BVB-Remis gegen Arsenal Lehrlinge mit Knalleffekt

Comeback in der Königsklasse: Zum Auftakt gegen den FC Arsenal dominierte Borussia Dortmund die Partie und erspielte sich reihenweise Chancen - doch erst ein Traumtor kurz vor Schluss rettete das Unentschieden. Glück allein wird's in diesem Wettbewerb jedoch nicht immer richten.

von Felix Meininghaus, Dortmund


Das erste Gänsehauterlebnis gab es in Dortmund schon, als der Ball noch ruhte: Kurz vor Beginn der Champions-League-Partie gegen den FC Arsenal zelebrierten die Fans auf der Südtribüne eine Choreografie, wie sie so in Europa wohl nur in ganz wenigen Stadien zu erleben ist. Die Fantribüne war ganz in Gold und Schwarz getaucht, vor dem legendären Block 13 wurde eine riesige Krone in die Höhe gezogen, eingerahmt von einem Spruchband mit der Aufschrift: "Zurück in der Königsklasse".

Wem es noch nicht bewusst war, der hatte spätestens in diesem Augenblick die Gewissheit, dass die Stadt Dortmund einen Feiertag beging. Die acht Jahre der Champions-League-Abstinenz, in denen der Club am Abgrund taumelte, sind offiziell beendet. Doch von den goldenen Zeiten, als sich Dortmund die CL-Krone aufsetzte, ist der Club noch weit entfernt.

Für übertriebene Euphorie gab auch das Comeback keinen Anlass. Gegen den Favoriten aus London feierte der BVB aber immerhin ein erkämpftes 1:1 (0:1). Ein Remis, das sich zumindest ein bisschen wie ein Sieg anfühlte, weil der eingewechselte Ivan Perisic mit seinem Knalleffekt kurz vor dem Abpfiff für großen Jubel sorgte. "Unglaublich", sagte Manndecker Neven Subotic noch eine Stunde nach dem spektakulären Volleyschuss seines kroatischen Mitspielers staunend, "ich konnte kaum glauben, dass der einschlägt. Ein Traumtor!"

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BVB vs. Arsenal: Krone, Kampf und Kunstschuss
BVB-Trainer Jürgen Klopp widmete das Tor seinem Co-Trainer Zeljko Buvac, der an diesem Abend seinen 50. Geburtstag feierte: "Wir wollten was fürs Album, das musste was Besonderes sein. Ich habe gesagt: Zum 50. kriegt er Arsenal, zum 60. Barça. Ich glaube, das Tor schafft es in jeden Champions-League-Trailer."

Aber auch schon vor dem Treffer hatte Dortmund ansehnlich gespielt. Die Gastgeber zeigten vor 65.590 Besuchern im ausverkauften Stadion all das, womit sie sich in Deutschland in die Herzen des Publikums gespielt haben. Und auch das, was ihnen noch fehlt an Reife und Cleverness, um sich im Konzert der Großen in die erste Reihe zu spielen.

Der BVB rannte ein ums andere Mal gegen das Tor der Gäste an und hätte den Platz doch beinahe als Verlierer verlassen. Vor allem in der Anfangsphase machte das Team um den starken Spielgestalter Mario Götze Druck. Sie hätten ihren Gegner zerlegen können, taten es jedoch nicht, weil Kevin Großkreutz, Shinji Kagawa und Robert Lewandowski beste Einschussgelegenheiten überhastet vergaben.

Kapitän Kehl leitet den Rückstand ein

Es war geradezu fahrlässig, wie die Gastgeber ihre Überlegenheit ungenutzt ließen. Kurz vor der Pause erteilte Robin van Persie den Dortmundern eine Lektion in Sachen Effizienz. Nach einem Fehler des weitgehend überforderten Rückkehrers Sebastian Kehl, der Arsenals Kapitän einen Querpass in die Beine spielte, schoss der Niederländer den Ball ins Tor.

So viel Zielstrebigkeit wird als internationale Klasse geadelt. Van Persie hat sie, der Borussia geht sie noch ab. Zur Halbzeit fühlten sich viele Beobachter frappierend an die Auftritte der letzten Saison erinnert, als der BVB in der Europa League gegen Paris und Sevilla mit Tempofußball begeisterte - und am Ende doch mit leeren Händen dastand.

Das könnte sich eine Etage höher durchaus wiederholen, wenn es nicht gelingt die Fehler zu beheben und den Ertrag zu optimieren. Dennoch mochten die Dortmunder nach dem Spiel vor allem das Positive betonen. Klopp sprach von einem "tollen Fußballabend für uns", und davon, dass dies "wieder unser Fußball" gewesen sei: "Sehr leidenschaftlich, sehr diszipliniert."

