Bundesliga-Vorhersage Hertha sucht verbales Miteinander

Haarige Geschichte in Hamburg: Bruno Labbadia und Ralf Rangnick verärgern Kollege Armin Veh. Frankfurt siegt dank eines Übersteigerkünstlers aus Norwegen. Bei Hertha wird nicht trainiert, sondern studiert. Die Highlights des 15. Spieltags bereits vor dem Anpfiff auf SPIEGEL ONLINE.

Enttäuschte Herthaner: Kommunikationsfördernde Hausaufgaben vom Trainer
dpa

Enttäuschte Herthaner: Kommunikationsfördernde Hausaufgaben vom Trainer

Von David von Niklas


Der 15. Spieltag beginnt am Freitagabend mit einem ganz besonderen Leckerbissen: Lothar Matthäus, seit dem zehnten Spieltag Trainer von Borussia Mönchengladbach, trifft auf seinen ehemaligen Arbeitgeber aus München. Einen kleinen Seitenhieb auf Uli Hoeneß kann er sich schon vor dem Spiel nicht verkneifen: "Ich komme nicht, um den Greenkeeper zu machen! Ich will drei Punkte entführen!" Im Spiel bekommt Matthäus dann seine Grenzen aufgezeigt. Der taktische Schachzug, sich selbst als Libero aufzustellen, geht katastrophal nach hinten los. Gomez und Klose nutzen seine konditionellen Unzulänglichkeiten gnadenlos aus. Nach dem überzeugenden 3:0-Sieg der Münchner liegt Uli Hoeneß mit der Eckfahne am Boden und schreit voller Inbrunst "Jaaaaaaaaaaaaaaaaaa" - bis Olli Kahn ihn ablöst.

Am Samstag tritt 1899 Hoffenheim in Hamburg an. Vor dem Spiel unterschreiben die Trainer Bruno Labbadia und Ralf Rangnick bei einem großen deutschen Haarkosmetik-Hersteller einen gutdotierten Werbevertrag. Ein Unternehmenssprecher: "Wir sind froh, die beiden attraktivsten Trainer mit den modischsten Frisuren für unsere Kampagne gewonnen zu haben." Daraufhin schmeißt ein völlig frustrierter Armin Veh in Wolfsburg die Brocken hin - er gehe weiterhin davon aus, "Germany's Next Toptrainer" zu sein. Er sei nicht bereit, sich von dahergelaufenen Trainern die Butter vom Brot nehmen zu lassen und wolle nunmehr sein Glück im Ausland versuchen. Das Spiel in Hamburg endet übrigens 0:0.

In Stuttgart durfte Markus Babbel, vor kurzem noch mit einer Jobgarantie bis zur Winterpause ausgestattet, noch einmal auf dem Transfermarkt zuschlagen. Man war nämlich zu der Erkenntnis gelangt, die Gomez-Millionen wären wohl auf dem Platz doch besser aufgehoben als auf der Bank. Daher wird kurz vor dem Spiel gegen den VfL Bochum die Verpflichtung des Brasilianers Robinho bekanntgegeben. Für den Superstar zahlen die Schwaben 25 Millionen Euro, und erneut greift Bundespräsident Horst Köhler aktiv in das Geschehen der Liga ein: Das Geld für Transferausgaben sei doch wirklich besser in Bildung zu investieren. Endstand im Schwabenland: 0:1, daraufhin erklärt Stuttgart-Manager Horst Heldt: Zum Glück sind es nur noch zwei Spiele bis zur Winterpause.

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15. Bundesliga -Spieltag: Rhein-Main-Derby und Kellerduell
Samstagabend steht das Derby zwischen Eintracht Frankfurt und Mainz 05 auf dem Programm. Eintracht-Trainer Skibbe hatte schon unter der Woche angekündigt, für dieses Duell ungewöhnliche Maßnahmen ergreifen zu wollen. Er sei schließlich nicht der liebe Herr Skibbe. Der Mainzer Trainer Thomas Tuchel konterte jedoch äußerst gelassen: "Solange der liebe Herr Skibbe mir nicht auch den Kiefer bricht, wie er es beim Kollegen Bergmann aus Hannover neulich getan hat, sehe ich der Partie gelassen entgegen!" Michael Skibbe sieht sich daraufhin in die Defensive gedrängt und greift zum letzten Mittel: ein Anruf bei Jan Åge Fjørtoft in Norwegen. Der schafft es dank eines Billigfliegers tatsächlich noch pünktlich zum Anpfiff ins Stadion und erzielt kurz vor Spielende sogar das Siegtor. Unnötig zu erwähnen, dass er dabei den Mainzer Torwart Heinz Müller mit einem fünffachen Übersteiger verlädt.

