Debatte um RB Leipzig "Fußball, um eine Getränkedose zu performen"

Hans-Joachim Watzke und RB Leipzig werden wohl keine Freunde fürs Leben mehr. Der BVB-Boss hat den Aufsteiger erneut massiv angegriffen. RB-Macher Ralf Rangnick kündigt derweil ein Ende der Gehaltsobergrenze an.


RB Leipzig ist jetzt seit drei Monaten Erstligist, aber von Normalität ist das Team weiter entfernt denn je. Vor der Partie bei Bayer Leverkusen am Freitag (20.30 Uhr TV: Sky; Liveticker SPIEGEL ONLINE) arbeiten sich Konkurrenz und Öffentlichkeit weiter an der Mannschaft von Trainer Ralph Hasenhüttl ab.

Was nicht nur daran liegt, dass es trotz der TSG Hoffenheim wohl noch nie einen Aufsteiger gab, der sich dermaßen von gewöhnlichen Bundesliga-Neulingen unterscheidet - und deswegen die Abneigung vieler Fußballfans auf sich zieht. Abneigung, die sich bei einigen zu tiefer Feindschaft stilisiert. Der geworfene Bullenkopf von Dresden steht dafür.

Aber auch der sportliche Erfolg der Leipziger rückt mittlerweile mehr und mehr in den Fokus. Wenn RB auch am Freitag nicht verlieren sollte, würden sie den Rekord des MSV Duisburg brechen, der als Neuling 1993 zehn Spiele ungeschlagen blieb. Und die vorläufige Tabellenführung gäbe es obendrein. Schon gibt es die Ersten, die RB sogar für einen Titelanwärter halten. Was man in Leipzig gerne hört.

Anderswo weniger. Dortmunds Vereinsboss Hans-Joachim Watzke hat in dieser Woche die Attacke eröffnet. "Bei Rasenballsport, wie sie ja tatsächlich heißen, haben wir das erste Mal - auch im Gegenteil zu Hoffenheim oder Wolfsburg - den Fall, dass da nichts, aber auch gar nichts historisch gewachsen ist. Da wird Fußball gespielt, um eine Getränkedose zu performen", sagte der BVB-Geschäftsführer in der "Sport Bild". Wobei er sicherlich "promoten" meint.

"Die Menschen auf unsere Art glücklich machen"

Den Konter gab es postwendend: "Ich verschenke keinen einzigen Gedanken daran, dass es uns nur deshalb gibt, um eine Dose zu performen. Das wäre schade", sagte RB-Trainer Hasenhüttl: "Ich sehe stattdessen die Euphorie und die Freude, die wir in der Stadt verbreiten. Das ist für mich der allerwichtigste Antrieb. Man sollte uns schon die Chance geben, die Menschen auf unsere Art und Weise glücklich zu machen."

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke
Bongarts/Getty Images

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke

Leipzigs Vorstandschef Oliver Mintzlaff verwies im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung auf persönliche Treffen mit Watzke, bei denen dieser sich stets "sehr positiv unseren Fans und uns gegenüber" geäußert habe: "Unabhängig davon tut es uns aber leid, dass Red Bull dem BVB ein wenig Aufmerksamkeit genommen hat. Herr Watzke weiß, dass RB Leipzig als Verein von einem Großteil der Öffentlichkeit als eine absolute Bereicherung für die Bundesliga angesehen wird."

Trotz Mintzlaff und Hasenhüttl - der entscheidende Mann in Leipzig bleibt dennoch Sportdirektor Ralf Rangnick. Der Manager hat im Vorfeld der Partie gegen Leverkusen angekündigt, dass ein bisheriger Grundsatz der Leipziger Vereinspolitik aufgeweicht werden soll. Angesichts des sportlichen Erfolgs wolle man in den kommenden Jahren kontinuierlich die Spielergehälter erhöhen und die bisher intern festgesetzte Gehaltsobergrenze von drei Millionen Euro auflösen. Dabei sollen auch die Spieler davon profitieren, "die mit dazu beigetragen haben, dass wir da sind, wo wir jetzt sind".

Bislang galt das Leipziger Modell eines sogenannten Salary Caps als Vorzeigeprojekt in der Bundesliga. Rangnick wies allerdings darauf hin, dass man diese Obergrenze "nirgendwo schriftlich fixiert" habe, es sei "vielmehr als ungeschriebenes Gesetz deklariert".

