Debakel gegen Bayern Das Heulen der Wölfe

60 Minuten lang überzeugte der VfL Wolfsburg - dann brach er im Spiel gegen den FC Bayern komplett ein. Die Niederlage gegen den Rekordmeister zeigt, wie viel dem VfL auf dem Weg zu einem echten Top-Team noch fehlt.

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Aus Wolfsburg berichtet


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Nach dem Debakel musste so mancher Spott als Trost herhalten. "Hoeneß in den Knast", sang eine Gruppe junger Wolfsburg-Fans vor dem Stadion. Sie hatten den Glauben an ihren VfL verloren, wenig Freude an der Dominanz des FC Bayern und so ließen sie ihren Frust am Bayern-Präsidenten aus, der ab Montag wegen Steuerhinterziehung vor Gericht steht. Die 1:6 (1:1)-Niederlage gegen den Rekordmeister zeigte indes: Die Wolfsburger sind kein Spitzenteam.

Zwölf Gegentore haben die "Wölfe" in den vergangenen beiden Partien kassiert. "Wir stoßen gegen solche Gegner an Grenzen", sagte Klaus Allofs, der sonst so optimistische Geschäftsführer des VfL. Er gab sich große Mühe, das Debakel gegen die Bayern als eine Steigerung gegenüber dem 2:6 in der Vorwoche bei der TSG Hoffenheim zu verkaufen.

Das größte Mitleid im Team des Verlierers hatte der Torhüter verdient. Sechs Treffer gegen den FC Bayern zu kassieren, ist kein Weltuntergang. Es waren die vielen Pässe in den Rücken der Abwehr, die Finten der Münchner Profis, die dazu führten, dass man Diego Benaglio bemitleiden konnte. Der Schweizer sah wie ein Häufchen Elend aus, als er das Stadion verließ.

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Eine Stunde lang hatten der Torwart und seine Vorderleute wirklich gut gespielt, durch ein Tor von Naldo (17. Minute) immerhin neun Minuten lang geführt - es gab durchaus Trostpflaster für Benaglio und seinen VfL. Aber fünf Gegentreffer in Halbzeit zwei und das Auseinanderbrechen des Teams belegten, wie groß der Klassenunterschied zwischen Wolfsburg und Bayern ist. "Irgendwann war der Stecker gezogen. Plötzlich erkennst du die Überlegenheit", sagte VfL-Cheftrainer Dieter Hecking. Nach dem Fiasko in Hoffenheim war er stinksauer. Nach der Demütigung gegen die Münchner wirkte er gefasst. Auch das sagt eine Menge aus.

Was heißt es für die Liga, wenn selbst ein Emporkömmling wie der VfL Wolfsburg trotz allerbester Möglichkeiten nur zum Spielball für den Tabellenführer taugt? Mit dem Belgier Kevin De Bruyne sowie den Brasilianern Naldo und Luiz Gustavo leisten sich die Niedersachsen Profis für gehobene Ansprüche.

Statt Gustavo, der wegen einer Gelb-Sperre fehlte, sollte im defensiven Mittelfeld Slobodan Medojevic eine tragende Rolle übernehmen. Er war damit überfordert. Während der FC Bayern für seinen späten Sturmlauf international erfahrene Spieler wie Javi Martínez, Thiago Alcántara und Mario Mandzukic einwechseln konnte, gingen dem Verlierer aus Wolfsburg die Puste und der Mut aus. "Für 60 gute Minuten können wir uns nichts kaufen", sagte Rechtsverteidiger Patrick Ochs.

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Wenn Allofs und Hecking darüber berichten, wie die Weiterentwicklung des Vereins voranschreitet, mahnen sie ständig zu Geduld, zu Demut. Angesichts der finanziellen Möglichkeiten, für die der Volkswagen-Konzern mit Budgets auf Champions-League-Niveau sorgt, müsste der Einzug in die Europa League das Minimalziel sein. Aber die Mannschaft ist trotz der Verpflichtung des hochbegabten De Bruyne immer noch anfällig für Rückschläge. "Es wäre ein Wunder gewesen, wenn wir keine Fehler gemacht hätten", sagte Allofs.

Immerhin gut eine Stunde lang war es den Wolfsburgern gelungen, den FC Bayern zu irritieren. Was der Münchener Angreifer Thomas Müller eine eklige Spielweise nannte, reichte nicht, um den Favoriten auszubremsen.

"Wir haben die Bayern ins Wanken gebracht", sagte Hecking und konnte sich darüber kaum freuen. Nachdem er mit kurzen und knappen Worten das 1:6 analysiert hatte, setzte neben ihm der Kollege Pep Guardiola zu einer Lobeshymne an. "Bei denen hat jeder unglaubliche Qualität am Ball", sagte Bayerns Trainer. Er meinte dummerweise nicht die Spieler des VfL Wolfsburg, sondern war längst mit dem FC Arsenal, der nächsten Aufgabe in der Champions League (Dienstag, 20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), beschäftigt.

