BVB-Profi Gündogan In Sahins Schatten

Ilkay Gündogan sollte bei Borussia Dortmund neuer Taktgeber im Mittelfeld werden und den nach Madrid gewechselten Nuri Sahin ersetzen. Doch das Leistungslevel seines Vorgängers scheint unerreichbar für den Jungnationalspieler. Dem 21-Jährigen droht dauerhaftes Reservisten-Dasein.

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Die Erwartungen an Ilkay Gündogan waren groß, als der Mittelfeldspieler im Sommer vom 1. FC Nürnberg zum Deutschen Meister nach Dortmund wechselte. "Ilkay passt mit seiner fußballerischen Ausrichtung perfekt in insere Abläufe", sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp. Der 21-Jährige sollte den zu Real Madrid abgewanderten Nuri Sahin ersetzen, das Spiel der Borussia aus dem defensiven Mittelfeld heraus lenken. Eine Rolle, die Sahin in der vorangegangenen Saison fast in Perfektion ausgeübt hatte. Eine Rolle, die für Gündogan zu groß ist, wie sich zusehends herausstellt.

Die Spielfreude, die ihn in Nürnberg ausgezeichnet hatte, ist bei seinen Auftritten im schwarz-gelben Dress nicht wiederzuerkennen. Gündogan wirkt regelrecht gehemmt. Die Verantwortung für den Spielaufbau der Borussia müssen andere übernehmen. In der Hinrunde der Bundesliga hat Gündogan bisher erst ein Tor erzielt und ein weiteres vorbereitet, nun muss er sich im gerade gestarteten Trainingslager neu beweisen. Zum Vergleich: Sahin kam zum gleichen Zeitpunkt in der vergangenen Saison bereits auf vier Treffer und sechs Torvorlagen.

Spielintelligenz, gepaart mit der Fähigkeit den entscheidenden Pass spielen und ein Team führen zu können, gerade in entscheidenden Situationen - all das zeichnete Sahin in der Spielzeit 2010/2011 aus. Dass der türkische Nationalspieler nach seinem Abgang nicht eins zu eins zu ersetzen sein würde, dürfte jedem in Dortmund klar gewesen sein. Trotzdem hatte der Club die Hoffnung, die Lücke im Team durch Gündogan annähernd schließen zu können.

Gündogan fehlt Zeit zur Entwicklung

Rund 4,5 Millionen Euro Ablösesumme ließ sich der BVB den Mittelfeldspieler kosten. Neben Ivan Perisic (5,5 Millionen Euro) war Gündogan damit der teuerste Sommertransfer des Meisters. Geld, das gut investiert schien. Vom Spielertyp ähnelt Gündogan Sahin. Dass auch er eine Partie lenken kann, hatte er in Nürnberg bewiesen. Trotzdem sucht der 21-Jährige nicht den Vergleich mit seinem Vorgänger.

"Letztendlich würde es mir guttun, wenn ich als Ilkay Gündogan hier akzeptiert werde und nicht als eine Kopie von Nuri Sahin", sagte er vor der Saison in einem Interview mit Sportschau.de. "Ich weiß, dass wir dieselbe Position spielen und natürlich drängen sich da Vergleiche auf. Aber wichtig ist, dass ich mich selber nicht zu sehr unter Druck setze", so der Mittelfeldspieler.

Die Startvoraussetzungen von Gündogan und seinem Vorgänger beim BVB waren extrem unterschiedlich. Sahin brauchte Zeit, sich zu entwickeln, insgesamt zehn Jahre stand er in Dortmund unter Vertrag. Ein Jahr davon war er an Feyenoord Rotterdam ausgeliehen. Aber erst nach seiner Rückkehr zur Borussia und dem Amtsantritt von Klopp 2008 wurde er zum absoluten Leistungsträger. Gündogan hat diese Zeit nicht. Der Nationalspieler ist zwar in eine intakte Mannschaft gekommen, die in ihrer Entwicklung schon weit vorangeschritten ist, dafür aber auch unter großem öffentlichen Druck steht. Druck, der für den Abiturienten neu ist, den er aus Nürnberg nicht kennt.

Mittlerweile sind die Vorschusslorbeeren, mit denen Gündogan in Dortmund gestartet war, verspielt. Seinen Stammplatz, den er zu Saisonbeginn innehatte, ist er los. Zehn Spieltage bekam Gündogan die Chance, sich in der Startformation zu beweisen. Ohne Erfolg. Die Spieltage elf bis 14 durfte er nur noch von der Bank aus verfolgen. Mit Moritz Leitner hat sich ein anderer Zugang auf der Position im defensiven Mittelfeld in den Vordergrund gespielt. Allein die Verletzungen von Sven Bender und Leitner verschafften Gündogan eine zweite Chance. Aber auch diese ließ er bisher ungenutzt verstreichen. Einzig im letzten Spiel der Hinrunde beim 4:1-Erfolg in Freiburg ließ Gündogan mit einem Treffer und einer Vorlage sein Potential erkennen.

Vom Stammspieler zum Reservisten

Doch auch das dürfte zu wenig sein, um sich zurück in die Stammelf zu spielen. Nach der Winterpause stoßen Bender und Leitner wieder zum Team. Bender ist unter Klopp gesetzt und auch Leitner dürfte dann wieder den Vorzug vor Gündogan erhalten. Was bleibt, ist der Platz auf der Bank für den Jungnationalspieler. Die Ambitionen auf eine EM-Teilnahme im Sommer dürften damit dahin sein. Die Konkurrenz um einen Platz im defensiven Mittelfeld der DFB-Elf ist ohnehin schon enorm. Mit Toni Kroos, Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira, Sven und Lars Bender hat Bundestrainer Joachim Löw ein Überangebot auf dieser Position. Kann Gündogan sich im Verein nicht beweisen, wird er in Löws Planung keine Rolle spielen.

