VfB-Niederlage gegen Dortmund Sie können es nicht besser

Bei der Niederlage gegen Borussia Dortmund zeigte der VfB Stuttgart eine deprimierende Leistung. Dass es beim 2:3 nicht an fehlendem Einsatz lag, ist für die tapferen Fans alles andere als tröstlich.

Von , Stuttgart


Die Stuttgarter Fans dokumentierten schon vor dem Anpfiff, dass das Spiel gegen Borussia Dortmund für sie wegweisend sein würde. "Abstiegskampf? Existenzkampf!", stand auf einem Transparent. "Wadenkrampf und Bluterguss statt Selfie-Scheiß im Mannschaftsbus" auf einem anderen.

Doch an der fehlenden Einstellung lag es nicht, dass Stuttgart auch nach dem 22. Spieltag Tabellenletzter sein wird. Der VfB hat dieses Spiel nicht verloren, weil er nicht gekämpft hätte. Er hat es verloren, weil er das Fußballspielen verlernt hat und weil zu viele Fußballer in seinen Reihen sind, deren Qualität nicht für mehr reicht als Abstiegskampf. Das ist schon eine Zumutung für ein Publikum, das jahrzehntelang Mannschaften sah, die für gehobene Fußballkultur standen. Beim 2:3 gegen Dortmund liefen erneut ein halbes Dutzend Spieler auf, die entweder Probleme mit dem Erstligatempo oder mit der Basistechnik haben.

So bot sich nach 90 Minuten wieder das gewohnte Bild vor der Cannstatter Kurve: Spieler, die mit gesenkten Köpfen Abbitte leisteten, ein Stadionsprecher, der zu wissen glaubte, dass beim nächsten Spiel in Hannover alles besser wird. Und die unvermeidlichen Toten Hosen, die davon singen, dass man aufstehen müsse, wenn man am Boden liegt. Doch das ist nicht so einfach, wenn man beim Aufstehen gar nicht weiß, wie man sich aufrecht halten soll.

Ein Tempowechsel der Dortmunder genügt

Schon die defensiven Unzulänglichkeiten des VfB reichen aus, um einer Mannschaft das Genick zu brechen. Beim ersten Dortmunder Treffer genügte ein Tempowechsel, um im Stuttgarter Abwehrzentrum sowohl Daniel Schwaab als auch Timo Baumgartl auf dem falschen Fuß zu erwischen. Beim zweiten Tor schlief Carlos Gruezo und machte den Weg frei für den Pass von Shinji Kagawa auf Ilkay Gündogan. Zwischendurch hatte Florian Klein den Ausgleich erzielt - und dass das per Elfmeter passieren musste, sprach wiederum Bände über das, was in Stuttgart ein strukturiertes Angriffsspiel ersetzt.

Blind nach vorn geholzte Bälle, Fehlpässe in Serie, zu wenige Spieler, die in der gegnerischen Hälfte überhaupt den Ball haben wollten - da nützt es auch nichts, dass Martin Harnik nach der Partie eine Reihe von "Sechs-Punkte-Spielen" ausrief. "Wir wussten, dass wir am Anfang der Rückrunde gegen die schwierigen Gegner spielen. Jetzt müssen wir die nötigen Punkte holen."

Ob mit diesem Trainer oder einem neuen, vermag derzeit niemand zu sagen. Das kommende Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin dürfte allerdings auch für Huub Stevens persönlich wegweisend sein.

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Borussia Dortmund siegt beim VfB: Stuttgarter Statisten

Zumal Aufstellung und taktische Ausrichtung am Freitag wieder die Zweifler auf den Plan gerufen haben. Stevens hatte zwei Stürmer - Harnik und Timo Werner - aufgeboten, in deren Rücken eine Ansammlung von Kämpfern und Defensiv-Denkern absichern sollte. Weder Vedad Ibisevic noch Moritz Leitner oder Alexandru Maxim standen in der Startelf. Da ist es selbst dann schwer, dem BVB spielerisch die Stirn zu bieten, wenn der solch einen halbherzigen Eindruck hinterlässt wie am Freitag.

