Krisen-Klub Werder Abschiedsstimmung in Bremen

Werder Bremen steht auf dem letzten Platz der Tabelle. Gegen Borussia Dortmund geht es schon ums Erstliga-Überleben, und die Aussichten stehen schlecht. Der Kader scheint derzeit nicht bundesligareif.

Bongarts/Getty Images

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Am Donnerstagabend hat Klaus-Dieter Fischer seinen Abschied bei Werder Bremen gefeiert. Fischer hat dem Verein seit 1970 in offiziellen Funktionen vorgestanden, als Vizepräsident, als Geschäftsführer, als Präsident. Er ist der Letzte, der die große Zeit von Werder mitgemacht, mitgeprägt hat. Jetzt ist auch Fischer abgetreten von der Bundesligabühne.

Und möglicherweise demnächst auch der gesamte Verein.

Fischer kennt noch die Zeiten, als Werder Bremen sogar mal in der 2. Liga herumkrebste, bevor Otto Rehhagel das Team 1981 zurück in die Erstklassigkeit und zur Blüte führte. Er wird ihn wohl nicht noch einmal erleben wollen, mit mittlerweile 73 Jahren, den bitteren Abstiegsgang, der den Grün-Weißen in dieser Saison so konkret wie sehr lange nicht droht.

Vor dem letzten Spieltag der Hinrunde liegt das Team von Trainer Viktor Skripnik auf dem letzten Tabellenplatz, am Samstag geht es gegen Borussia Dortmund (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Unvorstellbar, dass das heutzutage ein Abstiegskracher ist. Werder stand 2009 im Uefa-Cup-Endspiel, das ist fünf Jahre her. Es ist das warnende Beispiel für den Gegner Dortmund. Wie weit es gehen und wie schnell es kommen kann.

Noch vereint Skripnik die Hoffnungen der Fans

Mit Viktor Skripnik hat die Mannschaft einen Trainer, der viele Bremer Fans anspricht. Ein Mann mit Werder-Stallgeruch, einer, der als Spieler kein Filigraner war, aber gekämpft hat, der sich für das Team zerrissen hat. Solche Typen mögen sie in Bremen, aber dass er ein Trainer ist, der Werder erfolgreich gegen die Konkurrenz im Tabellenkeller abhebt, diesen Beweis hat er seit seinem Amtsantritt im Oktober noch nicht angetreten.

Im Gegenteil: Das prestigeträchtige Nordderby gegen den HSV wurde mehr oder weniger widerstandslos abgegeben, bei den Vorstellungen in Frankfurt und in Mönchengladbach präsentierte sich eine harmlose, defensiv anfällige Mannschaft ohne große Spielidee, die zudem in den beiden Partien zusammen neun Gegentreffer fing.

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Und wenn ein Spieler die offenkundigen Defizite anspricht, wie es der österreichische Mittelfeldspieler Zlatko Junuzovic nach dem Gladbachspiel getan hat, wird er dafür gerüffelt. Geschäftsführer Thomas Eichin tadelte Junuzovics Kritik: "Die Spieler sollen nach den Spielen, die sie verloren haben, nicht immer so schnell so viel erzählen." Dabei hatte Junuzovic - einer der wenigen, auf deren Leistung man in den Vorwochen zählen konnte - nur gesagt, was ohnehin jeder sehen konnte.

In der Saison schon Negativrekorde aufgestellt

38 Gegentreffer nach 16 Spielen - so viel hat Werder noch nie gefangen, auch nicht in der Abstiegssaison 1979/1980. Viel spricht derzeit nicht für Werder Bremen. Von der Partie gegen den BVB hängt schon vieles ab.

Skripnik hat es zuletzt mit zahlreichen jüngeren Akteuren versucht, Spieler, die er aus der Betreuung der U23 kennt. Darunter sind hoffnungsvolle Talente wie Levent Aycicek oder Marnon Busch. Sie alle haben Kredit auf die Zukunft, man muss auch schon mal an die 2. Liga denken.

Letztlich sind all die Jungen, die der Trainer zuletzt ausprobiert hat, aber auch immer ein Misstrauensvotum des Coaches gegen den vorhandenen Profikader. In dem Spieler wie Verteidiger Assani Lukimya oder Cedrick Makiadi stehen, die genug Chancen hatten, um zu beweisen, dass sie eine Verstärkung für Werder sind. Sie haben diese Chancen regelmäßig verstreichen lassen.

