Bundestrainer Löw "Die Niederlage ist nicht allzu dramatisch"

Trotz der Niederlage im Testländerspiel gegen Australien war Joachim Löw nicht unzufrieden. Rückschläge gebe es immer wieder, sagte der Bundestrainer im Interview. Zudem lasse die Partie wichtige Schlüsse über einzelne Spieler zu.

DFB-Coach Löw: André Schürrle fiel ihm "sehr positiv" auf
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DFB-Coach Löw: André Schürrle fiel ihm "sehr positiv" auf


Frage: Herr Löw, wie beurteilen Sie die Leistung Ihrer jungen Mannschaft gegen Australien?

Löw: Es ist schade, dass wir nach einer guten ersten Halbzeit, in der ich mit vielen Dingen sehr zufrieden war, das Spiel in der zweiten Halbzeit aus der Hand gegeben haben. Wir haben die Dinge nicht mehr so konsequent umgesetzt. Aber ich habe viele gute Ansätze gesehen. Für mich ist wichtig, Schlüsse daraus zu ziehen, was einzelne Spieler betraf. Und dafür war es ein guter Test auf dem Weg zum nächsten Turnier.

Frage: Können Sie jetzt schon genau sagen, mit welchen Spielern Sie zufrieden waren?

Löw: Das müssen wir aufarbeiten in den nächsten Tagen. Wir haben mit einer sehr veränderten Aufstellung gespielt. Es war klar, dass im Spielfluss und Rhythmus das eine oder andere Problem auftaucht. In der Einzelbewertung habe ich in der ersten Halbzeit sehr gute Ansätze gesehen. In der zweiten Halbzeit hätten wir zumindest das eine Tor vermeiden können. Das werde ich aufarbeiten und in Ruhe anschauen.

Frage: Was hat Ihnen der Test denn konkret gebracht?

Löw: Ich sehe bei den jungen Spielern sehr viel Gutes, natürlich auch noch Verbesserungspotential. Darüber werden wir das nächste Mal sprechen. Das Spiel war auch wichtig in der Weiterentwicklung der Spieler.

Frage: Stört Sie die Niederlage denn gar nicht?

Löw: Selbstverständlich hätten wir das Spiel gerne gewonnen. Schlussendlich ist diese Niederlage nicht allzu dramatisch, denn es ging nicht um die EM-Qualifikation. Ich kenne das seit vielen, vielen Jahren, dass über den Sinn oder Unsinn der Spiele gesprochen wird. Ich sehe 2005, 2007, 2009 und 2011 in Testspielen immer mal wieder einen Rückschlag. Das wird auch 2013 oder 2015 so sein, in diesen Zwischenjahren. Diese Jahre sind dazu da, Dinge auszuprobieren, um zu sehen, welche Spieler es Richtung Turnier schaffen.

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Frage: Der Mainzer André Schürrle zeigte einen guten Auftritt.

Löw: Er ist mir sehr positiv aufgefallen. Er hat viele gute Wege gemacht, in hohem Tempo. Er hat auch absolut klasse nach hinten gearbeitet. Seine Leistung war sehr gut.

Frage: Mario Gomez machte trotz seines Tores keinen glücklichen Eindruck.

Löw: Er ist schon zufrieden. Er hat sein Tor gemacht. Das spricht für ihn und seine Torgefährlichkeit. Aber ich muss auch sagen, dass er ein bisschen angeschlagen war, weil ihm einer auf den Fuß getreten ist. Da hat sich die Kapsel verdreht. Das war der Grund, wieso ich ihn rausgenommen habe.

Frage: Und seine Gefühlslage?

Löw: Er hatte eine Phase in der Nationalmannschaft, da ist vieles nicht gelaufen. Aber jetzt befindet er sich auf dem Weg, dass er in der Nationalmannschaft regelmäßig trifft, und ich bin mit ihm zufrieden, absolut.

Frage: Bayern-Manager Uli Hoeneß hat die Austragung des Spiels scharf kritisiert.

Löw: Die Termine stehen fest. Für uns ist die Partie so wichtig wie für Vereine das eine oder andere Spiel in der Vorbereitung. Ich glaube nicht, dass das internationale Niveau, so hart und ruppig wie es heute war, im Training vorherrscht, wenn man zehn gegen zehn spielt.

Frage: Trifft Sie die Kritik aus Bayern?

Löw: Ich glaube, wir haben auch mal Freundschaftsspiele absolviert für Bayern München, bei der Stadioneinweihung oder beim Abschiedsspiel von Oliver Kahn. Nächstes Jahr macht Bayern ein Spiel in der EM-Vorbereitung gegen Holland. Da werde ich auch mal fragen, ob das Sinn macht. Aber erst im nächsten Jahr.

Frage: In Kaiserslautern gab es kürzlich Pfiffe, wie sehen Sie die Stimmung der Fans?

Löw: Ich verstehe, dass es auch mal Pfiffe geben kann. Aber es ist klar, in diesem Spiel fehlte die Vergabe von drei Punkten, damit fehlte die ganz große Spannung, wie wenn Deutschland gegen die Türkei spielt. Dann erwarten die Leute immer ein Spektakel, das ist klar. Aber es gibt auch Phasen, da gibt es Alltagskost. Das ist normal, da gibt es auch mal Pfiffe. Ich halte diese Reaktion für völlig normal.

Aufgezeichnet von Arne Richter, dpa

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mai78 31.03.2011
1. verglichen mit Fukushima
verglichen mit dem GRÜNEN-Sieg und Fukushima wäre es nicht angemessen, hier von Katastrophe zu reden. Das hat Löw wohl erkannt.
sappelkopp 31.03.2011
2. Sehr gut...
...völlig unaufgeregt, klar analysiert und das gesagt, was eigentlich jeder Fan wissen müsste. Weiter so, Herr Bundestrainer! Lassen Sie sich nicht beirren von jenen, die es für ihr Selbstwertgefühl brauchen, das die DFB-Elf stets gewinnt.
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