Bundestrainer Löw "Die Mannschaft ist stark und hungrig"

Alles gewonnen - die Fußball-Nationalmannschaft hat ihr Maximalziel in der EM-Qualifikation erreicht. Bundestrainer Joachim Löw schaut jedoch schon nach vorne auf das Turnier 2012. Dort dürfe man nicht nur Titelverteidiger Spanien im Blick haben, warnt er.  
Bundestrainer Löw: "Was will man mehr?"

Bundestrainer Löw: "Was will man mehr?"

Foto: JOHANNES EISELE/ AFP

Frage: Wie bewerten Sie den Sieg gegen Belgien?

Löw: Zehn Spiele, zehn Siege - was will man mehr? Es ist eine tolle Leistung über 14 Monate nach einer schwierigen WM. Wir wollten den Endspurt, wir wollten mit zehn Siegen über die Ziellinie, weil man sich mit jedem Sieg gewissen Respekt verschafft. Andere Länder sehen: Wir lassen jetzt nicht nach. Die Mannschaft ist stark und hungrig. Wie das die Mannschaft absolut konsequent durchgezogen hat, das ist aller Ehren wert.

Frage: Waren Sie überrascht vom starken Beginn der Belgier?

Löw: Belgien spielte alles oder nichts. Sie kamen raus, spielten nach vorn, wollten unbedingt ein schnelles Tor machen. Wir hatten einige Mühe, ins Spiel zu kommen. Aber wir haben uns befreit, die Tore sind gefallen. Sie wurden mit schnellen Überzahlangriffen gut rausgespielt. Kompliment an die Spieler, dass sie nie nachgelassen haben.

Frage: Wie hat sich das Team entwickelt in der EM-Qualifikation?

Löw: Es gibt immer Dinge, an denen wir arbeiten. Wiederholungen, Automatismen sind wichtig. Wir haben uns unglaublich stabil gezeigt nach dem schwierigen Turnier in Südafrika. Von der Spielkultur her sind wir auf hohem Niveau. Wir können schnell spielen. Woran wir arbeiten müssen, ist die Stabilität. Das betrifft nicht nur die letzte Reihe.

Frage: Wie viele Spieler haben die Chance auf eine EM-Teilnahme?

Löw: 25, 30 - eine Zahl zu nennen, ist schwierig. Wir haben unseren Kader im Blick. Die Nominierung wird, wenn es so stabil bleibt, relativ einfach. Bei den Turnieren zuvor war die Auswahl schwieriger. Jetzt gibt es Härtefälle, wenn alle in Form bleiben. Mein Gefühl, alle Positionen doppelt zu besetzen, ist gut. Wir haben Alternativen geschaffen. Gegen Belgien hatten wir ein Team mit einem Altersschnitt von unter 24 Jahren auf dem Platz. Dass junge Spieler auf die ein bisschen älteren Jungen Druck machen, ist das Ziel.

Frage: Was erwarten Sie von Ihren EM-Kandidaten in den kommenden Monaten?

Löw: Dass sie die Konzentration hochhalten, in ihren Vereinen seriös trainieren und spielen. Unsere Beobachtung wird akribisch wie immer sein, da werden wir nicht nachlassen. Wenn man sich auf eine EM vorbereiten will, kann man nicht erst im April damit anfangen.

Frage: Deutschland ist jetzt in einer Favoritenrolle, viele erwarten den EM-Titel. Wie gehen Sie damit um?

Löw: Letztendlich ist es immer gut, wenn man sich Respekt verdient, wenn andere Nationen sagen, da ist eine Mannschaft, die ist gefährlich. Das ist ein Vorteil. Klar, die Erwartungshaltung steigt. Aber diese Entwicklung ist normal. Damit müssen Spieler und die Mannschaft gut umgehen. Das muss man auch lernen.

Frage: Spanien hat die Qualifikation auch makellos überstanden. Wie sehen Sie das Duell?

Löw: Wie ich mich von dem Begriff der Stammspieler verabschiedet habe, verabschiede ich mich vom Duell Deutschland gegen Spanien. Das Duell muss es ja gar nicht geben bei dem EM-Turnier. Holland hat auch fast alles gewonnen. England und Portugal werden besser sein als bei der letzten WM in Südafrika, auch Frankreich. Spanien und wir werden nicht allein die Hauptrolle spielen. Wenn man den Titel gewinnen will, muss man auch andere Hürden nehmen.

Aufgezeichnet von Jens Mende, dpa
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