Der Kader ist bewusst ausgeglichen zusammengesetzt

Punktgleich mit dem FC Bayern, sieben Siege, drei Unentschieden, 20:7 Tore - eine zweifellos beeindruckende RB-Bilanz bisher. Ungeachtet der bereits geholten 24 Punkte bleibt Hasenhüttl beim bisherigen Saisonziel. "Wir sind mit einer schwammigen Zielsetzung in die Saison gestartet, um der jungen Mannschaft keinen schweren Rucksack aufzuladen", sagt er. "Dass wir jetzt schon so viele Punkte geholt haben, hilft uns enorm. Über alles weitere können wir uns unterhalten, wenn wir die 40 Punkte haben."

Das Team profitiert dabei auch von seiner starken Ersatzbank, der Kader ist schon vor der Saison genau darauf ausgerichtet gewesen: In sieben von zehn Partien erzielten Hasenhüttls Joker auch Tore. "Es gab auch genügend Spiele, in denen wir in der ersten Halbzeit nicht so gut gespielt haben, es dann aber aufgrund der Korrekturhinweise des Trainers in der zweiten Halbzeit besser gemacht haben", betont Rangnick.

Eine sportliche Krise mussten die Leipziger noch nicht durchmachen. Das frühe Pokal-Aus beim Zweitligisten Dynamo Dresden in der ersten Runde war ein Rückschlag. Seitdem läuft es. Auch weil sich Hasenhüttl und Rangnick bestens verstehen. "Man kann jetzt natürlich sagen, die haben leicht reden, weil sie momentan fast alles gewinnen. Aber das war auch nach dem Dresden-Spiel so", sagt der Sportdirektor.

aha/sid/dpa



insgesamt 176 Beiträge
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Seite 1
heinzi55555 17.11.2016
1. herr Watzke....
Sie nehmen doch auch Geld von der Wirtschaft um Ihren Laden am laufen zu halten. Von wem das Geld ist, ist Ihnen doch auch egal. RB hat halt ein anderes Konzept. Sie haben sogar Geld vom FC Bayern genommen. Sind am Ende noch neidisch auf RB?
Gmorker 17.11.2016
2. historisch gewachsen?
Was ist denn bitte an den "Traditionsvereinen" historisch gewachsen, wenn sie von einer Saison auf die andere zehn neue Spieler transferieren, die mit der Stadt und der Mannschaft für die sie spielen so gar nichts zu tun haben? Wenn mein Heimatverein Werder Bremen im Keller plötzlich nen Sponsor finden würde, der astronomische Summen zahlen kann und einen Spitzenkader ermöglicht, dann wäre das auch nichts anderes, obwohl Werder ja wohl eher zu den Traditionsvereinen gehört. Und warum sollte ein Verein denn erstmal 10-20 Jahre 'rumdümpeln' müssen, bevor er sich sportlichen Erfolg zusammenkaufen darf, wie es andere Traditionsvereine seit Jahrzehnten können?
a-deg 17.11.2016
3.
Ich weiß nicht, was dieses Traditionsargument soll. In der Gegenwart sind Vereine in erster Linie Unternehmen, selbst wenn sie lokale Nachwuchsarbeit machen ist der Großteil des Kaders meistens nicht aus Einheimischen. Wie kann da die Stadt oder die Fanbasis repräsentiert werden? Die "Tradition", von der die Fans sprechen ist eine Illusion. Dann könnte man auch behaupten, eine Firma ist automatisch besser als die Konkurrenz weil sie älter ist. Da Fußball in Deutschland aber niemals nur Sport (oder Geschäft) ist, sondern halbreligiöser Kult und Projektionsfläche, wird diese sinnlose Diskussion geführt.
basecape-man 17.11.2016
4. ich kann kaum glauben das watzke es so gesagt haben soll
die buli hat ein glaubwürdigkeitsproblem da wo nicht klar abgegrenzt ist zwischen verein und geldgeber.das betrifft lev,wo.hoffenheim und leipzig.ansonsten sollte man mal langsam dazu übergehen leistung anzuerkennen.und die ist nun mal in leipzif grösser als bei vielen traditionsvereinen.insbesondere derzeit im norden.
LapOfGods 17.11.2016
5. Synthetischer geht es nicht mehr.
Fußball in Red-Bull-Stadt: Alles für den Ruhm der Dose.
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