Fotostrecke

Bayerns Sieg gegen Leverkusen: Ärger über einen bösen Tritt

Foto: MICHAEL DALDER/ REUTERS

Verletzte Bayern-Stars Freiwild

Die Verletzungen von Corentin Tolisso und Rafinha trüben die Stimmung beim FC Bayern. Niko Kovac war nach dem Sieg gegen Leverkusen aufgebracht, wurde von Uli Hoeneß allerdings deutlich überboten.

Eine Stunde nach Abpfiff humpelte Rafinha aus dem Kabinentrakt. Als er sich Richtung Mannschaftsbus quälte, trug er links einen roten Badeschlappen - in einen normalen Schuh hätte der dicke Fuß nicht mehr gepasst. Immerhin hatte der Brasilianer kein geschientes Knie und musste auch nicht auf Krücken gehen, so wie fünf Minuten vor ihm Corentin Tolisso.

Das souveräne 3:1 gegen einen desolat auftretenden Gegner aus Leverkusen hätte beim FC Bayern Anlass zu großer Euphorie sein können. Weiter Tabellenführer der Bundesliga, als einzige Mannschaft mit drei Siegen aus drei Spielen gestartet, dazu das Traumtor des ewig jungen Arjen Robben - eigentlich war es eine gelungene Generalprobe für den Auftakt in der Champions League am Mittwoch bei Benfica Lissabon.

Gedrückte Stimmung bei den Bayern

Gedrückte Stimmung bei den Bayern

Foto: Alexander Hassenstein/ Bongarts/Getty Images

Doch die Stimmung war miserabel, beinahe gespenstisch. Die beiden schweren Verletzungen sorgten für kollektive Ernüchterung bei den Münchnern. Und Uli Hoeneß hatte seine ganz eigene Sicht der Dinge. Doch dazu später.

Gerade angesichts des strammen Programms mit insgesamt sieben Spielen in 22 Tagen hatten zuletzt viele Spieler einstimmig und wenig überraschend die große Bedeutung eines gesunden und komplett bestückten Kaders erklärt. Doch die Personaldecke wird immer dünner in München: Kingsley Coman fällt mit seinem Syndesmosebandriss, den er sich im ersten Liga-Spiel gegen Hoffenheim zuzog, noch Monate aus.

"Habe das Gefühl, dass wir Freiwild sind"

Gegen Leverkusen saßen Leon Goretzka und Mats Hummels angeschlagen auf der Tribüne, bevor es im Spiel Corentin Tolisso, den Torschützen zum 1:1-Ausgleich, bei einem unglücklichen Zweikampf erwischte. Die Folge: Kreuzbandriss - mehrere Monate Pause. Später spürte Rafinha an seiner linken Achillessehne die offene Sohle von Karim Bellarabi - wofür der kurz zuvor eingewechselte Leverkusener zurecht vom Platz flog.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Niko Kovac wirkte sichtlich aufgebracht, als er später sagte: "Das war nicht nur Rot. Das war Doppel-Rot. Wir haben den dritten Spieltag, und ich habe das Gefühl, dass wir Freiwild sind." Die Bayern hatten sich schon nach dem Auftakt gegen Hoffenheim über das überharte und rustikale Einsteigen der Gäste beschwert. Treten die sportlich chancenlosen Liga-Gegner die Bayern am Ende also gar absichtlich kaputt?

Dann hatte Uli Hoeneß seinen Auftritt. Der Präsident des FC Bayern war in der vergangenen Saison nach Spielen grundsätzlich wortlos an den Mikrofonen der Reporter vorbeigegangen. Ganz so, als habe er sich selbst ein Schweigegelübde auferlegt. Am Samstag aber redete Hoeneß. Zweieinhalb Minuten lang. Und was er sagte, war denkwürdig.

"Das Foul von dem Bellarabi war natürlich geisteskrank", polterte Hoeneß, "das ist vorsätzliche Körperverletzung, so was gehört drei Monate gesperrt und zwar für Dummheit. So was macht man nicht, an der Mittellinie, wo es um gar nix geht, hinterherlaufen und in die Knochen hauen."

Fotostrecke

Bayerns Sieg gegen Leverkusen: Ärger über einen bösen Tritt

Foto: MICHAEL DALDER/ REUTERS

Einmal in Fahrt, schoss sich Hoeneß dann auf die Journalisten ein. Auf die Anmerkung eines Reporters, dass der Kader doch immer dünner werde angesichts der neuen Verletzungen, hieß es von Hoeneß im altbekannten Angriffsmodus: "Gestern haben Sie sich immer beschwert, auf die Spieler gestürzt, die sauer sind, wenn sie nicht spielen", sagte Hoeneß zu den Pressevertretern. Und weiter: "Dann fangen Sie nicht einen Tag später an, sich um 180 Grad zu drehen. Wir haben einen viel zu großen Kader, also einen groß genugen (sic) Kader, um das alles aufzufangen, ja?"

Auf die Anmerkung, es stünden ja nach den beiden neuesten Ausfällen nur noch 17 Spieler zur Verfügung, sagte Hoeneß: "Na und? Spielen wir mit 17 oder mit 11?"

Während bereits das allgemeine Rätselraten begann, wie Hoeneß das gemeint haben könnte und ob er allen Ernstes glaube, die Bayern könnten problemlos noch weitere Ausfälle verkraften, fragte ein anderer Journalist in ruhigem Ton, wie zufrieden Hoeneß mit dem Auftreten der Mannschaft gewesen sei. Hoeneß erwiderte: "Souverän, sehr", und sagte dann: "Sie müssen lernen, dass nicht wir die Schuldigen sind, sondern die anderen. Sie sind so kritisch. Das war ein hervorragendes Spiel."

Später kam noch Arjen Robben vorbei. Er sagte: "Sieben Spiele in drei Wochen, und jetzt fallen wieder zwei weg, das ist ganz bitter. Wir brauchen einfach alle Spieler im Kader". Nur Uli Hoeneß sah das wohl anders.