BVB-Profi Owomoyela "Ich bin nicht ganz der nordische Typ"

Er hat nigerianische Wurzeln, wurde aber in Hamburg geboren und ist dort aufgewachsen: Dortmunds Abwehrspieler Patrick Owomoyela spricht im Interview über seine Beziehung zu Afrika, seine Verbundenheit mit Deutschland und Rassismus auf dem Fußballplatz.

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Frage: Herr Owomoyela, Sie haben eine deutsche Mutter, sind in Hamburg geboren, erfolgreicher Fußballprofi und haben schon für die deutsche Nationalmannschaft gespielt. Und trotzdem gibt es immer wieder die Frage, wie deutsch Sie sich fühlen. Ist das für Sie nachvollziehbar?

Owomoyela: Das hängt ganz eindeutig mit meiner Hautfarbe und der Herkunft meines Vaters, der Nigerianer ist, zusammen. Von daher ist für mich völlig klar, dass diese Frage auftaucht. Man kann mir ansehen, dass ich nicht ganz der nordische Typ bin - auch wenn ich in Hamburg aufgewachsen bin.

Frage: Andersherum gefragt, wie nigerianisch fühlen Sie sich?

Owomoyela: Das ist die schwierigere Frage für mich. Ich denke, ich fühle mich wenig nigerianisch. Ich habe zwar einen gewissen Bezug zu diesem Land. Weil mein Vater aus Nigeria stammt, habe ich mich früher auch viel mit der Kultur des Landes befasst und liebe afrikanisches Essen - aber ich bin noch nie in Afrika gewesen.

Frage: Welchen Bezug haben sie zu diesem Familienzweig?

Owomoyela: Den afrikanischen Teil meiner Familie habe ich nicht wirklich kennengelernt. Bis auf die wenigen Verwandten, die hauptsächlich nur in meinen Kindertagen in Deutschland zu Besuch waren. Aber das waren einige wenige, an die ich nur noch eine blasse Erinnerung habe.

Frage: Spieler in Profivereinen kommen heute von allen Kontinenten, bilden ein buntes Spektrum der Kulturen. Inwieweit spielt die Herkunft der Spieler noch eine Rolle innerhalb einer Profimannschaft?

Owomoyela: Keine, die Herkunft der Spieler spielt absolut keine Rolle. Das ist das Schöne am Fußball, es dreht sich alles um den Ball. Überall auf der Welt wird Fußball auf die gleiche Art und Weise gespielt, die Menschen lieben ihn überall gleich, vielleicht in Südamerika mit noch etwas mehr Enthusiasmus als in Europa, aber im Prinzip überall mit ähnlicher Leidenschaft.

Frage: In vielen Nationalmannschaften ist es fast schon Normalität geworden, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um Spieler, auch wenn sie in anderen Ländern geboren wurden, zu Nationalspielern zu machen. Hat sich für die Spieler dadurch etwas an der Bedeutung einer Nationalmannschaft verändert?

Owomoyela: Das ist eine interessante Frage, aber auch ein schmaler Grat. Ich bin der Meinung, dass Menschen, die in einem Land geboren und aufgewachsen sind, auch wenn ihre Eltern ihren Ursprung vielleicht in einem anderen Land haben, die deutschen Farben in der Nationalmannschaft genauso gut vertreten können wie jemand, der mit deutschem Vater und deutscher Mutter geboren wurde. Besonders dann, wenn sie sich zu Deutschland bekennen und der Bezug zu dem Land ihrer Eltern nicht wirklich stark ausgeprägt ist, wie es etwa bei mir und dem Land meines Vaters der Fall war.

Frage: Und bei Zugezogenen?

Owomoyela: Es ist in meinen Augen auch in Ordnung, wenn jemand aus einem anderen Land in jungen Jahren nach Deutschland kommt, hier aufwächst, die Werte des Landes schätzt und liebt und sich dazu entschieden hat, Deutschland als sein Heimatland anzusehen. Auch so jemand sollte das Recht haben, für dieses Land sportlich kämpfen zu dürfen.

Frage: Nochmals in ähnliche Richtung gefragt: Wie wichtig ist für Sie die Identifikation mit einer Nation?

Owomoyela: Es ist für mich absolut wichtig, mich einem Land verbunden zu fühlen und mich dazu zu bekennen. Ich habe mich damals für Deutschland entschieden, weil ich mich eben immer als Deutscher gefühlt habe. Auch als der nigerianische Fußballverband angefragt hat, stand meine Entscheidung fest. Die Identifikation mit Deutschland ist für mich absolut wichtig.

Frage: Spielt die Herkunft oder Nationalität in Profivereinen eine Rolle, etwa bei der Bildung von Cliquen?

Owomoyela: Absolut nicht. In jedem Verein existiert ein hoher Anteil an ausländischen Spielern. Bei uns in Dortmund sind Türken, Serben, Südamerikaner, Ägypter und Deutsche in der Mannschaft - wen habe ich vergessen? Es ist dabei keinesfalls so, dass etwa nur die Spieler aus den Balkanländern oder die Südamerikaner zusammenhängen.

Frage: Ist es auch ein Frage der Kommunikation?

