BVB-Bilanzpressekonferenz Operation am offenen Herzen

Borussia Dortmunds Geschäftsführer, Gerd Niebaum und Michael Meier, geraten vor der heutigen Bilanzpressekonferenz immer stärker in die Kritik. Bei Finanzexperten, Kleinanlegern und dem neuen Großaktionär Homm haben Präsident und Manager des Fußball-Bundesligisten angesichts schlechter Zahlen kaum noch Kredit.


BVB-Bosse Meier, Niebaum (r.): Herz und Blinddarm verwechselt
DDP

BVB-Bosse Meier, Niebaum (r.): Herz und Blinddarm verwechselt

Dortmund - Auch die Stimmung bei den Anhängern scheint angesichts der mäßigen sportlichen Leistungen des Profiteams, des erwarteten Jahresverlusts von 67 Millionen Euro und des auf etwa 150 Millionen Euro gestiegenen Schuldenbergs zu kippen. Laut einer von den "Ruhr Nachrichten" in Auftrag gegebenen Repräsentativ-Umfrage trauen nur 31,5 Prozent der vom Forschungsinstitut "Start" 998 befragten Fans der BVB-Führung zu, die wirtschaftliche Wende herbei zu führen. 49,9 Prozent haben den Glauben an Präsident Niebaum und Manager Meier verloren. 19,1 Prozent gaben kein klares Urteil ab.

Auch das zum Teil vernichtende Urteil von Finanzexperten ist für Niebaum und Meier eine schwere Hypothek. Peter-Thilo Hasler, Analyst der Münchner HypoVereinsbank, verfolgt das Finanzgebaren schon lange kritisch. Er prangert an, die Bilanzen seien schon in den Vorjahren durch "Sondereffekte" und kosmetische Korrekturen geschönt worden. Auch bei der Vorstellung der neuen Bilanz werde ein Griff in die "Schminkschatulle" erwartet, schreibt die "Süddeutsche Zeitung".

Statt einen konsequenten Sanierungskurs zu fahren, werde die Öffentlichkeit irre geführt und beschwichtigt. "Ein vernünftiges Management würde alle Kräfte in die Lösung der wahren Probleme stecken", sagte Hasler. Die Dortmunder würden immer nur das zugeben, was man ohnehin schon wüsste. Auch der Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Thomas Hechtfischer, hält die Informationspolitik für fragwürdig: "Es fehlt beim BVB einfach die Transparenz." Verbraucherschützer erwägen wegen gravierender Managementfehler gar juristische Schritte. "Seit fast einem Jahr operieren Niebaum und Meier am offenen Herzen, und jetzt stellen sie fest, dass es nicht das Herz, sondern der Blinddarm ist", beklagte Stefan ten Doornkaat von der Schutzgemeinschaft der Kapital-Anleger im "Kicker".

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DPA

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Den Anlegern machte die BVB-Aktie bisher wenig Freude. Im Oktober 2000 zum Kurs von 11 Euro pro Stück ausgeschüttet, fiel der Wert des Papiers kontinuierlich bis zum Tiefstwert von 2,36 Euro vor gut drei Wochen. Gestern Mittag lag der Wert bei 2,66 Euro. Dass der Club auf Grund unzulänglicher Einnahmen und hoher Belastungen Liquiditätsprobleme hat, sich frisches Kapital über eine neuerliche Ausschüttung von Aktien besorgen will (rund 25 Millionen Euro) und eine 120-Millionen-Euro-Anleihe beim Finanzinvestor Stephen Schechter erwägt, ist längst kein Geheimnis mehr. Geplant ist der Rückkauf des 94-prozentigen Anteils am Westfalenstadion, der für 75,4 Millionen Euro an die Commerzbank-Tochter Molsiris abgetreten wurde (2002). Dieses "Sell-and-lease-back"-Verfahren - mit Leasing-Raten von rund 15 Millionen Euro pro Jahr sollte die Arena bis 2017 in BVB-Besitz zurückgehen - erwies sich im Nachhinein als Fehler.

Dennoch wähnen sich Niebaum und Meier mit ihrem Konsolidierungskurs (u.a. Senkung der Gehälter um 20 Millionen Euro, Transfererlöse, Ausgaben-Reduzierung) auf dem richtigen Weg. "Es ist unsere Aufgabe, trotz der Kostensenkungen eine Mannschaft zu präsentieren, die Erfolge erzielt und sowohl Fan als auch Aktionär zufrieden stellt", sagte Meier im WDR-Fernsehen. Sollte das nicht gelingen, droht Ungemach.

"Wenn die Sanierung des Clubs sich nicht schon in den nächsten Halbjahres-Bilanzen niederschlägt, können wir sehr unbequem werden", sagt Florian Homm, der kürzlich 11,22 Prozent der BVB-Aktien erwarb.



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