Bundesliga-Wechselstimmung Mach's noch einmal

Rangnick zurück auf Schalke, Magath wieder in Wolfsburg, Heynckes vor der Heimkehr nach München: Die Bundesliga setzt derzeit auf Bewährtes und verzichtet auf mutige Lösungen - dabei garantiert die Rückkehr der Trainer auf ihre alten Jobs längst keinen Erfolg.

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Was kommt als nächstes? Dortmunds Jürgen Klopp könnte zu Mainz 05 zurückkehren. Den frei werdenden Trainerstuhl in Dortmund würde der dortige Ex-Trainer Michael Skibbe, derzeit noch in Frankfurt, einnehmen. In Frankfurt wird er durch den ehemaligen Eintracht-Coach Friedhelm Funkel ersetzt. Dessen gegenwärtiger Arbeitgeber VfL Bochum könnte dann endlich wieder auf Peter Neururer zurückgreifen.

Bei der Retro-Welle, die die Bundesliga in der Trainerfrage derzeit erfasst, scheint mittlerweile alles möglich.

In Wolfsburg und auf Schalke kehren mit Felix Magath und Ralf Rangnick in dieser Woche ehemalige Coaches an ihre alten Arbeitsstätten zurück. Beim FC Bayern München weist viel darauf hin, dass Jupp Heynckes wieder Trainer wird - es wäre damit das dritte Mal nach 1987 und 2009, dass der heute 65-jährige Coach von Bayer Leverkusen an der Säbener Straße das Sagen hat. Ehrenpräsident Franz Beckenbauer hat ihn bereits "eine gute Wahl" genannt und den Weg geebnet.

Experimente sind nicht mehr gefragt

Der Rückgriff auf bewährte Lösungen sendet ein klares Signal aus: Die Vorstände und Aufsichtsräte haben erst einmal genug von Experimenten auf der Trainerposition. Schalke, Wolfsburg und München sind in den vergangenen Jahren mutige Wege gegangen: Schalke hatte mit Fred Rutten zunächst einen Bundesliga-Neuling aus den Niederlanden verpflichtet, um anschließend mit Magath den Versuch zu unternehmen, den Club auf brachiale Art nach vorn zu bringen. Der FC Bayern vertraute zunächst Jürgen Klinsmann und holte dann den als schwierig bekannten Louis van Gaal. Wolfsburg leistete sich mit Steve McClaren den ersten englischen Coach in der Liga. Alle drei Clubs sind damit letztlich nicht glücklich geworden.

Jetzt spielen die Vereine lieber das kleine Karo. Rangnick ist zweifellos ein ambitionierter Fußballlehrer - ob er Champions-League-Niveau hat, muss er erst beweisen. Und Wolfsburg versucht, mit der naheliegenden Option des alten Meistermachers, Geschichte zu wiederholen.

Auch bei den Bayern wäre die Personalie Heynckes ein reines Bekenntnis zum Bewährten. Van Gaal hat schon in jenem stürmischen Herbst 2009, als der Niederländer, gerade im Amt, schon wieder kurz vor der Trennung stand, gefragt: "Wer soll mir denn nachfolgen? Wer könnte das sein?" Und brachte internationale Spitzenkräfte wie den englischen Nationaltrainer Fabio Capello oder Manchesters Alex Ferguson ins Gespräch. Mit der klaren selbstbewussten Botschaft: Nach einem van Gaal kann nur ein internationaler Topmann kommen, wenn er dem Niederländer gleichkommen will. Mit Heynckes hätten die Bayern zumindest einen Trainer, der wie van Gaal auch schon einmal die Champions League gewonnen hat - 1998 mit Real Madrid. Von daher würde der Niederländer ihn wohl generös auf Augenhöhe einordnen.

