BVB-Boss Rauball "Schwerstes Auswärtsspiel seit 1986"

Mit großer Erleichterung haben die Verantwortlichen von Borussia Dortmund die Zustimmung der Fondsanleger zum Sanierungskonzept des finanziell stark angeschlagenen Bundesligaclubs registriert. Für Präsident Reinhard Rauball steht der Lizenzerteilung für die kommende Saison nun nichts mehr im Wege.


Reinhard Rauball: "Uns wird auf die Finger geschaut werden"
DDP

Reinhard Rauball: "Uns wird auf die Finger geschaut werden"

Frage:

Herr Rauball, wie groß ist die Erleichterung nach dem "Ja" der Fondsanleger zum Sanierungskonzept von Borussia Dortmund?

Rauball: Sehr groß. Das war das schwerste Auswärtsspiel des BVB nach dem Relegationsspiel gegen Fortuna Köln 1986 in Düsseldorf (Die Dortmunder retteten sich am 30. Mai 1986 mit einem 8:0 über Fortuna Köln im dritten Relegationsspiel vor dem Bundesligaabstieg. Das Spiel fand damals auf neutralem Boden im Düsseldorfer Rheinstadion statt. Rauball war zu diesem Zeitpunkt ebenfalls Präsident des BVB, Anm. der Red.). Aber das hier hatte eine andere Qualität. Solch einen Tag möchte ich nicht noch einmal erleben. Es war eine schwere Situation und unbeschreibliche Dramaturgie, weil man total abhängig war und keinen Einfluss nehmen konnte.

Frage: Haben Sie jemals einen Gedanken an eine Ablehnung durch die Anteilseigner verschwendet?

Rauball: Ein "Nein" hätte die Insolvenz der KGaA bedeutet und sicherlich auch den eingetragenen Verein in den Sog gezogen. Oder anders ausgedrückt: Bei einem anderen Votum wären die Lichter ausgegangen, das ist so klar wie das Amen in der Kirche.

Frage: Sind jetzt die Voraussetzungen für die Erteilung der Lizenz für die kommende Saison geschaffen?

Rauball: Das muss man die DFL fragen. Ich erwarte, dass wir mit unserem Konzept mit guten Aussichten ins Lizenzierungsverfahren gehen, da die Liquidität für die neue Saison gesichert ist und wir auch genügend Eigenkapital ausweisen können. Am heutigen Tag hatten wir eine größere Hürde als das Lizenzierungsverfahren zu überspringen. Ich erwarte von der DFL einen positiven Bescheid.

Frage: Wie bewerten Sie diese Abstimmung der Anleger?

Rauball: Es war eine tolle, positive und Existenz erhaltende Entscheidung. Ich bedanke mich bei den Anlegern für das Vertrauen und natürlich bei unserer Fangemeinde für die Unterstützung. Jetzt ist Disziplin gefragt, unser Konzept umzusetzen. Uns wird jetzt bestimmt auf die Finger geschaut werden. Fest steht: Seit dem heutigen Tag ist der BVB nicht mehr der BVB, der er früher war.

Frage: Ist daraus etwa nachträgliche Kritik an der Finanzpolitik zu vernehmen.

Rauball: Ich will nicht mehr davon reden, wie die Verbindlichkeiten zustande gekommen sind. Wir sehen nach vorn und haben noch einen langen Marathon vor uns, wir stehen gerade an der Startlinie.

Frage: Es gab viel Kritik der Anleger an der Abwesenheit von Michael Meier, einer der beiden Geschäftsführer der KGaA und einer der Verantwortlichen für das Desaster.

Rauball: Meier ist in Dortmund geblieben, um die Lizenzierungsunterlagen vorzubereiten, die wir noch am heutigen Montag zur DFL bringen wollen.

Frage: Wie sieht die Zukunft von Manager Meier beim BVB aus?

Rauball: Dazu kann ich derzeit nichts sagen. Er hat noch einen Vertrag bis zum 30. Juni. Mit dieser Frage wird sich zu gegebener Zeit der Präsidialausschuss beschäftigen.

Aufgezeichnet von Günter Bork, sid



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