"Selbstreferenzielle Kommunikationstheorie" statt Abschlusstraining

Am Sonntag spielt der 1. FC Köln gegen Werder Bremen. Nachdem der Kölner Präsident Wolfgang Overath am vergangenen Spieltag Trainer Zvonimir Soldo in der Halbzeitpause entlassen hatte, war man in den vergangenen Tagen fieberhaft auf der Suche nach einem Nachfolger. Mit geringem Erfolg, Peter Neururer war aus unerklärlichen Gründen nicht erreichbar. In anderen Bereichen ist den Rheinländern dagegen mehr Glück vergönnt: Kurz vor dem Spiel entdeckt man - wie schon am fünften Spieltag - ein Ölvorkommen; diesmal allerdings nicht unterm Stadion, sondern unterm Kölner Dom. Wolfgang Overath träumt spontan von der Verpflichtung des gesamten Bremer Zaubermittelfeldes, wird aber vom Papst in seine Schranken gewiesen: Unterm Dom Öl zu fördern, käme Blasphemie gleich. Endstand der Partie: 0:0.

Zum Abschluss des Spieltags empfängt der FC Schalke 04 die Hertha aus Berlin. Um dem in letzter Zeit oftmals bemühten Vergleich mit Tasmania Berlin entgegenzuwirken, hatte sich Gästetrainer Friedhelm Funkel eine neue Trainingsmethode überlegt. Statt des sonst üblichen Abschlusstrainings wollte er seine Mannschaft im Bereich "Kommunikation" besonders schulen. Denn er hatte in den vergangenen Wochen festgestellt, dass der einzige Grund für den Absturz der Hertha das fehlende verbale Miteinander auf dem Platz sei. Darum gab er seinen Spielern als Hausaufgabe, im Internet über den Begriff "selbstreferenzielle Kommunikationstheorie" zu forschen. Arne Friedrich kündigt daraufhin seinen Vertrag fristlos, er sei Profifußballer und kein Pseudointellektueller. Ohne den Kapitän verliert die Hertha auf Schalke 0:2, beide Tore erzielt Jefferson Farfán.

