Deutsche Meisterschaft 2016 Warum eigentlich nicht Bayer? (ohne n!)

Die Meisterschaft ist schon vor Beginn der Bundesligasaison entschieden. An den Bayern kommt doch eh keiner vorbei. Gääähn - Moment! Ein Klub könnte den Münchnern diesmal wirklich gefährlich werden.

Offensivspieler Son, Calhanoglu: Mit Tempo zum Erfolg
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Offensivspieler Son, Calhanoglu: Mit Tempo zum Erfolg

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Über die Bayern müssen wir nicht reden. Über den VfL Wolfsburg an sich auch nicht. Meister und Vizemeister der Vorsaison sind die Favoriten auch für die kommende Spielzeit. Dazu bedarf es keiner großen Prophetie. Das ist der Hochadel der Liga, infrastrukturell, ökonomisch, sportlich vollgesogen.

Reden wir über einen anderen Klub, dem nicht das Image des natürlichen Titelanwärters anheftet. Eher das Etikett des Glücklosen, der Chancentod der Liga, eines Vereins, der es regelmäßig verbockt, wenn es darauf ankommt.

Reden wir also über Bayer Leverkusen.

Es ist das Team, das es in dieser Spielzeit schaffen müsste, über den eigenen Schatten zu springen. Bayer wäre jetzt so weit, die Bayern herauszufordern. Die Mannschaft, das Umfeld, sie bringen alles Erforderliche mit. Sie müssen sich nur trauen.

Roger Schmidt startet jetzt mit dem Feintuning

Bayer Leverkusen hat

  • den, neben Bayern-Keeper Manuel Neuer, besten deutschen Torwart: Bernd Leno,
  • das vielleicht laufstärkste und einsatzfreudigste defensive Mittelfeld: Christoph Kramer und Lars Bender,
  • herausragende junge Spieler im Überfluss, die die Schwelle vom Talent zum Profi hinter sich gelassen haben: Julian Brandt, Hakan Calhanoglu, Karim Bellarabi, Jonathan Tah.

Dazu kommt auch noch der chilenische Nationalspieler Charles Aranguiz fürs Mittelfeld, ein Mann, hinter dem Bayer seit Mo-na-ten herjagte und der dem Klub gut elf Millionen Euro Ablöse wert ist.

Jungstar Julian Brandt: Als "Newcomer der Saison" ausgezeichnet
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Und die Mannschaft hat einen Trainer, der sie im zweiten Jahr noch viel stärker auf seine Art des Tempofußballs einzustimmen in der Lage ist. Unter Roger Schmidt hat Bayer die Attribute "jung und wild" verpasst bekommen. Das Team ist jetzt noch jünger geworden, es kann von daher vermutlich noch mehr Tempo geben als in der Vorsaison. Gleichzeitig aber hat Schmidt jetzt mehr Zeit, das Wilde, das gerade in der Hinrunde auch das Unkontrollierte, das Überhastete war, zu domestizieren. Ohne es seinen Spielern damit auszutreiben.

Wie gut das funktionieren kann, hat die Rückrunde schon über weite Strecken gezeigt. Bayer beendete die Serie mit nur einem Punkt hinter den Bayern, nur zwei Zähler hinter Wolfsburg.

Kießling hat immer noch seinen Wert

Auch die Vorsaison hat gezeigt: Wer ein echtes Spitzenteam sein will, braucht Spieler, die Tore machen, und zwar mehr als die Anderen. Bayern ohne Robert Lewandowski und Wolfsburg ohne Bas Dost hätte immer noch große Qualität, aber sie hätten vermutlich auch erheblich weniger Partien gewonnen. Und Borussia Dortmund umgekehrt erheblich mehr.

Der Torjäger hat sein Image gewandelt, aber er wird noch gebraucht. Und deswegen hat Stefan Kießling, der Bayer-Tormacher des vergangenen Jahrzehnts, auch immer noch seinen Platz und seinen Wert. Einer muss all die Anspiele, die Kombinationen auch abschließen. Kießling hat das immer gekonnt, für Leverkusen allein 122 Mal in 286 Ligaspielen. Und die Sekundanten Heung-Min Son (41 Bundesligatore) und Admir Mehmedi (16) sind ja auch noch da.

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Bundesliga-Prognose: Warum nicht Bayer(n)?
Gegen den ganz großen Wurf spricht, dass Bayer Erfahrung abgegeben hat: Simon Rolfes, der langjährige Kapitän, hat seine Karriere beendet, Gonzalo Castro sucht nach einem Bayer-Jahrzehnt beim BVB neue Ufer, mit Emir Spahic ist der böse Bube zum HSV gegangen, der aber auch die Abwehr stabilisiert hat. Das Durchschnittsalter des Teams liegt jetzt bei unter 24 Jahren. Das kann eine Gefahr sein.

Andererseits ist der Fußball, der Schmidt vorschwebt, so rasant, so auf Laufspiel ausgerichtet, mit jungen Spielern ideal umzusetzen. Ein Christoph Kramer mit seinen 24 Jahren, der jedem Grashalm des Spielfeldes während der 90 Minuten einmal guten Tag sagt, ist daher so etwas wie ein Schlüsseltransfer.

All das wird flankiert von einem ruhigen medialen Umfeld, von einer Vereinsspitze, die relativ geräuschlos arbeitet, einem Konzern, der dem Klub den Rücken freihält. Es spricht so viel für die Qualität von Bayer, zuweilen hat man nur das Gefühl, der Verein hat das selbst noch nicht realisiert.

Noch immer wird, ob von Sportdirektor Rudi Völler oder von Schmidt, die Schallplatte der Bescheidenheit abgespielt. Auch jetzt heißt es wieder, man sehe sich "im Schatten der Verfolger, in der Gruppe hinter den Bayern". Angesichts des Potenzials, das hier vorhanden ist, wäre es Zeit, die Zurückhaltung, das Phlegma aufzugeben.

Der verletzte Innenverteidiger Ömar Toprak, mit 26 Jahren mittlerweile fast einer der Senioren in der Mannschaft, hat gesagt: "Wir sind weiter als im Vorjahr." Er meinte dabei allerdings vor allem die Fitness des Teams. Den Schritt, auch mental weiter zu sein, muss Bayer noch gehen. Dann hat diese Saison einen dritten Titelfavoriten.

insgesamt 101 Beiträge
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breisig 13.08.2015
1. bayer,
jaja, jede Saison der Geheimtipp, um genau dann abzuschmieren wenns drauf ankommt. ich bin jetzt 39 und gehe jede wette ein, dass ich eine Leverkusener Meisterschaft nicht mehr erleben werde.
egal 13.08.2015
2. Nur 1 Wort;
Vizekusen
v.ikpeba 13.08.2015
3. Schon mal was von Vizekusen gehört?
Gladbach, Dortmund und Wolfsburg sind allesamt stärker als Leverkusen einzuschätzen. Die Bayer-Elf wird um Platz 4 kämpfen, mehr nicht.
ftb7 13.08.2015
4. Mit einem Wort...
...Vizekusen!
-volver- 13.08.2015
5. :-)
Leverkusen? naja...
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