Selbst Gündogans Perspektive in Dortmund ist ungewiss. Schafft der BVB erneut die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb, wird Klopp über Alternativen auf der Sechser-Position nachdenken müssen. Dem Meister fehlt es in der Spielgestaltung an Flexibilität. In der Bundesliga lässt sich dieser Mangel durch einen überragenden Mario Götze kaschieren, auf internationaler Ebene funktioniert das aber nicht. Klopp braucht neben Abräumer Bender einen Sechser, der das Spiel der Borussia in der Offensive variabler gestalten kann. So wie Sahin dies tat. Und woran Gündogan bisher scheiterte.



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misprint 03.01.2012
1. Er wird es schaffen...
Zitat von sysopIlkay Gündogan sollte bei Borussia Dortmund neuer Taktgeber im Mittelfeld werden und den nach Madrid gewechselten Nuri Sahin ersetzen. Doch das Leistungslevel seines Vorgängers scheint unerreichbar für den Jungnationalspieler. Dem 21-Jährigen droht dauerhaftes Reservisten-Dasein. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,805820,00.html
Genau wie Lewandowski sein Potenzial in dieser Saison unter Beweis stellt, wird es auch Ilkay Gündogan gelingen. Man sollte die Erwartungshaltung mal ein wenig zurückschrauben und dem Jungen seine Zeit zur Entwicklung geben und vorallem dafür um erstmal in die Mannschaft hineinzuwachsen. Nach seiner Auszeit auf der Tribüne und der Verletzung von Moritz Leitner, fand ich die Leistungen von Gündogan um einiges überzeugender als zu Beginn der Saison. Kreativität und Drang zum Tor war vorhanden, außerdem war er erkennbarer Teil im Spielaufbau! Genau wie bei Ivan Perisic (Der ebenfalls ~5 millionen gekostet hat) sollte man den medialen Druck in Bezug auf Gündogan vielleicht mal mein bisschen runterkurbeln. Der Junge ist erst 21!
Svenner80 03.01.2012
2. Khedira!
Zitat von sysopIlkay Gündogan sollte bei Borussia Dortmund neuer Taktgeber im Mittelfeld werden und den nach Madrid gewechselten Nuri Sahin ersetzen. Doch das Leistungslevel seines Vorgängers scheint unerreichbar für den Jungnationalspieler. Dem 21-Jährigen droht dauerhaftes Reservisten-Dasein. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,805820,00.html
Sobald Mou erkannt hat, dass Sahin viel besser als Khedira ist, kann Dortmund sich auch noch diesen Dauerläufer mit begrenztem strategischem Verständnis einkaufen. Würde bis auf Götze und Hummels gut zu dieser Mannschaft passen.
stesoell 03.01.2012
3. Ne Ne
Zitat von sysopIlkay Gündogan sollte bei Borussia Dortmund neuer Taktgeber im Mittelfeld werden und den nach Madrid gewechselten Nuri Sahin ersetzen. Doch das Leistungslevel seines Vorgängers scheint unerreichbar für den Jungnationalspieler. Dem 21-Jährigen droht dauerhaftes Reservisten-Dasein. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,805820,00.html
SpOn, bitte nennen Sie mir Ihre Quelle bzgl. der Aussage, dass ein Gündogan einen Sahin ersetzen sollte. Wird wohl die Presse von der Presse gewesen sein. Weder die sportliche Leitung des BVB, noch die Fans selbst, könnten solch eine These aufgestellt haben. Bitte einmal bei Klopp und dem BVB nachfragen, warum Leute wie Leitner, Bittencourt, Gündogan, Löwe und Co. zum BVB gekommen sind. Da geht es nicht um "Ersatz" von irgendjemand zu werden,....
worldg 03.01.2012
4.
Zitat von sysopIlkay Gündogan sollte bei Borussia Dortmund neuer Taktgeber im Mittelfeld werden und den nach Madrid gewechselten Nuri Sahin ersetzen. Doch das Leistungslevel seines Vorgängers scheint unerreichbar für den Jungnationalspieler. Dem 21-Jährigen droht dauerhaftes Reservisten-Dasein. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,805820,00.html
Ja, mal wieder ein perfektes Beispiel dafür, wie die Medien ihre eigenen Nachrichten schaffen. KEIN Verantwortlicher bei Dortmund und noch nicht einmal die Fans haben erwartet oder gesagt, daß Ilkay Nuri ersetzen soll. Im Gegenteil: Klopp meinte sogar, daß dies nicht möglich sei, da sie zu verschieden seien, da Sahin defensiver spielt als es Ilkay bei Nürnberg tat. Doch die Medien wiederholen ihren Schmarn solange, bis sie ihn als Tatsache verkaufen, einfach nur traurig... Zu Gündogan: Ich halte immer noch eine Menge von dem Jungen und sehe mich langsam bestätigt. Ich fange an eine Theorie zu entwickeln, daß die Jungs erst im 2. Jahr unter Klopp komplett verstanden und verinnerlicht haben, was er von ihnen will. Lewandowski wurd ja schon hier genannt, und für Peresic ließe das auch hoffen^^
mekmekmek 03.01.2012
5. hochkompetenter Sportjournalismus
Ein Abgesang auf Gündogan nach einer Halbserie? Der Spieler ist 21 Jahre alt und spielt seine erste Saison beim BVB. Können wir da bitte mal ein wenig mehr Geduld aufbringen, Herr Baltes? Ich kann gar nicht glauben, wie strunzdumm die Aussage dieses Artikels ist. Meine Güte, SpOn...
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