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Dortmund-Stürmer Immobile Der Trickser aus Italien

BVB-Stürmer Ciro Immobile hat zuletzt viel Kritik einstecken müssen. Im Champions-League-Spiel gegen Arsenal drehte der Italiener auf und brachte Klopps Gegenpressing-Maschine zum Schnurren. Immobiles Blockade scheint gelöst.

Es passiert nicht mehr oft, dass Fußballer neue Tricks erfinden. Abertausende Stürmer haben sich schon Gedanken gemacht, auf welche Art und Weise sie ihre Gegner täuschen und umspielen könnten, und wenn doch mal einer etwas Neues macht, zweifeln viele Beobachter schnell an der Absicht. So wie nach Ciro Immobiles beeindruckendem Führungstor am Dienstagabend, das den Weg zu einem aufregenden 2:0 (1:0)-Sieg von Borussia Dortmund gegen den FC Arsenal ebnete.

In hohem Tempo sprintete der Italiener über den halben Platz, dann schoss er sich den Ball mit dem rechten an den linken Fuß und verwirrte seine Gegenspieler derart, dass der Raum offen war für einen trockenen Schuss zum 1:0. "Das war ein Trick, das war eindeutig gewollt", entgegnete Trainer Jürgen Klopp nach dem Studium der TV-Bilder jedem, die den Vorsatz hinter dieser Aktion bezweifelten. Offenbar hat Immobile dieselbe Finte schon einmal in einem Vorbereitungsspiel angewendet.

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Borussia Dortmund in der Einzelkritik: Schrecklich schnell und richtig gut

Foto: Federico Gambarini/ dpa

Der Treffer kurz vor der Pause war außergewöhnlich - vor allem aber war er enorm wichtig. In den 45 Minuten zuvor hatten die Dortmunder ihre Gäste geradezu erdrückt, Arsenals Innenverteidiger Per Mertesacker sprach von einer Lehrstunde, die seinem Team erteilt worden sei. Gefehlt hatte bis dahin nur ein Tor. Und dass ausgerechnet der Neuzugang vom AC Turin für Erlösung sorgte, passte zu diesem perfekten Abend.

Denn in den vergangenen Wochen waren eine Menge Zweifel an dem 24-Jährigen laut geworden, der zwar immer engagiert auftrat, dem aber Glück im Abschluss fehlte und der oft keinen wirklichen Zugang zum Kombinationsspiel fand. Sein Auftritt gegen Arsenal hat, zumindest für den Moment, diese Skepsis in Euphorie verwandelt. Als Immobile fünf Minuten vor dem Ende ausgewechselt wurde, feierten ihn die 65.000 Fans mit stehenden Ovationen. Italiens Torschützenkönig der Vorsaison habe "richtig einen Sprung gemacht", sagte Klopp, und dann geriet der Trainer ins Schwärmen.

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Seit der Länderspielpause, in der Immobile ein Treffer für die italienische Nationalmannschaft gelungen war, habe sich die Verkrampfung gelöst, sagte der Trainer, und der Spieler bestätigte diesen Eindruck: "Das Tor gegen Holland tat gut. Außerdem war für mich wichtig zu merken, dass in Dortmund weiter fest an mich geglaubt wird", sagte Immobile. Es ist keine Neuigkeit, dass Stürmer oft Monate brauchen, bis sie den anspruchsvollen Stil, der beim BVB gespielt wird, verinnerlicht haben. Bei Immobile scheint es nun recht schnell zu gehen, zumindest in jenen Situationen des Spiels, in denen der Gegner den Ball hat.

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Dortmunds Sieg gegen Arsenal: Beweglicher Immobile

Foto: Martin Rose/ Bongarts/Getty Images

Er habe eine Aufstellung gewählt, die seine Mannschaft als "Pressing- und Gegenpressing-Maschine" agieren lasse, verriet Klopp. Dass er Immobile in diesem Konstrukt den Vorzug gegenüber Adrian Ramos oder dem angeschlagenen Shinji Kagawa gab, sagt viel über die Wertschätzung, die der Zugang bei seinem Trainer genießt. Gemeinsam mit Pierre-Emerick Aubameyang bildete Immobile die Doppelspitze in einem 4-4-2-System und fügte sich perfekt ein ins Konzept des BVB. "Was Ciro und Auba da vorne im Verbund abgezogen haben, hat zu vielen Fehlpässen des Gegners geführt, und das war der Schlüssel zum Sieg", sagte Klopp.

Aber es waren nicht nur die beiden Stürmer und Torschützen, die an diesem Fußballabend glänzten, sondern das gesamte Team. Kevin Großkreutz spielte die Londoner über die linke Seite schwindelig, in der Mitte glänzte die Doppelsechs mit dem genesenen Sven Bender und Sebastian Kehl nicht nur als Zerstörer, sondern auch als Kombinationsspieler, und auf der rechten Seite wirbelte Henrich Mchitarjan. Der arme Mchitarjan, könnte man auch sagen.

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Denn der Armenier ist ein hervorragender Fußballer, dem es allerdings oft an Effizienz vor dem gegnerischen Tor mangelt. Unter anderem wegen dieser Schwäche waren die Dortmunder während der vergangenen Saison an Real Madrid gescheitert. Gegen den FC Arsenal hat Mkhitaryan zwar toll gespielt, aber eben wieder drei, vier Großchancen vergeudet. Klopp nahm den filigranen Fußballer nach dem Abpfiff in den Arm, "ich habe ihm gesagt, heute habe er zwar kein Tor gemacht, aber wir haben auch kein Tor von ihm gebraucht", sagte Klopp, "er soll treffen, wenn wir es wirklich brauchen". Dieser Tag wird ganz bestimmt kommen.

Borussia Dortmund - FC Arsenal 2:0 (1:0)
1:0 Immobile (45.)
2:0 Aubameyang (48.)
Dortmund: Weidenfeller - Durm, Subotic, Sokratis, Schmelzer (79. Jojic) - Sven Bender, Kehl (46. Ginter) - Aubameyang, Mchitarjan, Großkreutz - Immobile (86. Ramos)
Arsenal: Szczesny - Bellerin, Mertesacker, Koscielny, Gibbs - Arteta (77. Podolski) - Sánchez, Ramsey (62. Cazorla), Wilshere, Özil (62. Oxlade-Chamberlain) - Welbeck
Schiedsrichter: Olegário Benquerença (Portugal)
Zuschauer: 65.851 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Mchitarjan - Özil, Wilshere
Torschüsse: 22:4
Ballbesitz in Prozent: 47:53