Bremens Sieg gegen Leverkusen Nouris Lieblinge

Alexander Nouri hat Bremen den Erfolg zurückgebracht. Bei seinem Cheftrainer-Debüt verhalf ihm der 19 Jahre alte Flüchtling Ousman Manneh zum Sieg über Leverkusen. Alles Wichtige zum Spiel.

Werder-Trainer Alexander Nouri
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Werder-Trainer Alexander Nouri

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Ausgangslage des Spiels: Julian Nagelsmann (TSG Hoffenheim), André Schubert (Borussia Mönchengladbach) und Martin Schmidt (Mainz 05) sind Belege dafür, dass die Besetzung des Trainerpostens mit einem Mann aus dem eigenen Verein sinnvoll sein kann. Bei Werder Bremen hatte dieses Modell mit Viktor Skripnik nur zeitweise Erfolg, trotzdem wagte die Vereinsspitze einen weiteren Versuch: Die bisherige Interimslösung Alexander Nouri hatte dem Klub mit vier Punkten aus drei Spielen wieder ein bisschen Luft im Abstiegskampf verschafft - die Folge war die Beförderung. Nun bekamen es Nouri und Werder mit Bayer Leverkusen zu tun, einem Gegner in Top-Form.

Ergebnis: Cheftrainer-Debüt geglückt. Werder besiegte Bayer Leverkusen 2:1 (1:1).

Aufstellungen:
Bremen: Wiedwald - Gebre Selassie, Sané, Moisander, Santiago Garcia - Grillitsch - Hajrovic (83. Bauer), Fritz (68. Ulisses Garcia), Junuzovic, Gnabry (45. Bartels) - Manneh.

Leverkusen: Leno - Henrichs, Tah, Toprak, Wendell - Aránguiz (83. Havertz), Kampl - Brandt (72. Kießling), Calhanoglu - Volland (57. Mehmedi), Hernandez.

Die erste Hälfte: Bremen und Fußball, das passt wieder. Ob Serge Gnabry über links oder Izet Hajrovic auf der rechten Seite, Werder beeindruckte gleich vom Anstoß weg mit schnellem Spiel. Leverkusen schien davon so überrascht, dass Hajrovic vor dem 1:0 gleich an mehreren Verteidigern vorbeigehen konnte und damit maßgeblich am Führungstreffer durch Zlatko Junuzovic (13. Minute) beteiligt war. Bayer verteidigte danach weiter hoch, ging Risiko und hatte Erfolg. Hakan Calhanoglu gelang der Ausgleich per Kopf (27.). Torvorbereiter Kevin Kampl lieferte auch sonst eine starke Partie ab. Werders ansehnliches Spiel ließ im Verlauf nach, auch weil Tempomacher Gnabry Rückenprobleme hatte und später ausgewechselt wurde.

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Zweiter Saisonsieg: Bremen überrascht gegen Leverkusen

Die zweite Hälfte: Bayer dominierte, wirklich packend war es aber nicht mehr, und aus dem Spiel heraus ging nur wenig. Beinahe folgerichtig fiel der erneute Bremer Führungstreffer nach einem Freistoß, Ousman Manneh gelang das Tor (59.). Den knappen Vorsprung rettete Bremen, das kurz vor Schluss sogar die Chance zum 3:1 hatte, über die Zeit.

Belohnung des Spiels: Manneh flüchtete als 17-Jähriger aus Gambia, kam nach Deutschland und machte mit seinem Talent gleich mehrere Bundesliga-Klubs auf sich aufmerksam - Werder erhielt den Zuschlag. Das ist nur die Kurzfassung von Mannehs Geschichte, die mit seinem ersten Bundesliga-Tor um ein weiteres Kapitel ergänzt werden muss. Werders Trainer Nouri darf in dieser Geschichte nicht fehlen: Er verhalf dem mittlerweile 19-Jährige zum Bundesliga-Debüt am vierten Spieltag und ließ beispielsweise einen Millioneneinkauf wie Aron Jóhannsson außen vor. Der Mut wurde belohnt.

