubt, dem Bruder von Weltmeister Sami.

Kimmichs Noch-Teamkollege bei RB Leipzig sagte, der Wechsel sei ein "schlechtes Zeichen für den VfB. Sie hatten die Möglichkeit, ihn zu behalten. Ihn zu verkaufen, ist ein großer Verlust. Er hat eine enorme Qualität und würde dem VfB weiterhelfen".

Stuttgarts Trainer Huub Stevens weiß das genau, er und die sportliche Leitung der Schwaben seien traurig darüber: "Der Spieler will das Höchste, der Berater will das Höchste, die Eltern wollen das Höchste. Dann ist es ganz schwierig, wenn Bayern München kommt, so einen Jungen zurückzuholen", sagte der Niederländer.

Denn das Höchste ist der VfB Stuttgart derzeit nicht, weder sportlich, noch wirtschaftlich. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine große Lücke, finanziell gibt es erhebliche Probleme, der Posten des Sportdirektors ist noch immer nicht besetzt. Zwar steht Robin Dutt als Nachfolger des entlassenen Fredi Bobic angeblich schon fest, doch Vollzug hat der Verein bislang noch nicht melden können.

Erste Trainingseinheit am Samstag

Dem Verein fehlt es aktuell an der nötigen Ruhe, auch deshalb will sich Stevens nicht auch noch mit dieser Personalie befassen müssen. Ihm seien die Spieler und die Vorbereitung das "Allerwichtigste", sagte er: "Wenn es dann eine Unterschrift gibt, dann werde ich mich auch darum kümmern."

Das Allerwichtigste hat Stevens deshalb früher als alle Trainerkollegen in der Bundesliga in Angriff genommen, der 61-Jährige will im Abstiegskampf keine Zeit verlieren. Schon am Samstag bat er seine Profis zur ersten Trainingseinheit. "Wir wollen da unten raus. Deshalb haben wir auch gesagt, wir fangen am Dritten an. Wir brauchen jeden Tag, jedes Training", sagte der Niederländer. Der ganze Verein werde "gefordert sein, damit es ein erfolgreiches Jahr werden kann".

Vor Beginn der Rückrunde am 31. Januar liegt Stuttgart auf dem 15. Tabellenplatz, nur zwei Punkte von den Abstiegsrängen entfernt, und mit Borussia Mönchengladbach wartet gleich ein harter Brocken.

Immerhin konnte Stevens, der mit seinen Fußballern vom 16. bis 24. Januar nach Portugal ins Trainingslager fliegt, beim Auftakt den lange Zeit verletzten Torjäger Vedad Ibisevic wieder begrüßen. Dafür fehlten Gotoku Sakai (Asien Cup), Nationalspieler Antonio Rüdiger, Mohammed Abdellaoue und Alexandru Maxim, die allesamt noch nicht wieder ganz gesund sind. Abdellaoue und Maxim sollen aber schon in den nächsten Tagen wieder mit der Mannschaft trainieren.

Personell will der VfB möglichst noch nachlegen, auf der Wunschliste stehen ein Innenverteidiger, ein Linksverteidiger, ein Sechser und ein Stürmer. Vielleicht ist der Weggang von Kimmich ja zumindest dafür gut.

Die Trainingslager der Bundesligisten im Überblick:
Bayern München: 8. bis 17. Januar in Doha/Katar
VfL Wolfsburg: 11. bis 18. Januar in Kapstadt/Südafrika
Bayer Leverkusen: 8. bis 19. Januar in Orlando/USA
Borussia Mönchengladbach: 8. bis 15. Januar in Belek/Türkei
Schalke 04: 6. bis 16. Januar in Doha/Katar
FC Augsburg: 11. bis 19. Januar in Belek/Türkei
1899 Hoffenheim: 7. bis 17. Januar in Johannesburg/Südafrika
Hannover 96: 11. bis 20. Januar in Belek/Türkei
Eintracht Frankfurt: 13. bis 21. Januar in Abu Dhabi/Vereinigte Arabische Emirate
SC Paderborn: 13. bis 22. Januar in Belek/Türkei
1. FC Köln: 8. bis 18. Januar in Orlando/USA
FSV Mainz 05: 13. bis 20. Januar in Marbella/Spanien
Hertha BSC: 18. bis 24. Januar in Belek/Türkei
Hamburger SV: 11. bis 20. Januar in Dubai/Vereinigte Arabische Emirate
VfB Stuttgart: 16. bis 24. Januar in Lagos/Portugal
Werder Bremen: 6. bis 14. Januar in Belek/Türkei
Borussia Dortmund: 8. bis 16. Januar in La Manga/Spanien
SC Freiburg: 10. bis 19. Januar in Cadiz/Spanien

Mit Material von sid und dpa

insgesamt 11 Beiträge
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maynard_k. 04.01.2015
1. VfB hat gute Hinrunde gespielt
gerade weil das für viele so überraschend ist, sollte das vllt einmal erwähnt werden. Ich habe in den letzten 15 Jahren kaum ein VfB Spiel nicht gesehen und muss sagen, dass das spielerisch eine der besseren Hinrunden war .... zumindest solange Armin Veh sie offensiv hat spielen lassen, gab es fast kein Spiel indem der VfB nicht mehr Spielanteile und Torchancen hatte. Dies zeigt einmal mehr, was für einen elementaren Einfluss die Chancenwertung mittlerweile auf die Platzierungen hat und wie sehr die gestiegene Leistungsdichte in 1. und 2. Liga, mögliche spielerische Vorteile zweitrangig hat werden lassen. Beim BVB scheint es noch extremer gelaufen zu sein (auch wenn ich hier teilweise nur Zusammenfassungen sehen konnte). Die Hinrunde ist rum ein kein Mensch kann sagen, wer in drei Monaten um Platz sechs und gegen den Abstieg kämpft .... das war mal anders.
grätscher 04.01.2015
2.
Köln, Hoffenheim, Augsburg, Schalke und Paderborn zu Hause, Bremen, Berlin und DFB Pokal in Bochum auswärts...ich sehe seit Jahren ebenfalls fast jedes Spiel, oft auch live in den Stadien, mich würde interessieren, wo hier irgendein positives Signal auf eine entspannte Saison von der Mannschaft ausgegangen wäre????
frank_w._abagnale 04.01.2015
3. Ein Belgier im Breisgau.
Stevens Bundesligaerfahrungen als Trainer beschränken sich auf Schalke 04 in den frühen Achtzigern ("Die Null muss gehen."). Danach hat sich der Belgier hauptsächlichen seiner Familie gewidmet. Ob er jetzt weiß, was er sich mit Stuttgart zugemutet hat. Die Badener sind derzeit ein echter Brandherd und ein Puub Stevens kennt das Umfeld am Degerloch nicht. Ich bin da eher pessimistisch... -fwa
geige_die_meinung 04.01.2015
4. Belgier? 80er?
Das Herr Stevens Belgier ist wäre neu aber vielleicht hat er ja die Staatsangehörigkeit gewechselt. Und das Schalke unter Stevens in den frühen 80er UEFA Cup Sieger wurde wusste man bis dato auch nicht. Wenn man keine Ahnung hat einfach mal Klappe halten.
nabitte 04.01.2015
5. Lieber Mr. Abagnale...
Sie müssen sich schon etwas mehr Mühe geben, wenn Sie als Forentroll was erreichen wollen. So viele sachliche Fehler wirken doch arg gewollt.
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