VfL Wolfsburg - Bayern München 1:6 (1:1)
1:0 Naldo (17.)
1:1 Shaqiri (26.)
1:2 Müller (63.)
1:3 Mandzukic (66.)
1:4 Ribery (71.)
1:5 Müller (78.)
1:6 Mandzukic (81.)
Wolfsburg: Benaglio - Ochs, Naldo, Knoche, Rodriguez - Arnold (79. Polak), Medojevic - Perisic, De Bruyne (85. Malanda), Caligiuri (80. Schäfer) - Dost
München: Neuer - Rafinha, Jerome Boateng, Dante, Alaba - Lahm (67. Martínez), Kroos (57. Mandzukic) - Robben, Shaqiri (56. Thiago), Ribery - Müller
Schiedsrichter: Welz
Zuschauer: 30.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Medojevic (2) -
Torschüsse: 12 / 18
Ballbesitz in Prozent: 32 / 68
Zweikämpfe in Prozent: 46 / 54

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insgesamt 24 Beiträge
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michi3190 09.03.2014
1. Bayern
Am besten wir bayern spalten uns vom Rest der Republik ab. Im Fußball gibt's eh schon lange keine Gegner mehr. Ja warum weil wir bayern einfach Super wirtschaften. Fc Bayern ist nur ein Spiegelbild für unseren Freistaat der in Deutschland wirtschaftlich und moralisch die supermacht ist. Restdeutschland lernt von uns
mundi 09.03.2014
2. Ein Vergnügen
Früher freute man sich auf die Spiele von Real Madrid oder FC Barcelona. Jetzt hat man eine Supermannschaft, die tollen Fußball spielt, im eigenen Land. Sportlich ein Vergnügen, Leier sehen es die Konkurrenten nicht so.
rocatheo 09.03.2014
3. Sammer hat Recht
Die Überlegenheit ist dramatisch. Kein Verein außer dem BVB hat es geschafft dem FCB Pleiten zu servieren. Keiner hat ein Knzept, wie man die Bayern schlagen kann. Ein Spiel dauert 90 Minuten und keine 60 Min. Es wird schon gelobt, dass man so lange mit halten konnte. Es war immer das Spiel des Jahres für jeden Bundesligisten. Jetzt ist es für jeden Fan im tadion ein Spiel des Jahres, beim Untergang deseigenen Clubs. Wie paralisiert schaut man zu , wie die Bayern innerhalb von 30 Minuten 4Tore erzielen, egal ob in der 1. Hälfte oder in der 2. Hälfte. Ich dachte immer, der Gegner ist nur so stark, wie man es selbst zuläßt. Oder gilt das nicht mehr!! Wir haben nicht die beste Liga der Welt. Es gibt im 1/4finale nur noch den FC Bayern und den BVB. Leverkusen und Schalke in der Ch-league, Stuttgart, Freiburg, Frankfurt zu schwach in der Euroleague. Ja wenn nicht Ch-league, dann müßte man eigentlich in der E-league weiter kommen. Wenn Hoffenheim schon 6 Tore gegen Wolfburg macht, dann war der FCB sehr gnädig in der 1. Hälfte, wie in der 2. Hälfte gegen Schalke, dass es nicht ganz so erbärmlich aussieht. Haben die Trainer der BL keine Ideen mehr?
nabitte 09.03.2014
4. @# 1: Hochmut kommt vor dem Fall...
ich habe hohen Respekt vor der wirtschaftlichen und vor allem sportlichen Leistung des FCB. Ihre Arroganz jedoch widert mich an. Bayern als Moralische Supermacht? Morgen beginnt der Prozess gegen hoeneß. amigo-affäre, seehofer trennt sich per sms von seiner schwangeren geliebten, ... ich keine persönlich eine ganze Reihe menschen aus Bayern, sie sind insgesamt nicht besser oder schlechter als andere Landsleute. Sie tun mir leid, wenn Sie sich am Erfolg ihres Vereins derart ergötzen müssen. Wie haben übrigens Fastenzeit, vielleicht üben Sie sich mal in Demut. ist sicher gut für den Charakter und ihre Moral.
restauradores 09.03.2014
5. Wer kann ersthaft behaupten
Zitat von sysopDPA60 Minuten lang überzeugte der VfL Wolfsburg - dann brach er im Spiel gegen den FC Bayern komplett ein. Die Niederlage gegen den Rekordmeister zeigt, wie viel dem VfL auf dem Weg zu einem echten Top-Team noch fehlt. http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-wolfsburg-vs-fc-bayern-debakel-fuer-die-woelfe-a-957679.html
Bayern München sei nicht gut, würde nicht attraktiv spielen? Das war nicht immer so, auch wenn sie früher gewonnen haben. Wenn man meckert ist es entweder Neid oder weil dadurch die Bundesliga wenn es um den Meister geht eintönig, langweilig wird, die Bayernüberlegenheit so "hoffnungslos" für die anderen ist. Ist das die Schuld von B.M.? NEIN, wie kann man "zu gut" sein vorwerfen? Die anderen sind einfach nicht besser! Sicher, kaum ein Klub kann sich Kaufsummen für einen einzelnen Spieler wie B.M. leisten. Das sie dieses Geld haben zeigt aber auch, dass sie irgend etwas richtig (besser) gemacht haben. Dortmund hat seit -Jahren- ein ausverkauftes Stadion zahlen aber noch für die Fehler der Vergangenheit. Wer auch so ein erfahrenes Gefüge wie Bayern zusammenzustellen will muss seine Spieler halten (mehr zahlen) oder erfahrenere holen und dann noch die Richtigen. Ein de Breuyne in Gladbach ist teuer, aber zu jung, zu unerfahren. Ausserdem behaupte ich mal das bei gleichem Lohn zu 90% Bayern gewählt wird, wegen Image, Beständigkeit, Bekanntheitsgrad auf der Welt, etc. Das erarbeitet man sich über Jahrzehnte und nicht in 2-3 Saison. Mönchengladbach war mal ein ehrwürdiger Gegner der Bayern, vor 30 Jahren und hätten international den gleichen Status erreichen können. Doch sie haben sich anders entwickelt als Bayern. Aber, Barcelona war auch nicht immer auf einer Stufe mit Real. Spanien wurde EM- und WM-Meister, ja selbst Griechenland hat etwas geschafft. Es ist also noch etwas möglich ;-) Wer jetzt glaubt ein Bayern-Fan hat geschrieben, der irrt gewaltig. Aber objektive Anerkennung ist nun einmal keine Geschmacksache!
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