Dortmund-Stürmer Immobile Der Trickser aus Italien

BVB-Stürmer Ciro Immobile hat zuletzt viel Kritik einstecken müssen. Im Champions-League-Spiel gegen Arsenal drehte der Italiener auf und brachte Klopps Gegenpressing-Maschine zum Schnurren. Immobiles Blockade scheint gelöst.

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Aus Dortmund berichtet


Es passiert nicht mehr oft, dass Fußballer neue Tricks erfinden. Abertausende Stürmer haben sich schon Gedanken gemacht, auf welche Art und Weise sie ihre Gegner täuschen und umspielen könnten, und wenn doch mal einer etwas Neues macht, zweifeln viele Beobachter schnell an der Absicht. So wie nach Ciro Immobiles beeindruckendem Führungstor am Dienstagabend, das den Weg zu einem aufregenden 2:0 (1:0)-Sieg von Borussia Dortmund gegen den FC Arsenal ebnete.

In hohem Tempo sprintete der Italiener über den halben Platz, dann schoss er sich den Ball mit dem rechten an den linken Fuß und verwirrte seine Gegenspieler derart, dass der Raum offen war für einen trockenen Schuss zum 1:0. "Das war ein Trick, das war eindeutig gewollt", entgegnete Trainer Jürgen Klopp nach dem Studium der TV-Bilder jedem, die den Vorsatz hinter dieser Aktion bezweifelten. Offenbar hat Immobile dieselbe Finte schon einmal in einem Vorbereitungsspiel angewendet.

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Borussia Dortmund in der Einzelkritik: Schrecklich schnell und richtig gut
Der Treffer kurz vor der Pause war außergewöhnlich - vor allem aber war er enorm wichtig. In den 45 Minuten zuvor hatten die Dortmunder ihre Gäste geradezu erdrückt, Arsenals Innenverteidiger Per Mertesacker sprach von einer Lehrstunde, die seinem Team erteilt worden sei. Gefehlt hatte bis dahin nur ein Tor. Und dass ausgerechnet der Neuzugang vom AC Turin für Erlösung sorgte, passte zu diesem perfekten Abend.

Denn in den vergangenen Wochen waren eine Menge Zweifel an dem 24-Jährigen laut geworden, der zwar immer engagiert auftrat, dem aber Glück im Abschluss fehlte und der oft keinen wirklichen Zugang zum Kombinationsspiel fand. Sein Auftritt gegen Arsenal hat, zumindest für den Moment, diese Skepsis in Euphorie verwandelt. Als Immobile fünf Minuten vor dem Ende ausgewechselt wurde, feierten ihn die 65.000 Fans mit stehenden Ovationen. Italiens Torschützenkönig der Vorsaison habe "richtig einen Sprung gemacht", sagte Klopp, und dann geriet der Trainer ins Schwärmen.

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Seit der Länderspielpause, in der Immobile ein Treffer für die italienische Nationalmannschaft gelungen war, habe sich die Verkrampfung gelöst, sagte der Trainer, und der Spieler bestätigte diesen Eindruck: "Das Tor gegen Holland tat gut. Außerdem war für mich wichtig zu merken, dass in Dortmund weiter fest an mich geglaubt wird", sagte Immobile. Es ist keine Neuigkeit, dass Stürmer oft Monate brauchen, bis sie den anspruchsvollen Stil, der beim BVB gespielt wird, verinnerlicht haben. Bei Immobile scheint es nun recht schnell zu gehen, zumindest in jenen Situationen des Spiels, in denen der Gegner den Ball hat.

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Dortmunds Sieg gegen Arsenal: Beweglicher Immobile
Er habe eine Aufstellung gewählt, die seine Mannschaft als "Pressing- und Gegenpressing-Maschine" agieren lasse, verriet Klopp. Dass er Immobile in diesem Konstrukt den Vorzug gegenüber Adrian Ramos oder dem angeschlagenen Shinji Kagawa gab, sagt viel über die Wertschätzung, die der Zugang bei seinem Trainer genießt. Gemeinsam mit Pierre-Emerick Aubameyang bildete Immobile die Doppelspitze in einem 4-4-2-System und fügte sich perfekt ein ins Konzept des BVB. "Was Ciro und Auba da vorne im Verbund abgezogen haben, hat zu vielen Fehlpässen des Gegners geführt, und das war der Schlüssel zum Sieg", sagte Klopp.

Aber es waren nicht nur die beiden Stürmer und Torschützen, die an diesem Fußballabend glänzten, sondern das gesamte Team. Kevin Großkreutz spielte die Londoner über die linke Seite schwindelig, in der Mitte glänzte die Doppelsechs mit dem genesenen Sven Bender und Sebastian Kehl nicht nur als Zerstörer, sondern auch als Kombinationsspieler, und auf der rechten Seite wirbelte Henrich Mchitarjan. Der arme Mchitarjan, könnte man auch sagen.

