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VfL und Bayer: Stars aus der Konzernkasse

Foto: Peter Steffen/ dpa

Bundesliga-Werksclubs Kühler Konzern-Fußball

Die Clubs aus Wolfsburg und Leverkusen sind mit Stars gespickt und spielen einen tollen Offensivfußball - trotzdem werden sie nie die Dimension von Schalke oder Bayern München erreichen: Den Werksclubs fehlen die entscheidenden Emotionen.
Von Christoph Biermann

VfL Wolfsburg

Bayer Leverkusen

Vermutlich war das Spiel zwischen dem und noch gar nicht angepfiffen, als Hans-Joachim Watzke dazu ansetzte, seine alten Lieblingsgegner mal wieder etwas zu ärgern. Dortmunds Geschäftsführer sagte in einem Interview, das in der Sonntagsausgabe der "FAZ" erschien, die Liga hätte einen "kapitalen Fehler" gemacht, den beiden Clubs einen Sonderstatus einzuräumen, ohne dafür eine Gegenleistung zu verlangen.

Der besondere Status besteht bekanntlich darin, dass beide Vereine kickende Konzern-Töchter der Dax-Unternehmen Bayer AG und Volkswagen AG sein dürfen. Das führt zu klaren wirtschaftlichen Vorteilen gegenüber anderen Bundesligisten - und sorgte an einem lausig kalten Samstagabend in der Volkswagen-Arena für zwei toll besetzte Mannschaften.

Internationale Stars wie Diego, Grafite oder Edin Dzeko spielten streckenweise für Wolfsburg groß auf, und Nationalspieler Simon Rolfes wurde für Bayer zum Mann des Tages. Er schoss nach seiner Einwechslung zwei Tore und holte noch einen Elfmeter heraus. Doch bei der spektakulären 2:3-Niederlage des VfL Wolfsburg nach 2:0-Führung war auch einmal wieder zu sehen, dass die wunderbare Welt des Werksfußballs sportlich ihre Schattenseiten hat.

Keine Chance auf Gefühls-Irrsinn

Nun würde wahrscheinlich auch Watzke, als selbstzufrieden von der Tabellenspitze grüßender Anwalt der Traditionsclubs, nicht so weit gehen zu behaupten, dass die beiden Clubs grundsätzlich anders wären als andere Bundesligisten. Es gibt schließlich auch in Leverkusen und Wolfsburg mitfühlende Fans, die bei Niederlagen nicht weniger deprimiert sind als Anhänger des BVB oder von Schalke 04. Es gibt hier wie da auch das notorische Umfeld, zu dem Edelfans, Dauerquerulanten oder verdiente Ex-Profis gehören, die vom Altenteil aus unken, dass sie früher alles viel besser gemacht haben.

Doch all das summiert sich nicht zu dem Gefühls-Irrsinn, der die großen Clubs oft schüttelt, sie so schwer regierbar und zu potenziellen Pulverfässern macht. Die Konzerne im Hintergrund lassen dafür nicht genug Platz, und genau solch professionelle Kälte ist hilfreich in Momenten der Krisen. Natürlich hat auch Bayer Leverkusen beim Ende der Ära Calmund eine mächtige innere Zerreissprobe erlebt, aber sie wurde in der Öffentlichkeit nicht annähernd so deutlich, wie das im gleichen Fall etwa in Köln der Fall gewesen wäre.

Dem Werksfußball fehlt der Punch

Doch die Tendenz zur Sachlichkeit ist nicht nur positiv, denn Emotionen können eben auch besondere Kräfte freisetzen. Borussia Dortmund erlebt das gerade, der ganze Club ist über die erste Tabellenführung seit mehr als sieben Jahren derartig berauscht, dass die Begeisterung auch die Mannschaft ein ganzes Stück weit tragen kann. So etwas aber gibt es als mächtige Kraft weder in Wolfsburg noch in Leverkusen. Und das dürfte auch einer der Gründe dafür sein, weshalb die Fans gegnerischer Clubs über die beständige Spitzenmannschaft aus Leverkusen immer noch singen dürfen: "Nie Deutscher Meister, ihr werdet nie Deutscher Meister."

Siebzig Minuten spielte die Mannschaft von Jupp Heynckes in Wolfsburg auch wieder einmal so, als wollten sie das bestätigen: irgendwie ansehnlich, aber doch ohne den rechten Punch. Dann nahm plötzlich der Gastgeber diese Haltung an. Wolfsburg kassierte in einer von ihnen klar dominierten Partie den Anschlusstreffer, geriet kurz in Panik - und schon war das Spiel verloren. Übrigens bereits zum zweiten Mal in dieser Saison, beim 3:4 gegen Mainz verspielten sie sogar einen Vorsprung von drei Toren.

So etwas gibt es natürlich auch bei anderen Mannschaften und hat mit der Zusammenstellung von Teams zu tun, der Besetzung mit Spielern, die negative Entwicklungen in einem Spiel wieder wenden können. Aber es steckt auch etwas Werksfußball in all dem, denn die irrationale Wichtigkeit, die Fußball in Gelsenkirchen oder Dortmund hat, fehlt in Leverkusen und Wolfsburg. Felix Magath hat sie dem VfL beim Titelgewinn 2009 einen historischen Moment lang fast allein vermitteln können.

Man hat nicht den Eindruck, als könne sich das in dieser Saison wiederholen.

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