Drei Thesen zur Bundesliga Davie Selke ist der beste deutsche Stürmer

Herthas Davie Selke ist 2019 an mehr Toren beteiligt als Robert Lewandowski oder Timo Werner, doch für die Nationalelf ist er eigentlich kein Thema. Und Werders einzige Hoffnung auf Europa heißt Max Kruse.

Davie Selke
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Davie Selke

Von Tobias Escher


1. Hertha ist nur gegen Spitzenteams ein Spitzenteam

Herthas 3:0-Erfolg bei Borussia Mönchengladbach in der vergangenen Woche beflügelte die Fantasie der Fans: Keine andere Bundesliga-Mannschaft weist eine derart gute Bilanz gegen die aktuell besten drei der Liga auf: vier Spiele, zehn Punkte, 10:6 Tore. Herthas Traum von Europa schien plötzlich ganz nah.

Doch um den Traum zu verwirklichen, braucht Hertha mehr als nur Siege gegen die Spitzenteams der Liga. Die Berliner müssen auch die direkte Konkurrenz schlagen. Hier hakt es: Acht Punkte holten sie in den acht Partien gegen die direkte Konkurrenz auf den Rängen vier bis zehn. Erst ein Sieg gelang Hertha gegen einen Tabellen-Nachbarn, beim 1:0-Erfolg gegen Eintracht Frankfurt.

Bremens später Ausgleichstreffer beim 1:1 mag glücklich gewesen sein. Er passt jedoch zu Herthas Saison. Die Berliner brillieren, wenn sie aus einer kompakten Defensive schnellen Konterfußball spielen können. Je stärker der Gegner, umso besser funktioniert diese Idee. Werder legte Hertha zwar über weite Strecken lahm. Doch auch eigene offensive Akzente setzte das Team nach der Pause kaum mehr.

2. Ohne Max Kruse wäre Werder Bremen ein Abstiegskandidat

Mit Maximilian Eggestein verfügt Werder über einen defensiv wie offensiv starken Achter, Torhüter Jiri Pavlenka gehört zu den stärksten seiner Zunft, und auch Rechtsverteidiger Gebre Selassie wäre bei vielen Bundesligisten Stammspieler.

Max Kruse
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Max Kruse

Kruse ist aus einem anderen Grund unverzichtbar: Er versteht wie kein zweiter Werderaner die Spielidee des Trainers. Dominanten Ballbesitzfußball möchte Bremens Coach Florian Kohfeldt sehen, mit feinen Ballstafetten soll sein Team gegnerische Defensivreihen aushebeln. Kruse ist für diesen Plan unverzichtbar: Er ist technisch besser als seine Mitspieler, spielt die entscheidenden Pässe und lenkt den Rhythmus seines Teams.

Die Partie gegen Hertha bewies, welche großen Probleme Bremen im Spielaufbau hat, sobald Kruse aus dem Spiel genommen wird. Berlins Fünferkette fokussierte sich auf Bremens Kapitän, ein Berliner folgte ihm stets auf dem Fuß. Kruse musste weit in die eigene Hälfte zurückweichen, um Bälle zu erhalten. Ohne den Kapitän fand Werder keinen Weg vorbei an Herthas Abwehr-Bollwerk.

Kohfeldt musste einen Weg finden, damit sein Star wieder mehr Pässe in die Spitze spielen konnte - und stellte ihn in der zweiten Hälfte auf den linken Flügel. Ohne Kruse funktioniert Kohfeldts gesamte Spielidee nicht. Das macht Werder abhängig von seinem Star - und auch ein Stück weit ausrechenbar.

3. Davie Selke ist aktuell der stärkste deutsche Mittelstürmer

Der Bundesliga-Stürmer mit den meisten Torbeteiligungen im Jahr 2019 heißt nicht etwa Robert Lewandowski, Timo Werner oder Paco Alcácer. Er heißt Davie Selke. Vier Tore bereitete der Berliner Mittelstürmer vor, zwei erzielte er selbst, eins davon beim 1:1 gegen Werder Bremen. Selke dreht im neuen Jahr auf.

Davie Selke (rechts) trifft zur Führung
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Davie Selke (rechts) trifft zur Führung

Was ihn auszeichnet? Der 24-Jährige profitiert vom Berliner Spielsystem. Er ist der ideale Konterstürmer. Der schnelle Angreifer lauert am Rande des Abseits und hat ein gutes Timing beim Sprint hinter die Abwehr. Genau diese Rolle wird im Berliner System aktuell benötigt. Wenn Selke mit Tempo hinter die Abwehr startet, ist er kaum aufzuhalten.

Selke profitiert auch von seinen Teamkollegen. Das Zusammenspiel mit Ondrej Duda und Salomon Kalou funktioniert exzellent. Sie sind ein wesentlicher Faktor dafür, dass Selke derzeit aufblüht. Es wäre daher vermessen, Selke als Stürmer für die Nationalmannschaft zu empfehlen, zumal Joachim Löw keinen Konterstil bevorzugt wie Dardai.

Ein Lob hat sich Selke dennoch verdient: Im Moment ist keiner besser.



insgesamt 9 Beiträge
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Plasmagreen 17.02.2019
1. Werder
SPON und seine Kompetenz in Fußball-Fragen... Werder ohne Kruse ein Abstiegskandidat, das ist einfach lächerlich. Zweifellos ist Kruse ein wichtiger Spieler, aber auch ohne ihn hätte Werder diese Saison nichts mit dem Abstieg zu tun. Dafür haben die Bremer eine zu gute Mannschaft und einen zu cleveren Trainer. Eine solche These anhand eines (!) Spiels aufzustellen, welches tatsächlich kein gutes war, ist mehr als steil.
inge-p.1 17.02.2019
2. Ob das auch für die SPIX Wertun reicht, werden wir morgen sehen.
Davie Selke, ist der "beste Sürmer der Bundesliga". Aber hinter den sieben Bergen, im Land der Könige Rummenigge und Hoeneß, da gibt es den Robert Lewandowski, der ist der "beste Stürmer der Welt"! Schade, David Selbe! Aber trotzdem meine Gratulation für das durchaus sehenswerte Spiel gegen Bremen.
Alter Falter 17.02.2019
3.
Selke wird nächste Saison für die Bayern spielen, da bin ich mir sehr sicher.
jk1! 17.02.2019
4. Haha
wieviele Spiele hat es 2019 schon gegeben? Der Hype wird immer kurzfristiger. In der Hinrunde waren es bei Alcacer wenigstens noch 10 Tore. Selke hat gerade mal drei Tore in der ganzen Saison gemacht!!! Noch etwas fachliches - mal hingeschaut, über welch mangelhafte Schusstechnik der Mann verfügt?
Galluss 17.02.2019
5. Flexibilität, H. Kohfeldt.
"Berlins Fünferkette fokussierte sich auf Bremens Kapitän, ein Berliner folgte ihm stets auf dem Fuß. Kruse musste weit in die eigene Hälfte zurückweichen, um Bälle zu erhalten." Das letztere (Rückweichen nach hinten) hätte nicht passieren dürfen. Was hätte Otto gemacht? Er hätte Max Krause auf die linke Seite verfrachtet und dort das grosse Showlaufen beginnen lassen. In die offenen Räume wäre von rechts Johannes Eggestein vorgestossen, der Pizarro als Mittelstürmer bedient hätte. Ihn nach hinten abgesichert hätte sein Brüder Maximilian. Die Mannschaft müsste natürlich auf diese Finte vorbereitet sein.
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