kicker.tv

BVB-Sieg gegen Real Madrid Krönungsmesse gegen die Königlichen

Mit einem grandiosen Sieg gegen Real Madrid verdrängt Borussia Dortmund auf einen Schlag seine Probleme. Schwacher Bundesliga-Start, Pleite im Revierderby, Verletzte: All das ist nach dem Triumph kein Thema mehr. Der BVB ist in Europa angekommen.

Marcel Schmelzer breitete die Arme weit aus. Ganz so, als wolle er die ganze Welt umarmen. Er drehte sich um seine eigene Achse, taumelte vor Glück. Bevor er stürzte, fingen ihn seine Mitspieler ein. Schmelzer und seine Kollegen feierten den 2:1-Siegtreffer gegen Real Madrid fast wie eine Meisterschaft.

Es gibt Geschichten, die sind fast zu kitschig, um sie sich auszudenken. Schmelzers Vorstellung gegen Real mit seinem Volleyschuss direkt ins Herz des spanischen Meisters als Krönung ist so eine Story. Denn genau dieser Schmelzer war es, dem Bundestrainer Joachim Löw zuletzt zwischenzeitlich die internationale Top-Qualität absprach.

Schmelzer fühlte sich durch Löws Worte gekränkt, sein Stellenwert wurde öffentlich kontrovers diskutiert. "Um es einmal im deutschen TV zu sagen: Schmelle hat heute Fußball vom anderen Stern gespielt. Glückwunsch Deutschland zu diesem Linksverteidiger", sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp nach der Partie beim Bezahlsender Sky und kommentierte die Debatte auf seine Weise.

Fotostrecke

Champions League: Top-Leistung gegen Top-Club

Foto: INA FASSBENDER/ REUTERS

Man kann Schmelzers Story sogar als die personifizierte Geschichte der Dortmunder in der Champions League in dieser und in der vergangenen Saison betrachten. Sowohl dem 24-Jährigen als auch dem BVB ist immer wieder die internationale Reife abgesprochen worden. Zu naiv, zu verspielt, nicht hart genug gegen sich und die anderen - die Vorwürfe waren grundsätzlicher Natur.

Doch dieser schwer erkämpfte Sieg gegen das teure Starensemble von Trainer José Mourinho ist nun so etwas wie die bestandene Fahrerlaubnis für Ausflüge in europäische Spitzenregionen, die Reifeprüfung. Sowohl für Schmelzer, der vor den Augen von Bundestrainer Löw brillierte, als auch für den gesamten BVB. Denn die Mannschaft, die noch am Wochenende eine leidenschaftslose und taktisch desolate Vorstellung im Revierderby gegen den FC Schalke 04 zeigte, spielte nun so, wie es ihr kaum jemand auf diesem Niveau zugetraut hätte.

Sebastian Kehl und Sven Bender ordneten im defensiven Mittelfeld das Spiel, Mario Götze und Marco Reus wirbelten in der Offensive nach Belieben. Dass sie dabei zumeist die linke Real-Seite, auf der der gelernte Mittelfeldspieler Michael Essien als Linksverteidiger spielen musste, unter erheblichen Druck setzten, ist ebenfalls Ausdruck einer möglichen neuen Cleverness. Denn Essien schien mit seiner neuen Rolle, die er nur aufgrund der Verletzung der etatmäßigen Außenverteidiger Marcelo und Alvaro Arbeloa einnahm, völlig überfordert.

BVB setzt Real mit Pressing unter Druck

Anders als Dortmunds Linksverteidiger Schmelzer. Nicht nur sein Siegtor, sondern vor allem seine Glanzleistungen in den direkten Duellen gegen die Real-Offensive um Cristiano Ronaldo, Karim Benzema und Ángel di María waren von beeindruckender Klasse. "Wir haben immer an uns geglaubt und wussten, dass wir es allen Kritikern irgendwann mal zeigen werden", sagte Innenverteidiger Neven Subotic.

Doch neben den individuellen Leistungen offerierten die BVB-Spieler am dritten Spieltag der Champions League eine Qualität, die sie in diesem Maße in dieser Spielzeit noch nicht gezeigt haben: Sie pressten so früh und aggressiv wie in der vergangenen Saison, als sie mit 81 Punkten einen neuen Bundesliga-Rekord aufgestellt hatten. "Real hatte auch vor dem Spiel Respekt vor uns. Aber sie haben ganz sicher nicht damit gerechnet, dass wir sie so extrem attackieren würden", sagte Abwehrchef Mats Hummels.

Vielleicht kam das Engagement auch dadurch zustande, dass Trainer Jürgen Klopp in der Kabine vor dem Spiel eine ganz spezielle Marschroute vorgab: "Wer heute nicht richtig defensiv arbeitet, der ist ein Arschloch." Nach dem Spiel musste sich keiner seiner Spieler als ein solches titulieren lassen. Das frühe Pressing in Verbindung mit der guten Ordnung im defensiven Mittelfeld gab Dortmund viel Sicherheit und Kompaktheit.

"Dieser Sieg gegen Madrid war ein weiterer ganz wichtiger Schritt in unserer Entwicklung. Wir wissen jetzt, dass wir die ganz Großen auch schlagen können", sagte Hummels. Es wird interessant sein zu beobachten, ob Dortmund nach seiner europäischen Reifeprüfung konstant ein solch hohes Niveau halten kann. Am kommenden Bundesliga-Spieltag geht es erst mal zum SC Freiburg.

Borussia Dortmund - Real Madrid 2:1 (1:1)
1:0 Lewandowski (36.)
1:1 Cristiano Ronaldo (38.)
2:1 Schmelzer (64.)
Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender (67. Gündogan), Kehl - Reus (90.+1 Perisic), Götze (87. Schieber), Großkreutz - Lewandowski
Real Madrid: Casillas - Sergio Ramos, Varane, Pepe, Essien - Khedira (20. Modric), Xabi Alonso - Di Maria, Özil, Cristiano Ronaldo - Benzema (73. Higuaín)
Schiedsrichter: Kassai (Ungarn)
Zuschauer: 65.829 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Gündogan - Sergio Ramos, Xabi Alonso