BVB-Erfolg gegen Stuttgart Ein Gegner zur rechten Zeit

Borussia Dortmund hat sich nach zwei Niederlagen in Folge zurückgemeldet. Gerade in der zweiten Halbzeit überzeugte der BVB mit begeisterndem Offensivfußball - profitierte aber auch von einem stark angeschlagenen VfB Stuttgart.


In den Tiefen des Tabellenkellers, dort, wo gerne Trainer entlassen werden und das Selbstvertrauen auch bei kleinen Rückschlägen zu zerbrechen droht, müssen Fußballspieler sich oft an kleinen Details aufrichten. "Wir haben in diesem Spiel versucht, kompakt zu stehen und aggressiv zu arbeiten, was uns auch phasenweise gelungen ist", sagte beispielsweise der Stuttgarter Rechtsverteidiger Daniel Schwaab nach der insgesamt ziemlich ernüchternden 1:4-Niederlage bei Borussia Dortmund.

Er lächelte dabei und sah tatsächlich ganz zufrieden aus. Christian Gentner verkündete, "dass die Mannschaft nach wie vor will und die Moral intakt ist", während Interimstrainer Jürgen Kramny die "gute Reaktion nach den beiden Gegentoren in der ersten Halbzeit" lobte. Die Zuhörer nickten verständnisvoll, der bemitleidenswerte VfB Stuttgart ist nach der Trennung von Alexander Zorniger derart am Boden, dass niemand mehr Selbstkritik erwartet. Sein Debüt direkt in Dortmund zu geben, war für Kramny dazu nicht besonders günstig. Man müsse sich "mit anderen Gegnern messen, Dortmund ist zu stark", sagte der Trainer. An eine Überraschung beim BVB hat offenbar ohnehin niemand ernsthaft geglaubt.

Dabei war Borussia Dortmund verwundbar an diesem Nachmittag. "Es hätte zur Halbzeit auch 2:2 stehen können", sagte Gonzalo Castro, der das 1:0 selbst erzielt (3.) und Pierre-Emerick Aubameyangs 2:0 elegant vorbereitet hatte (19.). Jeweils nach Stellungsfehlern auf der linken Stuttgarter Abwehrseite. Doch trotz dieser beiden Treffer hatte der BVB Probleme im Spielaufbau, war anfällig für schnelle Gegenangriffe. Und vielleicht litt das Team von Trainer Thomas Tuchel nach dem 1:3 beim Hamburger SV und der 0:1-Niederlage in der Europa League in Krasnodar sogar auch unter einem etwas lädierten Selbstvertrauten.

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Fotostrecke: Stuttgart tapfer, aber nicht gut genug
Dass die Stuttgarter nicht in der Lage sind, so eine schwankende Mannschaft mit einer kompakten Spielweise zu entnerven, bleibt eine entscheidende Schwäche. "Am Ende haben wir wieder vier Tore kassiert, daran müssen wir arbeiten", sagte Kramny, der nicht weiß, ob er diese Arbeit selber machen darf, oder ob schon bald ein neuer Trainer kommt. Derzeit werden die Namen Lucien Favre, Jos Luhukay und Tayfun Korkut gehandelt. Wobei zumindest einige Fans mittlerweile der Meinung sind, dass eher die Mannschaft als die Besetzung der Trainerposition das Problem ist. In der Gästekurve hing ein Transparent mit dem Satz: "Wieder ein Trainer an Euch Profis gescheitert".

Die Dortmunder durften sich hingegen von ihrem Publikum feiern lassen, denn ihnen war es gelungen, nach den zwei Niederlagen und einer ersten Halbzeit voller Fehler und Ungenauigkeiten aufzublühen. Vor der Pause habe es "an Handlungsschnelligkeit, an Positionsspiel und Disziplin gemangelt", sagte Tuchel.

