Wolfsburg-Sieg nach Magath-Rauswurf Sie können es doch noch

War das wirklich der VfL? Aggressiv und lauffreudig traten die Wolfsburger im ersten Spiel ohne Felix Magath auf - prompt schoss das Team gegen Düsseldorf vier Tore. Es war ein deutliches Signal an den Ex-Trainer.
Wolfsburg-Stürmer Dost (r.): Doppeltorschütze in Düsseldorf

Wolfsburg-Stürmer Dost (r.): Doppeltorschütze in Düsseldorf

Foto: Frank Augstein/ AP

Hamburg - Spielfreude und Wolfsburg - das war in dieser Saison bis dato ein Widerspruch. Umso mehr dürften sich die Zuschauer in Düsseldorf die Augen gerieben haben ob der Leistung des VfL bei der Fortuna. Zwei Tage nachdem sich der Club von Trainer und Manager Felix Magath getrennt hatte, wirkte Wolfsburg wie befreit. "Das war ein großartiges Spiel, das hat richtig Spaß gemacht", sagte Wolfsburgs Regisseur Diego. Er sprach sogar von einem Neustart für die Mannschaft.

In den ersten acht Partien hatte das Team nur zwei Treffer geschossen, ein Spiel gewonnen und war Tabellenletzter. Bayern-Präsident Uli Hoeneß hatte zu Wochenbeginn gesagt: "Wenn die Spieler so wenig laufen, sind sie entweder vom Training kaputt oder spielen gegen den Trainer." Beim 4:1 in Düsseldorf waren die VfL-Profis im Gegensatz zur bisherigen Saison nicht wiederzuerkennen. Sie zeigten Einsatzfreude, Zweikampfhärte und Siegeswillen.

Trotzdem wollte Interimstrainer Lorenz-Günther Köstner nach der Partie nichts davon wissen, dass zuvor gegen Magath gespielt worden sei. "Das schließe ich aus", so der 60-Jährige. Die Frage, wie viel ein neuer Coach innerhalb von nur zwei Tagen verändern kann, blieb trotzdem. Köstner hatte bereits vor der Partie zugegeben, die Mannschaft "aus dem Bauch heraus" aufgestellt zu haben. Außenverteidiger Marcel Schäfer war sich dennoch sich, dass der Trainerwechsel etwas bewegt habe.

Köstner meldet Ansprüche auf dauerhaftes Engagement an

Ob er damit nur den radikalen Umbau der Startelf meinte, ließ er offen. Köstner veränderte die Mannschaft auf sechs Positionen. Die neuen Profis hatten entweder Probleme mit Magath gehabt (Diego), unter dem Ex-Trainer enttäuscht (Schäfer, Josué) oder waren von diesem zuletzt gar nicht mehr berücksichtigt worden (Jan Polak, Simon Kjaer, Makoto Hasebe).

Alle überzeugten gegen Düsseldorf: Kjaer und Schäfer in der Abwehr; Josué, Hasebe und Polak im Mittelfeld; Diego als Spielmacher. Die Einstellung, der Geist, alles sei völlig anders gewesen als unter "dem früheren Trainer", sagte Diego, der Magaths Namen nicht in den Mund nahm: "Wir hatten hier keine Angst, Fehler zu machen - das war wunderbar."

Ohne Magath schienen sie wieder Fußballspielen zu können. "Wir waren sehr aggressiv und laufstark, das war der Schlüssel", sagte Köstner. Sein Team bestimmte die Partie, auch wenn es bis zur 50. Minute dauerte, ehe Stürmer Bas Dost das Team mit seinem Treffer zum 1:0 erlöste. Nach dem zweiten Treffer habe man laut Köstner sehen können, welche Last von vielen Spielern gefallen sei. "Wir haben uns gesteigert und zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht", sagte der Coach: "Wir dürfen das alles aber nicht überbewerten." Allerdings zeigten die Wolfsburger, die in der Sommerpause immerhin rund 54 Millionen Euro für Verstärkungen ausgegeben hatten, dass in der Mannschaft durchaus mehr Potential als der letzte Tabellenplatz steckt.

Köstner selbst deutete an, das Traineramt in Wolfsburg gerne fest zu übernehmen. "Natürlich ist es das Größte für einen Trainer, in der Bundesliga zu arbeiten", sagte er. Zumindest die Statistik spricht für Köstner. Nach Punkten pro Spiel ist er der erfolgreichste Coach in der Wolfsburger Bundesligageschichte. Bereits in der Rückrunde der Saison 2009/2010 hatte er das Team vorübergehend betreut, inklusive des Sieges über die Fortuna bringt es Köstner nun auf 1,81 Punkte pro Partie. Eine Bilanz, die am kommenden Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) beim kriselnden 1. FC Nürnberg durchaus noch verbessert werden könnte.

Fortuna Düsseldorf - VfL Wolfsburg 1:4 (0:0)
0:1 Dost (50.)
0:2 Olic (53.)
0:3 Dost (64.)
1:3 Langeneke (71., Foulelfmeter)
1:4 Diego (78., Foulelfmeter)
Düsseldorf: Giefer - Levels, Langeneke, Juanan, van den Bergh (76. Ilsö) - Bodzek (56. Garbuschewski), Fink - Kruse, Lambertz - Schahin (56. Rafael), Woronin
Wolfsburg: Benaglio - Fagner, Naldo, Kjaer, Schäfer - Polak (86. Kahlenberg), Josué - Hasebe, Diego, Olic (82. Rodríguez) - Dost (86. Lakic)
Schiedsrichter: Welz
Zuschauer: 45.673
Rote Karte: Fink nach einer Notbremse (77.)
Gelbe Karten: Fink, Ilsö - Josué (2)

max/dpa/sid
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