DFB-Trainer Löw Bereit für die Mondfahrt

Selbstkritisch und motiviert: Auf der Pressekonferenz vor dem Schweden-Spiel konterte Joachim Löw Vorwürfe und Mutmaßungen von Spielern, Experten und Medien. Dem Bundestrainer glückt die Flucht nach vorn.

Bundestrainer Löw: "Meine Motivation ist ungebrochen"
DPA

Bundestrainer Löw: "Meine Motivation ist ungebrochen"

Aus Berlin berichtet


Die Spekulationen nahmen kein Ende, egal ob sich die deutsche Nationalmannschaft in den vergangenen zwei Wochen gerade in Frankfurt, Dublin oder Berlin befand: Immer ging es darum, ob Bundestrainer Joachim Löw noch "er selbst ist", wie es ein Journalist auf der Abschlusspressekonferenz des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) formulierte.

Die vergangenen Tage waren für Löw tatsächlich nicht leicht. Zunächst musste er sich mit Vorwürfen einer latent miesepetrigen EM-Stimmung innerhalb des Teams, formuliert von Bastian Schweinsteiger, auseinandersetzen. Später übte Uli Hoeneß in einem SPIEGEL-Interview Grundsatzkritik am Führungsstil Löws.

Die "Süddeutsche Zeitung" sah den Nationaltrainer sogar schon auf "der letzten Etappe seiner Bundestrainerzeit". Die "Bild"-Zeitung stellte die Frage, ob Löw noch Neues lernen kann, beziehungsweise will. Und zu allem Überfluss hatte ihn zuletzt noch eine fiese Erkältung erwischt, die das Fußballfachblatt "Kicker" zu der Frage verleitete, ob es sich dabei um "Warnsignale" handeln würde, "weil die Psyche zuletzt mit vielen unangenehmen Dingen" beschäftigt war.

Dass derlei Mutmaßungen nicht völlig unbegründet daherkommen, daran ist Löw keineswegs unschuldig. Er moderierte die "Stimmungsdiskussion" rund um die Schweinsteiger-Kritik nicht ausreichend, unterstützte seinen Vize-Kapitän kaum, sondern ging auf Konfrontationskurs. Auch bei den Hoeneß-Aussagen stellte sich Löw über die Dinge, tat die Kritik als pure Polemik ab. Der 52-Jährige wollte Gegenwind erst gar nicht aufkommen lassen und übersah dabei, dass er sich dabei bereits mitten im Auge eines Sturms befand.

Lob für Spieler und ihre Erfolge

Als sich der Bundestrainer am Montagnachmittag in Berlin aufs Podium der Pressekonferenz begab, um einen abschließenden Einblick in das Innenleben seiner Mannschaft vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden (Dienstag, 20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) zu geben, wirkte Löw angeschlagen. Zwischen den Fragen konnte man immer wieder hören, wie er mit seinem Schnupfen kämpfte, sein Gesicht wirkte angespannt.

Doch bei der Fragerunde geschah etwas mit Löw. Etwas, wonach man in den vergangenen Wochen vergeblich gesucht hatte: Der Trainer übte Selbstkritik, fand einen beachtlichen Teil seiner Souveränität wieder. Er lobte seine Spieler wie Miroslav Klose, Sami Khedira oder Toni Kroos. Er sprach über den Stellenwert seiner Mannschaft, ihre Erfolge und den zweiten Platz, den das DFB-Team derzeit in der Weltrangliste belegt.

Sein Blick, so wurde es in vielen Aussagen deutlich, ging erstmals wieder nach vorne. Die WM in Brasilien im Jahr 2014 wird Löws persönliche Mondfahrt, vielleicht die letzte Möglichkeit, um nicht als der Trainer in die Geschichte einzugehen, der es mit dieser Ansammlung von hochtalentierten Ausnahmekönnern nicht geschafft hat, einen großen Titel zu erringen. "Wir wollen die Mannschaft immer weiter verbessern, meine Motivation ist ungebrochen", sagte Löw. Und auf die Frage, ob er sich durch das EM-Aus und die jüngste Kritik verändert habe, antwortete Löw: "Nein, das glaube ich nicht."