Belohnung des Spiels II: Als Werder nach drei Spieltagen mit null Punkten und 2:12-Toren Tabellenletzter war, hätten wahrscheinlich die wenigsten Hajrovic gefordert und ihn als möglichen Hoffnungsträger auserkoren. Von einem Fehleinkauf war unlängst die Rede. Nouri holte ihn aus der Versenkung zurück, und die Maßnahme hat sich bezahlt gemacht: Gegen Bayer überzeugte der Rechtsaußen vor allem in der ersten Hälfte.

Köpfchen des Spiels: Calhanoglu bringt man meist mit spektakulären Distanzschüssen in Verbindung. Manuel Neuer oder Roman Weidenfeller hatten bereits das Nachsehen gegen die tückischen Fernschüsse des Türken. Wenn es gegen Bremen geht, kann es der 22-Jährige aber auch mit Köpfchen. Zwei seiner 23 Bundesliga-Treffer erzielte Calhanoglu per Kopf, beide gegen Werder.

Leverkusens Benjamin Henrichs
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Leverkusens Benjamin Henrichs

Tipp des Spiels: Er kann auf beiden Seiten gleich stark verteidigen, schaltet sich immer wieder mit ins Offensiv-Geschehen ein, gilt im Klub als bodenständig und ist mit seinen 19 Jahren erst am Anfang seiner Karriere. Mit Benjamin Henrichs hat Bayer-Trainer Roger Schmidt ein Talent zum Stammspieler geformt. Es wäre nicht überraschend, wenn Bundestrainer Joachim Löw schon bald einen Versuch mit dem Goldgewinner der Fritz-Walter-Medaille als bester U19-Nachwuchsspieler wagt. Und ganz nebenbei: Jonas Hector, Joshua Kimmich und vielleicht bald Henrichs - die immer wieder aufkommenden Sorgen auf den Abwehr-Außenpositionen dürften beim DFB erst einmal der Vergangenheit angehören. Die Pleite in Bremen konnte aber auch Henrichs nicht verhindern.



insgesamt 8 Beiträge
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debaser 15.10.2016
1. ZDF Berichterstattung zum Spiel
Im aktuellen Sportstudio meinte der Kommentator in der Zusammenfassung zu Manneh: "Was für eine schöne Geschichte in Zeiten von Rechtsdemagogen und Populisten." Ich finde es anmaßend, dass jetzt noch Sportreporter politisch werden. Ähnlich damals der Freiburg-Trainer Streich vor der BW-Wahl in der PK eine Wahlempfehlung aussprach. BTW Wenn jeder Flüchtling Fußballprofi mit einem Jahressalär von Hunderttausenden von Euro wäre, hätten wir wohl keine "Flüchtlingskrise".
peterp50 15.10.2016
2. Super@
Ich freue mich für Werder und Nouri! Fußball mit Herz, vielleicht folgen ja wieder bessere Zeiten.
ray8 16.10.2016
3. Respekt
Nouri hat sehr viel Mut bewiesen, indem er Manneh und Hajrovic eingebaut hat. Und dann funktionieren die Jungs auch noch! Mutig auch, weil er teure von Baumann im Sommer geholte Spieler stattdessen auf die Tribüne setzt. Und die Spieler zerreissen sich für ihn. Aber mal schauen wie es nach der ersten Niederlagenserie aussieht.
Bonteburg 16.10.2016
4. Gut gemacht, Werder
Ich war nie Werder Fan, doch finde ich es überaus sympathisch, dass dieser Verein es schafft, mit einem kleinen Budget wieder aus dem Tief herauszukommen. Anderen benachbarten Vereinen gelingt das trotz Millioneninvestor nicht. Ich glaube diese junge Truppe wird uns noch viel Freude bereiten.
Farguard 16.10.2016
5. Die Notlösung
baut Bremen auf. Den Trainer wollte man ja nicht, musste ihn aber nehmen, weil der andere Gigant aus dem Norden Bremen Gisdol weggeschnappt hat. Tja, Pech für einen der Beiden.
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