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Matyaz 04.08.2009
1. Was für eine gewagte Prognose!
Tolle Prognose: man nehme alle Aufsteiger sowie die 2 schlechtplatziertesten Bundeligisten der letzten Saison, die noch die Klasse halten konnten -und komplett sind die Abstiegskandidaten. Dass Nürnberg und Freiburg eingespielte und spielstarke Mannschaften sind bleibt da ebenso unberücksichtigt wie der stattliche Gladbacher Etat, der immer noch den ein oder anderen Noteinkauf zulässt, sollte es brenzlig werden. Meiner Meinung nach werden neben Mainz und Bochum eher Vereine wie Hannover,Frankfurt, Köln oder gar Berlin erhebliche Probleme mit dem Klassenerhalt haben.
frubi 04.08.2009
2.
Zitat von MatyazTolle Prognose: man nehme alle Aufsteiger sowie die 2 schlechtplatziertesten Bundeligisten der letzten Saison, die noch die Klasse halten konnten -und komplett sind die Abstiegskandidaten. Dass Nürnberg und Freiburg eingespielte und spielstarke Mannschaften sind bleibt da ebenso unberücksichtigt wie der stattliche Gladbacher Etat, der immer noch den ein oder anderen Noteinkauf zulässt, sollte es brenzlig werden. Meiner Meinung nach werden neben Mainz und Bochum eher Vereine wie Hannover,Frankfurt, Köln oder gar Berlin erhebliche Probleme mit dem Klassenerhalt haben.
Frankfurt und Hannover sind bei mir auch die ersten Kandidaten für eine Trainerentlassung. Ich hoffe zwar, dass so viele Trainer wie möglich im Amt bleiben aber man kennt ja das beliebte Trainerhopping. Skibbe und Hecking sind definitv die schwächsten Trainer. Viele schwerer ist die Frage: Wer wird der neue "Spieler der Saison"?? Wenn Carlos Eduardo seinen Nerven ein bisschen besser im Griff hat könnte er den Platz von Diego einnehmen. Özil könnte ebenfalls einschlagen. Aber ansonsten fällt mir aussser Ribery keiner mehr ein, der dieses Jahr richtig einschlagen könnte. Spannend wird der Kampf um die Plätze zur WM 2010. Für mich stehen bisher nur 5-7 Spieler fest. Der Rest kann sich noch Grundlegend ändern. Wie entwickeln sich unsere U21 Europameister? Werden Marin und Özil das neue Mittelfeld-Traumpaar?
yoshitsune 04.08.2009
3. SGE wird nicht absteigen
Ich glaube kaum, dass die Eintracht absteigen wird. Der Derby-Pokal-Erfolg wird fuer genuegend Aufwind bis zum Ende der Saison reichen. Wobei man aber ja auch aus leidvoller Erfahrung weiss, dass eine stark beginnende Eintracht meistens zum Ende der Saison zum Katastrophalen tendiert. Sagte der Eintracht-Fan. ;-)
Tail on the Donkey 04.08.2009
4.
Tja, da kann ich mir meinen Beitrag ja fast sparen: Hannover, Frankfurt und Köln sind auch bei mir ganz heiße Kandidaten auf einen Ausflug in die Zweitklassigkeit. Was Mainz angeht, nun, da scheinen Prognosen selbst von 12 Uhr bis Mittag zu weit gegriffen, zwischen gesichertem Mittelfeld und "am 11.11. bereits rechnerisch abgestiegen" erscheint alles möglich. Bochum seh ich auch stark gefährdet, Nürnberg und Freiburg haben dagegen das Potenzial, mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Da die Saison ja nun unmittelbar vor der Tür steht und die wesentlichen Transferentscheidungen durch sein dürften, könnte sich das Ganze am Ende so darstellen: 1. München (akzeptabler Start, in der Rückrunde nicht zu stoppen) 2. Hamburg (es kommen leichtere Aufgaben als Düsseldorf) 3. Stuttgart (die Osteuropa-Fraktion schlägt voll ein) 4. Bremen (Wundertüte, allerdings diesmal mit direkter int. Quali) 5. Dortmund (auf dem Weg nach oben) 6. Wolfsburg (Niveau der letzten Saison kann nicht ganz gehalten werden) 7. Schalke (Altintop schießt zu viele Freistöße) 8. Leverkusen (kann ehrlich gesagt auch 2ter werden) 9. Hoffenheim (kennt die eigentlich noch jemand? Und was ist Rangnick?) 10. Nürnberg (die spielen einen tollen Kombinationsfußball) 11. Berlin (mehr ist kaum drin) 12. Gladbach (die Verstärkungen sehen auf den ersten Blick tauglich aus) 13. Freiburg (gemeinsam mit Nürnberg auf jeden Fall Buli-tauglich) 14. Frankfurt (hier wirds dagegen ganz eng) 15. Köln (Poldi wird sogar einschlagen, am Rest allerdings haperts) 16. Mainz (irgendwas von 14-18, Tendenz Abstiegskampf pur) 17. Hannover (ich hab da ne verdammt miese Saison im Urin) 18. Bochum (die Unabsteigbaren sind mal wieder dran) Irrtümer um 1-2 Positionen nicht ausgeschlossen, allerdings sei der Kreis der Titelanwärter mit den ersten 2, der int. Plätze mit einschließlich Wolfsburg + Leverkusen und der Abstiegskandidaten ab Frankfurt umrissen. Und jetz wird's Zeit, dass' endlich wieder los geht! :-)
Toradac 04.08.2009
5. In erster Linie erwarte ich...
Zitat von sysopMission Titelverteidigung in Wolfsburg, das Magath-System auf Schalke und die verstärkten Bayern: Was erwarten Sie von der neuen Bundesliga-Saison? Wer holt den Titel? Wer steigt ab? Diskutieren Sie mit.
...eine spannende Saison, auch wenn mir klar ist, daß die letzte kaum zu wiederholen sein wird. Titelfavoriten sind für mich der FC Bayern (schon fast ein Naturgesetz), der Vfl Wolfsburg (der es geschafft hat, seine Meistermannschaft zusammenzuhalten und sogar noch zu verstärken), der Hamburger SV (der m.E. gut eingekauft hat) sowie eine Überraschungsmannschaft (könnte in diesem Jahr Leverkusen oder Werder Bremen sein). Um die internationalen Startplätze kämpfen außerdem noch der VfB Stuttgart, Schalke (wenn Magath einschlägt), Hoffenheim und vielleicht auch noch Borussia Dortmund. Die "Weder-Fisch-noch-Fleisch-Franktion", bei der nach oben nichts geht und die mit dem Abstieg nicht viel zu tun haben, besteht aus Köln, Hertha, Nürnberg und Frankfurt. Außer Nürnberg (die ich für sehr spielstark halte) haben naturgemäß die Aufsteiger die größten Probleme, den Abstieg zu verhindern, bei Mainz wird es durch den gestrigen Trainerwechsel noch verschlimmert, Freiburg schätze ich etwas stärker ein, aber auch die müssen sich strecken. Auf Hannover und den Vfl Bochum kommt eine ganz schwere Saison zu, beide müssen ebenfalls bis zum Ende zittern. Am wenigsten kann ich in dieser Saison Mönchengladbach einschätzen, entweder früh im gesicherten Mittelfeld oder aber auch kämpfen bis zum Schluß um den Klassenerhalt. Lassen wir uns überraschen - Freitag geht's endlich wieder los!
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