Bundestrainer-Kür Mayer-Vorfelder rechnet mit Hitzfelds Zusage

Die Suche nach einem Nachfolger für Teamchef Rudi Völler ist nahezu abgeschlossen. DFB-Boss Gerhard Mayer-Vorfelder geht nach einem Gespräch mit Ottmar Hitzfeld davon aus, dass der frühere Bayern-Coach der neue Bundestrainer wird.


Hitzfeld: Zehn Tage Bedenkzeit
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Hitzfeld: Zehn Tage Bedenkzeit

Lissabon/Hamburg - Völlig entspannt und gut gelaunt ging Mayer-Vorfelder am Dienstag in Lissabon in eine Sitzung der Uefa-Exekutive. Er gab sich nach einem Gespräch mit Hitzfeld in Sevilla zuversichtlich, dass der Erfolgstrainer zusagt. Eine Prognose, wann Hitzfelds Jawort kommt, gab er aber nicht ab: "Mal abwarten."

Hitzfelds Zustimmung ist offenbar nur noch Formsache. Am 18. August, beim Freundschaftsspiel in Wien, dürfte der frühere Coach von Bayern München dann erstmals als Bundestrainer auf der Bank im Ernst-Happel-Stadion sitzen. Bei den Geheimverhandlungen in einem Hotel soll sich Hitzfeld eine zehntägige Bedenkzeit erbeten haben. Dies vor allem deshalb, weil er die Zustimmung seiner Frau einholen wollte, der er nach dem vorzeitigen Abschied von Bayern München zum Saisonende eine einjährige Fußball-Pause versprochen hatte. Beatrix Hitzfeld signalisierte allerdings bereits kurz nach der ersten Verhandlungsrunde ihres Mannes, dass an ihrem Veto eine Verpflichtung nicht scheitern werde.

In allen wichtigen fachlichen Fragen hatten Mayer-Vorfelder und Hitzfeld bei dem etwa zweistündigen Gespräch offensichtlich schnell Einigung erzielt. Es seien "angenehme Gespräche" gewesen, berichtete Mayer-Vorfelder: "Er hat klare Vorstellungen."

Dies bedeutet, dass Hitzfeld seinen langjährigen Co-Trainer und Vertrauten Michael Henke mit zum DFB nimmt, seinen Wohnort in München behält und zunächst einen Zweijahresvertrag bis zur WM 2006 unterzeichnet. Mit einer Jahresgage von rund vier Millionen Euro wäre Hitzfeld laut "Sport-Bild" dann der am besten bezahlte Trainer in der Geschichte des DFB.

Möglicherweise wird sich der FC Bayern München zunächst noch am Gehalt für den 55-Jährigen beteiligen. Bei der Auflösung von Hitzfelds Arbeitsvertrag mit dem deutschen Rekordmeister, der trotz Beurlaubung noch bis zum Juni 2005 läuft, könnte dies so mitvereinbart werden, deutete Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge an.

Doch ohne Stielike?

Neben der Verpflichtung von Hitzfeld und Henke wird es aber im DFB-Trainerstab weitere Veränderungen geben. Das gesamte Konzept um Jugend-Koordinator Michael Skibbe und U21-Coach Ulli Stielike stehe auf dem Prüfstand, sagte Mayer-Vorfelder. "Nach dem Rücktritt von Rudi Völler hat sich ein neuer Sachverhalt ergeben, der es notwendig macht, auch über die Aufgabenverteilung der DFB-Nachwuchstrainer nachzudenken", sagte der DFB-Chef. Unmittelbar vor dem EM-Aus hatte Mayer-Vorfelder noch signalisiert, an Stielike festhalten zu wollen.



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