Bundestrainer Löw "Das finde ich nicht fair"

Bundestrainer Joachim Löw ist nach dem Pflichtsieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Kasachstan in der WM-Qualifikation zufrieden - aber nicht glücklich. Im Interview kritisiert er die Pfiffe der Zuschauer gegen Torhüter Manuel Neuer und die nachlassende Konzentration seines Teams.
Bundestrainer Löw (r.): Kritik an den Fans

Bundestrainer Löw (r.): Kritik an den Fans

Foto: Andreas Gebert/ dpa

Frage: Herr Löw, wie fällt Ihr Resümee nach dem Spiel aus?

Löw: Ich finde, wir haben es in der ersten Halbzeit unglaublich gut gemacht. Da haben wir schnell gespielt, waren viel in Bewegung, haben sehr gute Kombinationen auf engstem Raum gehabt und drei Tore erzielt. In der zweiten Halbzeit haben wir durch das Gegentor wieder mal ein bisschen die Konzentration verloren.

Frage: Haben Sie Verständnis für den Leistungsabfall nach der Pause?

Löw: Ich kann es nachvollziehen, weil die Spieler nach diesem zweiten Spiel wieder in ihre Vereine zurückkehren. Und kommende Woche ist Champions League mit wichtigen Spielen für Dortmund und Bayern. Wir hätten noch einige Tore mehr erzielen müssen, aber man kann auch nicht immer im Minutentakt Torchancen herausspielen.

Frage: Was sagen Sie zum Patzer von Manuel Neuer und den Reaktionen der Zuschauer gegen ihn?

Löw: Manuel hat einen Fehler gemacht, der zum Tor geführt hat. Ich glaube, dass er den zweiten Mann, der von der Seite kam, nicht gesehen und sich den Ball deswegen ein bisschen zu weit vorgelegt hat. Was ich nicht in Ordnung finde, ist, dass das Publikum dann Manuel Neuer bei jedem Ballkontakt auspfeift, mit Ironie und Häme begleitet. Er ist ein überragender Torhüter, gehört zu den Besten der Welt und hat über Jahre hinweg überragende Leistungen gezeigt. Deshalb finde ich das nicht fair.

Frage: Muss er seine Art des Spiels vielleicht grundsätzlich überdenken?

Löw: Wenn er Anspielmöglichkeiten hat, soll er weiter versuchen, den Ball herauszuspielen und nicht einfach wegzuhauen. Er ist ein offensiver Torhüter - und seinen Spielstil soll er auf keinen Fall umstellen.

Frage: Wie beurteilen Sie die Leistung von Ilkay Gündogan?

Löw: Er hat gut gespielt, wie die letzten Spiele gegen die Niederlande und Frankreich auch. Er macht das Spiel schnell, ist präsent, hat ein Tor erzielt. Er ist unentbehrlich geworden für unseren Kader.

Frage: Wird die weitere WM-Qualifikation nun ein Spaziergang?

Löw: Die Situation ist für uns sehr, sehr gut. Aber die Schweden haben zwei Spiele weniger, Österreich und Irland jeweils eins. Die Gruppe wird im Herbst entschieden, wenn wir die direkten Duelle haben in Schweden und vor allem vorher gegen Österreich und Irland.

Frage: Sie haben die anstehenden Champions-League-Aufgaben angesprochen. Was trauen Sie Dortmund gegen Málaga und Bayern gegen Juventus Turin zu?

Löw: Sehr viel. Beide deutschen Mannschaften haben bislang in der Champions League extrem gute Leistungen gezeigt, alles ist möglich. Ich denke, dass die Dortmunder auf dem Papier das etwas leichtere Los haben als die Bayern, weil Juve die vergangenen ein, zwei Jahre wieder stark geworden ist. Aber ich bin überzeugt, dass beide Teams diese Runde überstehen.

Das Interview wurde aufgezeichnet von Klaus Bergmann, dpa
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