Bundesliganoten Hamburger Effizienzmonster - die Top-Elf des 20. Spieltags

Ist der Hamburger SV über Nacht zum Spitzenteam geworden? Die Daten zeigen: Der HSV hat seine Chancen sehr gut genutzt. Außerdem: Wie ein Stürmer von Darmstadt die Liga-Stars in den Schatten stellte.
HSV-Profi Kyriakos Papadopoulos (oben)

HSV-Profi Kyriakos Papadopoulos (oben)

Foto: Jan Woitas/ dpa

Im Fußball ist es oft so: Torschützen werden gefeiert, Torverhinderer laufen unter dem Radar. Nehmen wir den 20. Bundesligaspieltag. Beim 2:1-Sieg des VfL Wolfsburg über die TSG Hoffenheim wurde Daniel Didavi die größte Aufmerksamkeit zuteil. Der 26-Jährige kam zur zweiten Halbzeit ins Spiel und schoss den Siegtreffer. Dabei verdankte der VfL die drei Punkte vor allem seinem Torhüter. Diego Benaglio wehrte sechs Schüsse ab, fünf davon wurden aus dem Strafraum abgegeben. Das ist jeweils der Top-Wert des Spieltags.

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"Lass das mal den Papa machen", hieß es auf SPIEGEL ONLINE nach dem 3:0-Erfolg des Hamburger SV über RB Leipzig. Wie in der Vorwoche gegen Leverkusen hatte Kyriakos Papadopoulos den HSV in Führung geköpft, erneut steht er hinterher in der SPON11. Was zur Frage führt, ob sich die Ex-Klubs des Griechen, Leipzig und Leverkusen, fundamental getäuscht haben, was seine Fähigkeiten betrifft. Die Daten zeigen, dass das eher nicht der Fall ist. Gegen RB schnitt Papadopoulos in den meisten Kategorien leicht überdurchschnittlich ab. Allein seinem Tor und den Boni, die HSV-Profis für das Zu-Null-Spielen sowie das Besiegen eines favorisierten Gegners erhalten, hat es der 24-Jährige zu verdanken, dass er vor dem Darmstädter Abwehrduo steht. Auf Platz eins des Rankings: Der Mainzer André Ramalho, der beim 2:0 über Augsburg mehr Bälle eroberte als jeder andere Innenverteidiger.

Es ist die kurioseste Personalie dieses Spieltags: 0:3 verlor Leipzig gegen Hamburg, trotzdem steht in Bernardo ein RB-Profi in der SPON11. Wie kann das sein? Zunächst: An den Gegentoren war der Rechtsverteidiger nicht beteiligt. Die ersten beiden HSV-Treffer resultierten aus Eckbällen, beim dritten stand er nicht mehr auf dem Feld. Natürlich ignoriert der SPIX das Spielergebnis nicht, Bernardo entgehen durch drei Gegentore und die Niederlage etliche Punkte. Doch wegen seiner enormen Defensivstärke (sieben direkte Balleroberungen im Zweikampf, vier abgefangene Pässe, fünf eroberte zweite Bälle, vier geklärte Hereingaben), gepaart mit Offensivvorstößen (zwei Torschussbeteiligungen, zehn erfolgreiche Pässe im Angriffsdrittel), führt der Brasilianer trotzdem das Ranking an. Außerdem in der SPON11: Giulio Donati von Mainz 05.

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Diese Dusel-Bayern! Schon wieder hat der Rekordmeister mäßig gespielt, wieder hat es trotzdem zum Sieg gereicht, 2:0 gegen Ingolstadt, mit Toren in Minute 90 und 90+1. Es ist, angesichts seiner Kader-Qualität, durchaus nachvollziehbar, mehr vom FC Bayern zu erwarten. Objektiv betrachtet haben die Münchner aber geliefert. Denn den Daten ist es egal, wann die Tore fallen, solange sie fallen. Beispiel Arturo Vidal: Der Chilene leistete sich 17 Fehlpässe, viele davon bleiben den Zuschauern im Gedächtnis. Setzt man die Zahl ins Verhältnis zu den gelungen Pässen, ist Vidal aber der sechstbeste Passgeber des Spieltags auf seiner Position. Auch die insgesamt 21 gelungenen Abwehraktionen werden leicht übersehen, dabei kommt keiner von Vidals Konkurrenten um die Spitze auch nur in die Nähe eines solchen Werts. Weil er zudem das 1:0 erzielte, hat Vidal seinen Platz in der SPON11 sicher.

Fünf Pässe hat Nicolai Müller im gegnerischen Drittel zum Mitspieler gebracht. Doch die hatten es in sich: Vier seiner angekommenen Pässe dienten den HSV-Kollegen als Vorlage für einen Abschluss, drei davon führten tatsächlich zu Toren, zwei davon per Eckball. Müller war damit der effizienteste Profi des Spieltags und steht damit für die Formstärke des HSV. Das Team von Trainer Markus Gisdol glänzt derzeit mit Konteraktionen, sehr erfolgreichen Standards - und ein wenig Glück vor dem gegnerischen Tor.

Auf Platz zwei des Rankings folgt der Mainzer Jairo Samperio, der sich auch dank seiner starken Defensivwerte gegen Freiburgs Vincenzo Grifo und Hoffenheims Steven Zuber durchsetzte.

Die Spitzenteams der Bundesliga hatten am Wochenende ein Zehner-Problem: Weder beim FC Bayern noch bei RB Leipzig war ein offensiver Mittelfeldspieler annähernd gut genug für eine Top-Platzierung. Bayerns Thiago war zum Beispiel zwar im Schnitt 1,2-mal pro Minute am Ball, generierte aus seiner Präsenz aber kaum Torchancen. Anders Nabil Bentaleb, der bei Schalkes 2:0-Sieg über Hertha BSC beide Treffer direkt vorbereitete und laut Daten der beste Flügelakteur des Spieltags war. Auf Rang zwei folgt Leverkusens Kevin Kampl, der unglaubliche 15-mal den zweiten Ball eroberte.

Es war die Sensation des Spieltags: Darmstadt, abgeschlagener Letzter, schlägt Vizemeister Dortmund. Im Mittelpunkt stand dabei ein Joker. Antonio Colak wurde nach 58 Minuten eingewechselt, rechnet man das, was dann folgte, auf 90 Minuten hoch, hängt Colak die Superstars der Liga um Längen ab. Das zeigt auch der Vergleich mit Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang, der in 90 Minuten genauso viele Abschlüsse (zwei), nur einen erfolgreichen Pass im Tordrittel mehr zustande brachte - und anders als Colak ohne Treffer blieb. Auch in der SPON11: Bayers Javier Hernández, der gegen Frankfurt doppelt traf und knapp vor Wolfsburgs Didavi landete.

Und das ist die Elf des 20. Spieltags in der taktischen Aufstellung.

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