"In der Wortwahl nicht in Ordnung"

Dass diese Selbsteinschätzung korrekt ist, darf angesichts der Aussagen, die der Bundestrainer im Anschluss freiwillig und ungefragt nachschob, angezweifelt werden: "Ich habe mir am Samstag nach dem Spiel den Wortlaut angesehen und muss sagen, dass ich mich sehr, sehr unglücklich ausgedrückt habe. Das war in der Wortwahl nicht in Ordnung. Das habe ich dem Spieler auch noch mal persönlich gesagt."

Der Spieler, das ist Marcel Schmelzer. Die "unglückliche Wortwahl" war eine vernichtende Kritik am jungen Linksverteidiger von Borussia Dortmund, die Löw einen Tag vor dem Spiel gegen Irland (6:1) geübt hatte. Dass der Bundestrainer sich nun bei Schmelzer in dieser Form öffentlich entschuldigte, zeugt von Größe. Löw, der nach der EM die Flucht in die Einsamkeit suchte und nur wenige Termine und Gespräche wahrnahm, scheint sich doch wieder ein wenig mehr zu öffnen.

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grundkurs 15.10.2012
1.
Zitat von sysopDPASelbstkritisch und motiviert: Auf der Pressekonferenz vor dem Schweden-Spiel konterte Joachim Löw Vorwürfe und Mutmaßungen von Spielern, Experten und Medien. Dem Bundestrainer glückt die Flucht nach vorn. http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundestrainer-loew-entschuldigt-sich-bei-schmelzer-a-861386.html
Was soll diese nicht enden wollende Diskussion um den Bundestrainer. In der Fifa-Weltrangliste sind 207 Nationen aufgelistet und Deutschland belegt seit einigen Jahren schon den zweiten oder dritten Platz. Aktuell wieder den zweiten. Wie kann man seine Arbeit ernsthaft kritisieren? Mir gehts einfach nicht in den Kopf.
e-cdg 15.10.2012
2. ja bitte
Zitat von sysopDPASelbstkritisch und motiviert: Auf der Pressekonferenz vor dem Schweden-Spiel konterte Joachim Löw Vorwürfe und Mutmaßungen von Spielern, Experten und Medien. Dem Bundestrainer glückt die Flucht nach vorn. http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundestrainer-loew-entschuldigt-sich-bei-schmelzer-a-861386.html
Jogi Löw auf dem Mond, endlich !
Cortado#13, 15.10.2012
3. Wann verschwindet Löw....
Zitat von sysopDPASelbstkritisch und motiviert: Auf der Pressekonferenz vor dem Schweden-Spiel konterte Joachim Löw Vorwürfe und Mutmaßungen von Spielern, Experten und Medien. Dem Bundestrainer glückt die Flucht nach vorn. http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundestrainer-loew-entschuldigt-sich-bei-schmelzer-a-861386.html
auf die Rückseite des Mondes???
truthful 15.10.2012
4. Schweini ist schuld nicht Löw
Löw kann ja die Tore nicht selber schießen. Wenn ein Schweini nach so einer miserablen Leistung, in der CL und der EM seinen Mund soweit aufreisst dann erwarten wir auch dass er mal einen Elfer verwandeln kann. Daran sollte er üben. Der hat uns den Titel gekostet
McManaman 15.10.2012
5. Der Grundkurs...
...hält ein Hauptseminar, an dem die breite Masse der ebenso unsäglichen wie -sachlichen Löw-Kritiker dringend teilnehmen sollte! Genauso schaut's aus! Man muss Löw nicht mögen, fachlich auszusetzen gibt es an ihm (fast) nichts.
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