Bundestrainer Flick kritisiert Turnier in Katar »Es ist keine WM für den normalen Fan«

Hohe Preise, Menschenrechtsverletzungen: Bundestrainer Hansi Flick sagt, er kenne viele, die nicht zur Fußball-WM in Katar reisen wollten. Ein politisches Statement des DFB-Teams sei aber »eine Herausforderung«.
Fußball-Bundestrainer Hansi Flick bei einem Nations-League-Spiel im Juni 2022

Fußball-Bundestrainer Hansi Flick bei einem Nations-League-Spiel im Juni 2022

Foto: Marton Monus / REUTERS

Bundestrainer Hansi Flick bedauert die negativen Auswirkungen der umstrittenen Fußball-WM in Katar (20. November bis 18. Dezember). »Grundsätzlich finde ich es schade, dass dieses Turnier keine WM für Fans wird«, sagte der 57-Jährige im Interview mit der Frankfurter Rundschau und dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Er habe viele Bekannte, so Flick, »die gerne nach Katar fliegen würden, es aber aus vielerlei Gründen unterlassen«. Sie könnten sich die massiven Preise nicht leisten, die Situation etwa für Homosexuelle  sei inakzeptabel, es gebe Menschenrechtsverletzungen, weil Minderheiten ausgegrenzt würden. »Dabei sollte der Fußball für alle da sein. Darum sage ich: Es ist keine WM für den normalen Fan«, erklärte Flick.

Für den DFB ist Katar schon länger ein heikles Thema

Ein politisches Statement der Nationalmannschaft in Katar sei »für alle Beteiligten eine Herausforderung«, sagte Flick. Und weiter: »Wir haben schon viele Gespräche geführt, um die Mannschaft bestmöglich zu informieren. Wir werden uns im September erneut zusammensetzen und überlegen, was wir, möglicherweise auch gemeinsam mit anderen Nationen und Mannschaften, machen können und wollen.«

Für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) ist der Umgang mit Katar und den Menschenrechten schon länger ein heikles Thema. Erst Anfang Juni hatte ein Vorfall am Rande des Nations League Spiels gegen Italien für Aufregung gesorgt. Fans hatten zu Beginn des Spiels auf einem Banner wegen der Menschenrechtslage zu einem Boykott der Katar-WM aufgerufen. Daraufhin wurden sie – wohl auf Bitte des DFB – kurzzeitig von der Polizei festgehalten. Im Juni berichtete außerdem die »Sportschau«, dass bei der Immobilienfirma, der das WM-Quartier der deutschen Nationalmannschaft  in Katar gehört, Arbeiter ausgebeutet worden sein sollen.

Gleichzeitig inszenierte sich der DFB mehrmals als Verfechter der Menschenrechte. Im vergangenen Jahr hatte das DFB-Team beim WM-Qualifikationsspiel gegen Island schwarze Shirts mit der Aufschrift »Human Rights« getragen. Im Trainingslager in Herzogenaurach informierte sich die Mannschaft bei Vorträgen  über die Lage im WM-Gastgeberland. Zuletzt erklärte Teammanager Oliver Bierhoff im SPIEGEL-Interview, man werde für seine Werte einstehen und Proteste von Spielern nicht verhindern. Er warnte allerdings auch, es sollte »nicht zu einem Wettrennen der guten Aktionen kommen«. Einen Boykott der Veranstaltung hatte der DFB stets abgelehnt.

Die Menschenrechtsverletzungen sind seit der Vergabe der WM nach Katar immer wieder Thema gewesen. In den vergangenen Jahren hatte es wiederholt Recherchen von Medien und Menschenrechtsorganisationen gegeben, die von eklatanten Missständen für die Gastarbeiter im Land berichteten. Von der Regierung angestrengte Gesetzesreformen werden demnach weiterhin nicht ausreichend umgesetzt oder kontrolliert. Auch auf die problematische Lage von Frauen und der LGBT+-Community im Land wird immer wieder hingewiesen.

ara/sid
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.