Owomoyela: Natürlich spielt die Sprache gerade bei neu nach Deutschland gekommenen Spielern eine große Rolle. Ich wüsste von keiner Mannschaft, zumindest nicht in der ich war, dass nur die Spieler gleicher Herkunft sich gut miteinander verstehen. Es kann sein, dass sie aufgrund gleicher Sprache eher aufeinander zugehen, aber das löst sich irgendwann auf.

Frage: Rassistische Beleidigungen auf dem Spielfeld - kennen Sie so etwas aus eigener Erfahrung?

Owomoyela: Innerhalb einer Mannschaft kenne ich so etwas nicht. Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass es auf dem Platz so gut wie keine rassistischen Äußerungen mir gegenüber, also direkt gegen mich gerichtet, gab. Auch nicht während des Spiels. Aber ich weiß, dass so etwas in anderen Spielklassen oder anderen Gegenden durchaus der Fall ist. Vielleicht ist in solchen Fällen der Anteil multikultureller Spieler in den Mannschaften auch geringer.

Frage: Was kann der Grund dafür sein, dass es doch manchmal, wenn auch selten, passiert?

Owomoyela: Es kann schon vorkommen, dass in einer hitzigen Situation auf dem Spielfeld beleidigende Kraftausdrücke verwendet werden. Ein Wort ergibt das andere und dann werden halt persönliche Merkmale zur Beleidigung verwendet, um jemand anderem kurzfristig wehzutun. Bei Ihnen wären es vielleicht die Haare, bei mir die Hautfarbe. Es ist die Sprache der Dummheit, die dann angewendet wird und weniger ein rassistischer Hintergrund in dem Sinne, dass jemand aufgrund seiner politischen Einstellung rassistische Begriffe benutzt. Aber wie gesagt, ich habe diese Erfahrungen weder in der Jugend, noch später machen müssen - und darüber bin ich sehr froh.

Die Fragen stellte Peter Schüngel



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Seite 1
unterländer 28.09.2010
1. Titeldum, titeldei
Zitat von sysopEr hat nigerianische Wurzeln, wurde aber in Hamburg geboren und ist dort aufgewachsen: Dortmunds Abwehrspieler Patrick Owomoyela spricht im Interview über seine Beziehung zu Afrika, seine Verbundenheit mit Deutschland und Rassismus auf dem Fußballplatz. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,718012,00.html
So ein Mist aber auch. Hat sich der Interviewer doch redlich Mühe gegeben, Herrn Owomoyela die Aussage zu entlocken, dass die tumben Fußballer in Deutschland nur so mit rassistischen Beleidigungen um sich werfen. Und Herr O. tat ihm den Gefallen nicht. Respekt, dass Spon das Interview trotzdem veröffentlicht hat, hihi.
hwolf@gmx.net 28.09.2010
2. Respekt für O.
Zitat von unterländerSo ein Mist aber auch. Hat sich der Interviewer doch redlich Mühe gegeben, Herrn Owomoyela die Aussage zu entlocken, dass die tumben Fußballer in Deutschland nur so mit rassistischen Beleidigungen um sich werfen. Und Herr O. tat ihm den Gefallen nicht. Respekt, dass Spon das Interview trotzdem veröffentlicht hat, hihi.
Ich finde auch, dass zuviel auf evtl. Trennendes focussiert wurde. Aber Owomoyela hat klug und in meinen Augen auch ehrlich geantwortet. Er ist deswegen kein Beispiel für Integration, weil er von Anfang an integriert war und sich auch so benahm und fühlte. Respekt auch, dass er nicht auf den Zug der rassistischen Randerscheinungen aufgesprungen ist.
testthewest 28.09.2010
3. Titel
Zitat von sysopEr hat nigerianische Wurzeln, wurde aber in Hamburg geboren und ist dort aufgewachsen: Dortmunds Abwehrspieler Patrick Owomoyela spricht im Interview über seine Beziehung zu Afrika, seine Verbundenheit mit Deutschland und Rassismus auf dem Fußballplatz. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,718012,00.html
Tja, wer hätte es gedacht. Die wirklichen "Betroffenen" haben mehr Verstand als die ganze political correctness Crew. So erkennt Owomoyela auch direkt: Wenn ihn auf dem Spielfeld jemand "Nigger" schimpfen würde, dann würde er als Weißer in der gleichen Situation eben "Hurensohn" hören. Das das wenig mit Herrenmenschentum und Rassismus zu tun hat erkennt er sofort. Preisfrage: Wann erkennt es das grün-rote Klientel?
A.D.H. 28.09.2010
4. Positives Beispiel
Zitat von hwolf@gmx.netIch finde auch, dass zuviel auf evtl. Trennendes focussiert wurde. Aber Owomoyela hat klug und in meinen Augen auch ehrlich geantwortet. Er ist deswegen kein Beispiel für Integration, weil er von Anfang an integriert war und sich auch so benahm und fühlte. Respekt auch, dass er nicht auf den Zug der rassistischen Randerscheinungen aufgesprungen ist.
Doch, er ist damit erstrecht ein Beispiel dafür, denn so soll es sein. Ja.
therude 28.09.2010
5. Humor
hat er. Warum spielt der eigentlich nicht mehr für Deutschland? In Nordlüdenscheid ist er ne Abwehrgröße.
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