Mit einem Nils Petersen im Sturm, mit einem Eljero Elia, für den Eichin schon verzweifelt Käufer sucht, auch mit einem Torwart Raphael Wolf hat der Verein kaum Perspektiven auf nachhaltigen Erfolg. Und wenn dann noch der einzige überdurchschnittliche Stürmer Franco Di Santo verletzt ausfällt wie derzeit, dann muss sich in Bremen niemand wundern, wenn vorn gar nichts geht.

Die Aussichten sind trübe und letztlich nur durch Neuverpflichtungen in der Winterpause aufzuhellen. Nach einem rigiden Sparkurs hat der Aufsichtsrat die Suche nach Verstärkungen in der Winterpause freigegeben. Seit Monaten geistert der Name des WM-Stars Bryan Ruiz durch Bremen. Ruiz, derzeit noch beim FC Fulham unter Vertrag, ist mittlerweile so etwas wie ein Bremer Phantom geworden. Auch über die Rückkehr von Aaron Hunt, der beim VfL Wolfsburg nicht glücklich ist, wird spekuliert. Heilsbringer wären beide nicht.

Bei Klaus-Dieter Fischers Abschied waren sie noch einmal alle vereint, die Bremer Trainerhelden Otto Rehhagel und Thomas Schaaf waren da, der ebenso langjährige wie mächtige Ex-Aufsichtsratsboss Willi Lemke, die früheren Nationalspieler Dieter Eilts und Marco Bode, Lemkes Nachfolger an der Aufsichtsrats-Spitze - es war wie ein Abschied nicht nur von Fischer.

Das Veteranentreffen einer großen Mannschaft.

insgesamt 24 Beiträge
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Trainspotter 20.12.2014
1. Skripnik
Was soll er denn machen? Er hat eine völlig desolate Mannschaft übernommen, für deren Ausrichtung und Kader er nichts kann. Man muss ihm mindestens bis Ende der Saison Zeit geben, selbst wenn man am Ende absteigen sollte. Für einen Neuanfang wäre er bestimmt eine gute Besetzung. Und diesen Neuanfang muss es spätestens ab nächster Saison geben, ob dann in der 1. oder 2. Liga.
basiliusvonstreithofen 20.12.2014
2. Bremen pfeift auch sonst---
---auf dem letzten Loch. Der Stadtstaat ist schon lange pleite. 50 Jahre Rot hinterlässt eben Spuren. Nun hat man auch noch den Friedhofszwang abgeschafft. Die Bürger können die Begräbniskosten schlicht nicht mehr bezahlen. Ein Abstieg des Fußballclubs ist noch das geringste Problem. Möglicherweise braucht man das Stadion bald als Begräbnisstätte. Fußball geht dann nicht mehr.
warndtbewohner 20.12.2014
3. Hoffnunglos...
heute gibt es gegen den BVB die nächste Klatsche. Die Bremer sind erster Anwärter auf den Abstiegsplatz. Der BVB kann nach dem heutigen Sieg wieder etwas aufatmen...
tyskie 20.12.2014
4.
Die Bremer sind da, wo der BVB in ein paar Jahren sein wird. Rabulistik ersetzt leider kein gutes Führungspersonal.
wolf17 20.12.2014
5. Lächerlicher Artikel
Selbst bei einer Niederlage gegen Borussia Dortmund kommt Viktor Skripnik auf einen Durchschnitt von 1.25 Punkten pro Spiel. Sollte es so bescheiden weitergehen kommt Werder am Ende der Saison auf 35 Punkte. Dies sollte angesichts der letzten zehn Jahre mindestens für den Relegationsplatz reichen. Ich bin die schwarzseherische Einstellung gegenüber Werder Bremen leid und gehe davon aus, das Werder sich in der Winterpause verstärken, und von Alt- und Neulasten trennen wird. Sehr geehrter Herr Ahrens, Sie sollten Ihre Artikel etwas weniger reißerisch gestalten und vielleicht auch mal über positive Entwicklungen schreiben.
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