Der Trainer war mächtig stolz darauf, wie seine Spieler sich nach Daniel Didavis Anschlusstreffer (40.) auf die unangenehmen Bedingungen eingelassen haben. Wie sie mit mehr Konzentration und einem größeren Engagement eine mäßige Leistung in eine großartige Performance verwandelten. "In der zweiten Halbzeit haben wir ein herausragend gut strukturiertes und dynamisches Angriffsspiel gespielt und dabei nie die Ordnung verloren", sagte Tuchel. Georg Niedermeier per Eigentor (65.) und Aubameyeng trafen noch für den BVB, der am Ende Chancen für noch deutlich mehr Tore hatte.

Hummels' Pause als "Belastungssteuerung"

Und über diese Entwicklung innerhalb der 90 Minuten schien der Trainer noch viel glücklicher zu sein, als über die drei Punkte: "Sich an einem Novembernachmittag so reinzuarbeiten, wo einem nicht alles sofort leicht fällt, bei dem Wind, wo der Regen quer über dem Feld steht, darüber bin ich sehr glücklich", erklärte Tuchel. Nicht einmal die Frage nach Mats Hummels nervte ihn.

Der Dortmunder Kapitän hatte zuletzt nicht seine stärksten Auftritte gezeigt, es kursierten Geschichten über angebliche Konflikte mit dem Trainer. Und natürlich sahen einige Beobachter die Tatsache, dass der Innenverteidiger nun erstmals in dieser Saison zu Beginn eines Bundesligaspiels auf der Bank saß, im Zusammenhang mit dieser Vorgeschichte. Unbegründet, wie Tuchel versicherte. Die Pause für den 26-Jährigen sei schon lange geplant, es handle sich allein um eine Maßnahme der "Belastungssteuerung".

Er habe sogar überlegt, Hummels "wegen des ganzen Themas, das nicht wirklich eins ist, zwischen Trainer und Spieler", nur aufzustellen, um Fehlinterpretationen vorzubeugen. Irgendwann habe er sich aber "entschieden, darauf keine Rücksicht zu nehmen." Der Innenverteidiger wurde eingewechselt, und der überzeugende Erfolg über Stuttgart half, die entstehende Dortmunder Mini-Krise samt Hummels-Diskussion vergessen zu machen.



insgesamt 5 Beiträge
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KarlZunft 30.11.2015
1.
Also m.W. hat der BVB in Hamburg 1:3 und nicht 0:3 verloren, oder habe ich den Treffer von Aubameyang nur geträumt? Und Mats Hummels hat in den letzten Spielen sicher nicht seine Topleistung abgerufen, spielte aber trotz einiger Fehler weitgehend ordentlich. Das ganze Bohey um eine angebliche "Hummels-Krise" war und ist nicht mehr als eine typische Medienblase, aufgepustet vor allem von den Dortmunder BILD-Residenten Leihkamm und Niedderer.
BVB Fan 30.11.2015
2. Spiel gegen Hamburg
Nun macht sie nicht schlechter, als sie sind! Gegen Hamburg hat Pierre Emmerick auch getroffen, das Spiel ging 1:3 aus!
nummer50 30.11.2015
3. Reus
War Reus am Sonntag tatsächlich Kapitän der Dortmunder?
karl.lauer 30.11.2015
4. Hummelskrise ist Tuchelkrise
Gerade in Auswärtsspielen sollte Tuchel Hummels nicht so hoch verteidigen lassen. Oft verteilt Weigl zentral in der Mitte die Bälle und die beiden Innenverteidiger stehen rechts und links nicht neben ihm, sondern ein Stück weiter auf den Halbpositionen, die Außenverteidiger ganz an der Linie. Bei Ballverlust und schnell umschaltenden Gegenspielern wird dann der Weg nach hinten arg lang..siehe beim 1:1 Ausgleich in Bremen und dem Ausgleich vs. S04. Hummels hat seine Stärken absolut zentral, weil er auf wenig Foulspiel - im Gegensatz zum Griechen - angewiesen ist. Dort kommt er auch viel eher in die Zweikämpfe und die braucht jeder Abwehrspieler für's Selbstvertrauen. Meiner Meinung nach kopiert Tuchel arg Pep's Spielweise hat aber nicht genügend ballsichere Spieler dazu.
MarkusW77 30.11.2015
5.
Ja Reus war "tatsächlich " Kapitän
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