Personalie Heynckes auch ein Zeichen der Bescheidenheit

Dennoch ist Heynckes keiner, mit dem ein nachhaltiger Zukunftsentwurf in München gemacht werden könnte. Vielmehr ein Mitglied aus der Bayern-Familie. Nach all den Streitigkeiten mit van Gaal scheint die Sehnsucht nach Harmonie bei Präsident Uli Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge größer zu sein als der sportliche Ehrgeiz. Die Verpflichtung von Heynckes ist auch ein Zeichen, sich in der Reihung der europäischen Topvereine ein Stück weiter hinten anzustellen.

Mit dem Wechsel von Heynckes wäre Bayer Leverkusen gefordert, einen neuen Coach zu suchen - und man glaubt, ihn in dem Freiburger Robin Dutt bereits gefunden zu haben. Wenn Dutt zu Bayer wechselt, wäre der SC Freiburg der nächste, der einen Posten zu vergeben hätte. Der Hamburger SV ist auch noch unschlüssig, ob er mit dem noch relativ unerfahrenen Michael Oenning weiterplant. Wobei der HSV ohnehin immer und in allem unschlüssig ist. Dass der Niederländer Martin Jol gelegentlich als möglicher HSV-Trainer der kommenden Saison im Gespräch ist, würde ins Bild passen: Er wäre der nächste Heimkehrer. Das letzte Wort spricht hier jedoch wohl der neue starke Mann, Sportdirektor Frank Arnesen. Der Däne soll seinen Landsmann Morten Olsen favorisieren.

Van Gaal: "Die Welt ist verrückt"

Selten war der Trainermarkt so nervös wie in diesen Wochen. Was vor allem daran liegt, dass zahlreiche der gesetzten Bundesligaclubs ihre gesteckten Saisonziele nicht erreicht haben und sich zum Aktionismus gezwungen sehen. Stuttgart, Wolfsburg, München, Hamburg gehören dazu - Werder Bremen theoretisch auch, aber dort bestimmt offenbar Thomas Schaaf allein, wann es ihm nach nunmehr elf Jahren als Werder-Trainer reicht.

Bremen wird gerne als das wohltuende Gegenbild zur Trainerhektik der Liga gepriesen. Der Punkt, dass Ruhe und Beharrlichkeit als Tugend in Untätigkeit und Starre umschlagen, ist in Bremen allerdings gefährlich nahe. Ein Trainerwechsel ist schließlich nicht grundsätzlich etwas Schlechtes. Manchmal kann das beharrliche Festhalten am Coach genau die falsche Option sein - das zeigt das Beispiel 1. FC Köln, wo die Verantwortlichen auch noch zu Zvonimir Soldo standen, als es schon fast zu spät war. Für Borussia Mönchengladbach scheint der Wechsel von Michael Frontzeck zu Lucien Favre zu spät gekommen zu sein.

"Die Welt ist verrückt", hat der scheidende Bayern-Coach van Gaal den rasanten Wechsel Magaths von Schalke zu Wolfsburg kommentiert. Der Niederländer weiß sehr gut, wie das ist, zu einem Club zurückzukehren, bei dem man Erfolg hatte. 2002 übernahm er noch einmal die Verantwortung beim FC Barcelona, mit dem er zuvor bereits zweimal spanischer Meister und einmal Pokalsieger geworden war.

Ein halbes Jahr später wurde er wegen Erfolglosigkeit abgelöst.

insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
reflexxion 19.03.2011
1. Hauptsache van Gaal ist weg
Man hätte ihn sofort feuern sollen, vor dem CL Debakel
Bee1976 19.03.2011
2. Erfolg
kann kein Trainer dieser Welt garantieren, egal ob alt oder neu. Erfolg kommt nur durch eine Kombination mit vielen Faktoren: Spieler, Trainer, Umfeld, Geld, Transfers. Ein Millionenstar muss nicht zwingend einschlagen, hier Spielen Trainer, Umfeld Manschaftsgefüge eine wichtige Rolle. Nehmen wir Schalke 04 als Bsp, diese Saison zu Begin 4 mal am Stück verloren, warum darüber kann man sich streiten, die unberechtige Karte Höwedes, Schiri Fehlentscheidungen, etc. Das gab Unruhe im Umfeld, namentlich die Pseudofans und von diesem Start hatte sich Schalke nie erholt, die ganze Saison nicht. Jetzt spielen die Profis nurnoch im Pokal und der CL am Limit, warum sollte man sich auch in der Buli noch bemuehen ? Ob Platz 8 oder 12 macht keinen nennenswerten Unterschied, anders sähe es sicher aus wenn man nicht Fehlstart bedingt unten rumdümpeln würde. Bei vielen Trainern weiss man was sie können, und was einen erwartet, egal ob bei Heynckes, Magath, Ragnick, etc. Ob sie am ende erfolg haben kommt drauf an obs passt. Schalke wird erst dann Nachhaltigen Erfolg haben, wenn sich im Umfeld, im Vorstand und im Selbstverständnis etwas ändert, bis dahin werden Erfolge Eintagsfliegen bleiben (leider) In einem Punkt muss ich dem autor jedoch wiedersprechen, ich wette die Bayern versuchen gerade alles den Klopp zu bekommen. Den wollten sie schonmal und ich bin mir sicher das wenn Heynckes kommt er nur eine Übergangslösung sein wird.
Freifrau von Hase 19.03.2011
3.
Zitat von reflexxionMan hätte ihn sofort feuern sollen, vor dem CL Debakel
Bla, bla, bla....und Scholli und Gerland hätten die Bayern dann den Rest der Saison betreut und sie noch auf Platz 2 geführt. Jetzt kann man genauso gut den Louis weiter machen lassen. Der hat auch nicht weniger Autorität als es eine Interimslösung gehabt hätte. Und Heynckes konnte nun mal nicht sofort.
Freifrau von Hase 19.03.2011
4.
Zitat von Bee1976kann kein Trainer dieser Welt garantieren, egal ob alt oder neu. Erfolg kommt nur durch eine Kombination mit vielen Faktoren: Spieler, Trainer, Umfeld, Geld, Transfers. Ein Millionenstar muss nicht zwingend einschlagen, hier Spielen Trainer, Umfeld Manschaftsgefüge eine wichtige Rolle. Nehmen wir Schalke 04 als Bsp, diese Saison zu Begin 4 mal am Stück verloren, warum darüber kann man sich streiten, die unberechtige Karte Höwedes, Schiri Fehlentscheidungen, etc. Das gab Unruhe im Umfeld, namentlich die Pseudofans und von diesem Start hatte sich Schalke nie erholt, die ganze Saison nicht. Jetzt spielen die Profis nurnoch im Pokal und der CL am Limit, warum sollte man sich auch in der Buli noch bemuehen ? Ob Platz 8 oder 12 macht keinen nennenswerten Unterschied, anders sähe es sicher aus wenn man nicht Fehlstart bedingt unten rumdümpeln würde. Bei vielen Trainern weiss man was sie können, und was einen erwartet, egal ob bei Heynckes, Magath, Ragnick, etc. Ob sie am ende erfolg haben kommt drauf an obs passt. Schalke wird erst dann Nachhaltigen Erfolg haben, wenn sich im Umfeld, im Vorstand und im Selbstverständnis etwas ändert, bis dahin werden Erfolge Eintagsfliegen bleiben (leider) In einem Punkt muss ich dem autor jedoch wiedersprechen, ich wette die Bayern versuchen gerade alles den Klopp zu bekommen. Den wollten sie schonmal und ich bin mir sicher das wenn Heynckes kommt er nur eine Übergangslösung sein wird.
Kloppo kriegen sie im Moment nicht, egal, was sie versuchen. Ich tippe auf 2 Jahre Vertrag für Heynckes und dann wäre Klopp wieder ein Kandidat....falls er in 2 Jahren überhaupt noch "en vogue" ist. Vielleicht stürzt der BVB ja auch komplett ab in dieser Zeit.
UnitedEurope 19.03.2011
5. tja
Zitat von reflexxionMan hätte ihn sofort feuern sollen, vor dem CL Debakel
Die Niederlage war eine Niederlage der Einstellung und von Breno.
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