Kommentar zur Bundesligarückrunde Arme Bayern-Fans

Die Bayern werden wieder Meister - so weit, so langweilig. Dahinter wird es aber spannend: Die halbe Bundesliga zittert vor dem Abstieg, der Rest hofft auf den Europapokal. Was für eine herrliche Ausgangslage.
Anhänger des FC Bayern: 17 Partien mit Testspielcharakter

Anhänger des FC Bayern: 17 Partien mit Testspielcharakter

Foto: imago

Abstieg, Europa League, Champions League: Die Fans von 17 Vereinen können ab heute wieder hoffen, bangen und zittern, viele sicherlich bis zum letzten Spieltag am 23. Mai. Heute beginnt mit dem Spiel zwischen Wolfsburg und Bayern München die Rückrunde - und es dürfte eine der spannendsten in der Bundesligageschichte werden.

Nur nicht für die Bayern-Anhänger. Die erwartet vier Monate Langeweile.

Bei elf Punkten Vorsprung auf Platz zwei und vor allem aufgrund der Münchner Dominanz in der Hinrunde wird wohl niemand mehr daran zweifeln, dass die Bayern wieder Meister werden. Trainer Josep Guardiola wird seinen Stars in der Bundesliga regelmäßig Pausen gönnen für das ganz große Ziel: den Gewinn der Champions League.

Bayern-Fans dürfen sich national auf 17 Partien mit Testspielcharakter freuen. Für viele andere Klubs werden es 17 Partien mit Finalcharakter.

Allein dieser irre Abstiegskampf. Die halbe Liga zittert, den Tabellenzehnten Paderborn und den Letzten Freiburg trennen gerade einmal vier Punkte. Während man diese beiden Klubs durchaus unten erwarten konnte, stehen drei andere unter besonderer Beobachtung.

  • Borussia Dortmund
    Nur vier Siege in 17 Spielen, 15 Punkte, Platz 17: Der BVB erlebte einen Absturz, wie ihn die Bundesliga seit Jahrzehnten nicht gesehen hat. Die Frage ist, ob Dortmund die Hinrunde tatsächlich aufgearbeitet hat. Trainer Jürgen Klopp behauptete im Winter-Trainingslager, der Klub selbst habe nicht allzu viele Fehler gemacht. Nun ja.

  • VfB Stuttgart
    Als Armin Veh im Sommer zum VfB zurückkehrte, schwelgten die Fans in Erinnerungen, schließlich hatte dieser Trainer die Stuttgarter 2007 zur Meisterschaft geführt. Ein halbes Jahr später ist Veh längst weg und wieder einmal versucht Huub Stevens, einen Bundesligisten vor dem Abstieg zu retten. Dürfte schwierig werden.

  • Hamburger SV
    Etliche Millionen hatte der HSV vor der Saison für die Offensive ausgegeben. Das Resultat sind neun Tore in 17 Spielen. Nur Hamburgs starke Defensive (viertbeste der Liga) verhinderte, dass der Klub die Winterpause auf einem Abstiegsplatz verbrachte. Trifft der HSV aber auch in der Rückrunde das gegnerische Tor kaum, wird er dieses Mal wohl wirklich zum ersten Mal absteigen.

Was es vor dem Rückrundenstart nicht gibt, ist ein Tabellen-Mittelfeld. Die Abstiegs- und die Europapokalzone liegen direkt beieinander, die Grenze verläuft zwischen Platz zehn und neun. Während Paderborn als Zehnter mit 19 Punkten nach unten schauen muss, wird Eintracht Frankfurt als Neunter mit 23 Punkten kaum mehr etwas mit dem Abstieg zu tun haben.

Das Rennen um die Champions League beginnt mit einem Platz, der noch nicht einmal zur Teilnahme an der Europa League berechtigt: Rang sieben. Den belegt 1899 Hoffenheim, die TSG trennen nur zwei Punkte vom Dritten Leverkusen. Mittendrin der FC Augsburg, nur ein Punkt hinter einem Champions-League-Platz. Augsburg! Champions League!

Und wer glaubt, der Tabellenzweite Wolfsburg sei aufgrund von sieben Punkten Vorsprung auf Platz drei schon durch, der möge am 7. Februar nochmal einen Blick auf die Tabelle werfen. Bis dahin wird der VfL gegen die Bayern, Frankfurt, Hoffenheim und Leverkusen gespielt haben - und hat dann womöglich gar keinen so komfortablen Vorsprung mehr.

Abstieg, Europa und Champions League: Die Bayern können sich das Treiben an 17 Spieltagen nur von oben anschauen. Wie langweilig!