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Denn der Armenier ist ein hervorragender Fußballer, dem es allerdings oft an Effizienz vor dem gegnerischen Tor mangelt. Unter anderem wegen dieser Schwäche waren die Dortmunder während der vergangenen Saison an Real Madrid gescheitert. Gegen den FC Arsenal hat Mkhitaryan zwar toll gespielt, aber eben wieder drei, vier Großchancen vergeudet. Klopp nahm den filigranen Fußballer nach dem Abpfiff in den Arm, "ich habe ihm gesagt, heute habe er zwar kein Tor gemacht, aber wir haben auch kein Tor von ihm gebraucht", sagte Klopp, "er soll treffen, wenn wir es wirklich brauchen". Dieser Tag wird ganz bestimmt kommen.

Borussia Dortmund - FC Arsenal 2:0 (1:0)
1:0 Immobile (45.)
2:0 Aubameyang (48.)
Dortmund: Weidenfeller - Durm, Subotic, Sokratis, Schmelzer (79. Jojic) - Sven Bender, Kehl (46. Ginter) - Aubameyang, Mchitarjan, Großkreutz - Immobile (86. Ramos)
Arsenal: Szczesny - Bellerin, Mertesacker, Koscielny, Gibbs - Arteta (77. Podolski) - Sánchez, Ramsey (62. Cazorla), Wilshere, Özil (62. Oxlade-Chamberlain) - Welbeck
Schiedsrichter: Olegário Benquerença (Portugal)
Zuschauer: 65.851 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Mchitarjan - Özil, Wilshere
Torschüsse: 22:4
Ballbesitz in Prozent: 47:53

insgesamt 13 Beiträge
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phrasenmaeher 17.09.2014
1. Bausparvertrag?
Lieber Herr Theweleit, auch wenn Sie sich letztlich nicht so recht zwischen Ciro Immobile und der klassischen Immobilie entscheiden mögen: Dynamischer als die Kapitalanlage war zumindest gestern Abend der italienische Stürmer in Diensten des BVB.
neromancer 17.09.2014
2. Ciro - ich war und bin geduldig
Der Junge kennt nur Italien und soll dann nach einigen Monaten in Deutschland und einigen wenigen Pflichtspielen voll einschlagen... Ich weiß immer nicht, wer die Hürden so hoch hängt. Das Geduld sich auszahlt sieht man doch bei Auba und Micki. Die haben gerade gegen Ende der letzten Saison sehr gute Leistungen gezeigt. Natürlich brauchen die Spieler Eingewöhnung, gerade wenn sie aus nicht so guten Ligen kommen. Und in der Ukraine zu spielen, ist schon was anderes. Hinzu kommt, dass gerade Mittelfeldspieler erst so richtig mit 27 in Fahrt kommen und diese Entwicklung lang anhalten kann. Ribery hat mit 30 seine beste Saison überhaupt gespielt. Oder ein Kuba, der ja immer mal gut und gern vergessen wird, hat auch mit 30 eine super Saison gespielt. Man muss den Teams mal etwas Entwicklungszeit zusprechen. Gerade bei Dortmund gab es viele Umwälzungen - zuerst um eine Topmannschaft aufzubauen und dann um hochkarätige Abgänge entsprechend zu kompensieren. Zudem war ja die Breite immer ein Problem. Ich denke, dass man jetzt erstmal die Weichen richtig gestellt hat. Was passiert, wenn alle gesund sind, wird man sehen. Ich denke aber, dass auch bei den Spielern ein gewisses Umdenken stattgefunden hat. Zwar will man immer spielen, aber auf Grund der Breite eines Kaders ist dies nicht mehr möglich. Bei dem Pensum auf hohem Niveau zu spielen geht mit einem breiten Kader einher.
rostfriese 17.09.2014
3. Für eine Immobilie ist er doch recht beweglich
@Daniel Theweleit, der Stürmer heißt Immobile und nicht Immobilie. Hier macht die Autokorrektur wohl einen Fehler ;-). Als Bayern-Fan hätte ich bei Dortmund auch lieber eine Immobilie im Sturm...
thkarlau 17.09.2014
4. Scheint zu kommen
Ciro Immobile scheint endlich zu kommen, wurde aus meiner Sicht auch Zeit. Ein fertiger Spieler braucht keine lange Eingewöhnung. Aber was ist mit Mchitarjan los? Warum trifft der nicht endlich mal? Solche Torchancen bekommt man nicht alle Tage, und die sollte man verwandeln.
galbraith-leser 17.09.2014
5. Geduld wird sich auszahlen
So überzogen die Kritik vorher war, so zurückhaltend sollte man jetzt beim Lob bleiben. Fakt ist: Ciro hat in der defensivstarken Serie A letztes Jahr 22 Tore gemacht - und das beim AC Turin, d.h. einer Mannschaft, die jetzt nicht mit bekannten Spielern gespickt ist. Wenn der sich richtig in Dortmund eingewöhnt hat und verletzungsfrei bleibt, dann werden wir noch viel Spaß mit ihm haben. Aber erstmal abwarten, wie die nächsten Spiele laufen. Die gestrige Auf- und Einstellung - trotz der vielen Verletzten - macht Hoffnung auf eine etwas spannendere BuLi-Saison als in den vergangenen zwei Jahren.
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