Bundestrainer Löw "Die Spieler sind mit ihren Kräften am Ende"

Schlecht gespielt, dennoch gewonnen: Nach dem Sieg gegen Österreich in der EM-Qualifikation zeigt sich Bundestrainer Joachim Löw zufrieden. Im Interview spricht er über die gute Form seines Stürmers Mario Gomez und erklärt den schwachen Auftritt seines Teams.
Deutscher Nationalcoach Löw: "Irgendwann zählt auch mal nur das Ergebnis"

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Frage: Herr Löw, wie bewerten Sie die Leistung ihrer Mannschaft beim 2:1 gegen Österreich?

Löw: Wir brauchen nicht lange diskutieren: Es war ein glücklicher Sieg, mit dem wir fast nicht mehr rechnen konnten. Wir konnten in vielen Phasen unsere spielerischen Vorteile nicht nutzen. Wir haben viele Fehler gemacht, nicht klar gespielt und waren in allen Mannschaftsteilen nicht so dynamisch und präzise.

Frage: Woran lag das?

Löw: Ich habe das Gefühl, dass viele Spieler, besonders die WM-Teilnehmer, nach dieser langen Saison mit ihren Kräften am Ende sind. Da ist ein Tempospiel nicht mehr möglich. Wenn wir unsere Qualitäten ins Spiel gebracht hätten, hätten wir Österreich vor größere Probleme gestellt. Wir haben sicher nicht gut gespielt, aber irgendwann zählt auch mal nur das Ergebnis. Wir haben jetzt 18 Punkte, das ist entscheidend. Deshalb bin ich auch zufrieden und muss der Mannschaft ein Kompliment aussprechen.

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Frage: Hat sich der Einsatz von Sami Khedira ausgezahlt?

Löw: Am Ende hat sich alles ausgezahlt. Es war klar, dass er nicht 90 Minuten die Dynamik hat. Aber mit seinem Muskel ist alles okay, ein Risiko wäre ich auch nicht eingegangen.

Frage: Bei vielen Ihrer Spielern ist der Akku leer, nur auf Doppel-Torschütze Mario Gomez trifft das offensichtlich nicht zu. Er wurde im Laufe der Saison immer besser.

Löw: Im Abschluss war er die ganze Zeit unglaublich treffsicher. Bei der WM hatte er nur Teileinsätze, am Anfang der Saison auch bei den Bayern. Er hatte deshalb nicht diese Mammut-Saison. Er strotzt derzeit vor Selbstvertrauen, hat die Selbstsicherheit, dass er aus einer Chance ein Tor und im Strafraum das Richtige macht.

Frage: Hat Gomez im Zweikampf mit Miroslav Klose nun Vorteile? Sehen Sie ihn künftig als Stammspieler?

Löw: Mario war für mich schon lange Stammspieler. Miro ist aus Verletzungsgründen nicht dabei. Daher ist es müßig, über diese Dinge zu reden. Man redet immer von Stammspielern, ich sehe das anders. Ich hätte gerne gegen Österreich im 4-4-2-System gespielt, mit Gomez und Klose im Angriff. Es ist deshalb nichts Neues, wenn ich sage: Wir brauchen bei einem Turnier 20 Top-Spieler. Jede Position muss doppelt besetzt sein.

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Frage: Es steht jetzt noch die lange Reise nach Aserbaidschan an. Wie werden Sie die Vorbereitung angehen?

Löw: Natürlich werden wir noch mal analysieren, wo gegen Österreich die Probleme lagen und diese Dinge ansprechen. Die Spieler müssen jetzt aber vor allem zwei, drei Tage regenerieren. Den Akku kann man nicht mehr hochfahren. Im Training sind sie nicht mehr belastbar. Vielleicht lassen wir auch mal den Ball weg.

Frage: Wie optimistisch sind Sie, dass angesichts dieser Probleme ein erfolgreicher Saisonabschluss gelingt?

Löw: Wir müssen noch einmal alle Kräfte bündeln. Es steht eine lange Reise bevor, es gibt einen Zeitunterschied. Aserbaidschan wird laufen und kämpfen. Wir müssen einige Probleme bewältigen - aber wir werden sie bewältigen. Wenn wir 21 Punkte haben, ist es eine überragende Leistung. Dann können wir in den verdienten Urlaub gehen.

Aufgezeichnet von Thomas Niklaus (sid)

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