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Derby-Sieg über Schalke: Dortmunds Ausrufezeichen

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BVB-Sieg gegen Schalke Kämpfen statt zaubern

Sieg gegen den Erzrivalen Schalke, Tabellenführer für mindestens einen Tag: Für die Fans von Borussia Dortmund ist es ein traumhaftes Wochenende. Im Revierderby überzeugte ihr Team - allerdings nur kämpferisch. Dem Spiel des BVB fehlt derzeit die Kreativität, Trainer Klopp ist um neue Impulse bemüht.

Eigentlich hätte Kevin Großkreutz stinksauer sein müssen. Er ist Dortmunder. Und als solcher das Revierderby seines BVB gegen den FC Schalke 04 von der Ersatzbank aus verfolgen zu müssen, ist die Höchststrafe. Großkreutz war beim 2:0-Sieg seines Teams erst wenige Minuten vor Schluss eingewechselt worden. In einem Spiel, das für "mich das Leben bedeutet", so der 23-Jährige, der aber auf kritische Worte verzichtete.

"Wir hatten in dieser Woche zwei schwere Spiele und der Trainer entschied, dass ich eine Pause brauche." So simpel, wie Großkreutz manchmal spielt, erklärte er seine Nicht-Berücksichtigung gegen den Erzrivalen. Und weil es eben das Schalker Team war, das geprügelt aus der Dortmunder Arena schlich, war Großkreutz der erste Borusse auf dem Zaun vor der Südtribüne, wo die treuen BVB-Anhänger stehen.

Der Erfolg gegen die Gelsenkirchener war der Schlusspunkt von acht turbulenten Tagen. Mit den Bundesligasiegen gegen Schalke und den FC Bayern, aber auch mit der Niederlage beim FC Arsenal, die fast gleichbedeutend mit dem Ausscheiden aus der Champions League ist. "Die Königsklasse ist für uns alle Neuland. Man muss aber jeden Wettbewerb erst kennenlernen, bevor man darin wirklich gut wird. Ich hoffe, dass wir im kommenden Jahr wieder dort mitspielen dürfen", sagte BVB-Innenverteidiger Mats Hummels. Spielt Dortmund in der Bundesliga so weiter, dürfte die Qualifikation für die Königsklasse kein Problem werden.

Schalke in Halbzeit eins ohne Tormöglichkeit

Der Meister zeigte im Revierderby eine Trotzreaktion, mit der er die Niederlage aus England vergessen machen wollte. "Für uns war es wichtig, heute präsent zu sein. Nach so einem Erlebnis wie in London musst du versuchen, dir so schnell wie möglich irgendwo anders Selbstvertrauen zu holen", sagte Kapitän Sebastian Kehl. Und das gelang gegen Schalke von Beginn an.

Der BVB dominierte, ließ den Pokalsieger laufen, presste bereits im ersten Drittel des Spielfelds. Die Gelsenkirchener wirkten davon völlig eingeschüchtert und zogen sich weit in die eigene Hälfte zurück. Selten gelangen der Mannschaft von Trainer Huub Stevens Befreiungsangriffe. In der ersten Halbzeit hatte Schalke nicht eine Tormöglichkeit. "Sie hatten heute keine wirkliche Chance gegen uns", sagte Hummels. BVB-Trainer Jürgen Klopp war "total begeistert" von der Leistung seiner Mannschaft und lobte das "rotzfreche" Auftreten.

Dortmund mit körperbetontem Spiel erfolgreich

Der BVB zeigte tatsächlich eine couragierte Leistung, keinesfalls jedoch ein Fußballfest, wie es nach den Aussagen der Beteiligten zu vermuten wäre. Statt außergewöhnlicher Einzelaktionen oder sehenswerten Spielzügen kämpften die Dortmunder durchweg, waren aggressiver. Die Borussia beschränkte sich auf das körperliche Spiel.

In der Bundesliga reichen diese Grundfähigkeiten derzeit aus. Vor allem dank des kompakten Mittelfelds und einer generell hohen Laufbereitschaft ist der BVB national erfolgreich. Sogar so erfolgreich, dass er nun zumindest vorübergehend die Tabellenführung übernommen hat und realistisch gesehen seinen Titel verteidigen kann. Mit diesen Tugenden lassen sich Mannschaften wie Schalke und Bayern München, wenn der Club einen schlechten Tag hat, unter Druck setzen und sogar in Niederlagen treiben. International scheint das jedoch zu wenig zu sein. "Die Champions League ist mehr Taktik und weniger Laufen. Das müssen wir noch lernen", sagte Felipe Santana, gegen Schalke Torschütze zum 2:0.

"Wir haben unsere Spiele analysiert und werden daran wachsen", sagte Klopp. Der Trainer setzte gegen Schalke auf die Erweiterung des taktischen Repertoires seines Teams und baute es entscheidend um. Robert Lewandowski, der in dieser Saison zum Stamm-Stürmer aufgestiegen ist, wurde diesmal von Klopp zurückgezogen und spielte im zentralen Mittelfeld. Sein polnischer Nationalmannschafts-Kollege Jakub Blaszczykowski hingegen übernahm die rechte Außenbahn und wirbelte die Schalker Defensive insbesondere in der ersten Halbzeit gehörig durcheinander.

Da sich zuletzt zahlreiche Mannschaften auf das Spiel der Dortmunder eingestellt hatten und so die ehemals schnellen BVB-Ballstafetten kaum noch ermöglichten, versucht die Borussia nun, neue Wege zu gehen. Die frischen Kräfte in der Stammformation setzte Klopp vor allem deshalb ein, um dem Spiel seines Teams neue Kreativität zu verleihen. Gegen Schalke zeigte sich diese Wirkung noch nicht.

Es ist genau diese Kreativität, die dem BVB fehlt, um mit einer Top-Mannschaft wie Arsenal auf Augenhöhe zu agieren. "Die hatten Einzelspieler, die den Unterschied ganz alleine ausmachen", sagte Moritz Leitner. Dortmund begegnet diesem Mangel derzeit zwar gekonnt mit mannschaftlicher Geschlossenheit. Auf Dauer dürfte das international aber nicht reichen. National ist es (noch) kein Problem.

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