Das stimmt, und doch mochte Außenverteidiger Marcel Schmelzer nicht verhehlen, eine Gunst des Schicksals habe seinem Team die Nacht gerettet: "Dass wir am Ende so ein schönes und glückliches Tor gemacht haben, hilft uns bestimmt weiter." Schmelzer und seine Mitstreiter bekamen durch ihren aufopferungsvollen Kampf die Bestätigung, "dass wir jedem Gegner Probleme bereiten können". Das allein reicht jedoch nicht, um in Europa durchzustarten: "Wenn wir eine richtige Spitzenmannschaft sein wollen", weiß Schmelzer, "müssen wir Gegner wie Arsenal auch mal knacken."

Das wäre der nächste Schritt der schwarz-gelben Evolution. Die Dortmunder Lehrjahre im internationalen Ausbildungsbetrieb gehen also weiter: In zwei Wochen bei Olympique Marseille und dann beim griechischen Vertreter Olympiakos Piräus. "Bei den kommenden beiden Auswärtsspielen", sagte Kapitän Kehl, "werden wir sehen, wie weit wir wirklich sind."

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Seite 1
smilesuomi 14.09.2011
1. Widerspruch...
...was ich gesehen habe, stimmt so nicht mit Herr Schmeltzer überein, dass man so eine Mannschaft auch mal kancken m uss... Fußball ist deswegen so spannend, weil eben auch das nötige Quäntchen Glück dazugehört. Ich weigere mich die uptodate-Geisteshaltung, wonach Arsenal taktisch clever gespielt hat und eben mehr Erfahrung und dass dies den Dortmundern fehlt. Fußball spielen können die Dortmunder, nur hatten sie gestern Pech und Arsenal Glück. Wenn da eine der ersten Chancen reingeht, dann gewinnen die das locker. Nach gestern glaube ich fest an Platz 2 für Dortmund. Gut für den BVB und noch besser für Deutschlands UEFA-Wertung. Die Bayern hatte oft genug eben das Pech, dass die Kiste vernagelt war....und die gelten ja als international erfahrenes Team
daddy_felix 14.09.2011
2. schöne Choreo
sehr schöne Choreo, sowas hatten wir am ersten Spieltag in Berlin aber auch schon...
phrasenmaeher 14.09.2011
3. Nett anzuschauen
Die Erkenntnis, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen, ist so neu ja nun nicht. Das gilt auch für den BVB bei seiner Rückkehr in die Champions League, wo er auf Kaliber trifft, die eben ohne langjährige Abstinenz regelmäßiges Kräftemessen auf höchstem internationalen Niveau praktizieren. Ebenfalls keine neue Erkenntnis: die Abschlussschwäche. Auch in diesem Spiel wurden wieder reihenweise beste Chancen versiebt, das kennt man so auch aus der Bundesliga. Und dann zeigt ein van Persie eben schnell auf, dass man sich derlei Luxus in der CL nicht leisten kann. Unterm Strich jedoch eine durchaus ansprechende Leistung, schöner Fußball, ein Traumtor zum Schluss sowie die Tatsache, dass Arsenal nicht gerade fußballerisches Fliegengewicht und ein 1:1 somit durchaus vorzeigbar ist für die Neueinsteiger in der Königsklasse. Es darf gerne so weitergespielt werden, Lerneffekte für die Zukunft inklusive. Die Zukunft beginnt schon in 14 Tagen. Auf ein Neues, Schwarz-Gelb.
hfftl 14.09.2011
4. .
Zitat von smilesuomi...was ich gesehen habe, stimmt so nicht mit Herr Schmeltzer überein, dass man so eine Mannschaft auch mal kancken m uss... Fußball ist deswegen so spannend, weil eben auch das nötige Quäntchen Glück dazugehört. Ich weigere mich die uptodate-Geisteshaltung, wonach Arsenal taktisch clever gespielt hat und eben mehr Erfahrung und dass dies den Dortmundern fehlt. Fußball spielen können die Dortmunder, nur hatten sie gestern Pech und Arsenal Glück. Wenn da eine der ersten Chancen reingeht, dann gewinnen die das locker. Nach gestern glaube ich fest an Platz 2 für Dortmund. Gut für den BVB und noch besser für Deutschlands UEFA-Wertung. Die Bayern hatte oft genug eben das Pech, dass die Kiste vernagelt war....und die gelten ja als international erfahrenes Team
Was den Torabschluss angeht, hat Dortmund dieses "Pech" dermaßen oft und regelmäßig - da muss man schon von Unvermögen sprechen. Deshalb glaube ich fest an Platz 4 in dieser CL-Gruppe.
Gani, 14.09.2011
5. Gelbe Tomaten auf den Augen
Dortmund hat das Spiel dominiert? Ja genau...
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