Versöhnung mit der Fankurve

Man merkte Dortmund trotz des dritten Sieges im dritten Spiel durchaus an, dass das Team sich erst langsam aus einem sehr tiefen Sumpf herauszieht. Aber hatte Stevens unrecht, als er nach dem Spiel ("Sehen Sie, ich trage keine Sandalen, ich bin nicht der Messias") versicherte, dass er "wie jeder Trainer auf der Welt die bestmögliche Mannschaft aufstellen will"? Schließlich zeigten weder Ibisevic noch Leitner nach ihrer Einwechslung, dass sie ihrer Mannschaft weiterhelfen können.

Und auch der Defensiv-Dogmatiker Stevens dürfte seiner Elf nicht verboten haben, sich ohne Ball zu bewegen und in Richtung Ball zu verschieben. Wenn bei jedem zweiten Einwurf wild gestikuliert werden muss, weil wieder keiner anspielbar ist, spricht das Bände.

Nach gut einer Stunde ging dann ein Ruck durch das Stadion - allerdings nur auf den Rängen, wo sich Pfiffe und "Aufwachen"-Rufe abwechselten. Auf dem Platz passierte das Gegenteil: Ausgerechnet Timo Baumgartl, bis dahin der beste Stuttgarter, spielte einen katastrophalen Rückpass - Marco Reus erzielte den dritten und entscheidenden Dortmunder Treffer.

Es folgte eine Art Versöhnung auf Schwäbisch: Die Spieler trauten sich in die Fankurve und diskutierten mit den wütenden Fans, die sie danach mit Applaus verabschiedeten. Der war als Aufmunterung gedacht. Und klang doch eher resigniert. Sie können es halt nicht besser.

VfB Stuttgart - Borussia Dortmund 2:3 (1:2)
0:1 Aubameyang (25.)
1:1 Klein (32., Foulelfmeter)
1:2 Gündogan (39.)
1:3 Reus (89.)
2:3 Niedermeier (90.+1)
Stuttgart: Ulreich - Schwaab (78. Kostic), Baumgartl, Niedermeier, Gotoku Sakai - Serey Dié, Gruezo (56. Leitner) - Klein, Hlousek (72. Ibisevic) - Harnik, Timo Werner
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Sokratis, Schmelzer - Sahin, Gündogan - Kampl (46. Mchitarjan), Kagawa (69. Blaszczykowski), Reus (90. Ginter) - Aubameyang
Schiedsrichter: Aytekin
Zuschauer: 60.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Dié - Kagawa (2), Piszczek (4)

insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
rkinfo 21.02.2015
1. 2:3 gegen erstarkte Dortmunder?
Dortmund ist nun mal deutlich besser als es der Tabellenplatz besagt und wird später im ersten Tabellendrittel enden. Stuttgart kämpft um den Erhalt bis Saisonende ...
stromberg1974 21.02.2015
2. Marco Reus
Reus schoss das dritte Tor für Stuttgart?
sylkeheimlich 21.02.2015
3.
Das beste an der Spiel -Übertragung gabs nach Abpfiff. Ich fand es toll, wie ein Fan den jungen Baumgartl in den Arm nahm und ihn nach seinem Patzer tröstete. Die Fans vom VfB haben sich wirklich positiv verhalten. Ansonsten war das Spiel unterirdisch, Stuttgart war so schlecht, Wahnsinn! Und der BVB hat mMn auch nicht gerade geglänzt bei so einem superschwachen Gegner. Das war gestern keine Werbung für den dt. Fußball.
neu_im_forum 21.02.2015
4. Hart
für den VfB.
merkel123 21.02.2015
5. Absteigen...
muessen jedes Jahr 2 und einer in die Relegation - wenn man die 6 etablierten Bayern, Dortm., Wolfsburg, Schalke, Lev. und Gladbach abzieht, bleiben 12, die ernsthaft gefaehrdet sein koennen - mithin 25 Prozent Wahrscheinlichkeit, unter den letzten 3 zu landen. Da kann jeder den Trainer 4x wechseln, 3 Vereine erwischt es. Und dass Stuttgart dieses Jahr dazugehoert, sieht irgendwie verdient, weil selbst fab
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